Vor Corona droht der Hungertod

  • Weitere
    schließen
+
Corona und die medizinische Versorgung in Nepal: ein medizinisches Notfallzentrum in Chitwa, westlich der Hauptstadt Kathmandu.
  • schließen

Die Nachrichten, die den Verein "Zukunft für Nepal Ostwürttemberg" aus dem Land am Himalaya erreichen, sind verheerend.

Aalen / Dhading

Der Verein "Zukunft für Nepal Ostwürttemberg" hat mit viel ehrenamtlichem Engagement und Spenden aus Deutschland ein Ausbildungszentrum für junge Menschen im nepalesischen Dhading errichtet. Im Oktober 2019 war es eröffnet worden, nur sechs Monate später wurde es geschlossen – Coronagefahr. "Wir mussten Anfang März alle 15 Jungen und Mädchen nach Hause schicken", berichtet die Vereinsvorsitzende Petra Pachner. Inzwischen ruht der Lehrbetrieb noch immer. Pachner: "Wir sind in regelmäßigem Kontakt mit der nepalesischen Regierung und dem deutschen Botschafter, aber wir haben keinerlei zeitliche Perspektive, wann es weitergehen kann."

Wieder aufgenommen hat der Verein dagegen die Bauarbeiten für ein Wohnheim für Auszubildende auf dem Gelände sowie Arbeiten zur Absicherung des Bodens gegen Hangrutschung. Sie waren ebenfalls im März gestoppt worden.

Die Folgen der Corona-Krise treffen Nepal brutal, berichten dort lebende Kontaktleute des Aalener Vereins. Der Tourismus – eine wichtige Einnahmequelle für viele Menschen – sei völlig zum Erliegen gekommen. Die Landesgrenzen sind seit Monaten geschlossen – mit fatalen Folgen. Petra Pachner: "30 Prozent der Nepalesen verdienen ihr Geld im Ausland." Tausende von nepalesischen Gastarbeitern seien bei der Rückkehr aus Indien an den Schlagbäumen gestrandet. Weil der Flugverkehr eingestellt sei, könnten Millionen Nepalesen in arabischen Ländern nicht in ihre Heimat zurück. Sie seien wegen der Pandemie arbeitslos geworden. Petra Pachner: "Sie müssen ihr hart verdientes Geld jetzt im Ausland ‘verbraten', das eigentlich dafür gedacht war, ihre Familien in Nepal zu unterstützen."

Wir mussten alle Auszubildenden nach Hause schicken.

Petra Pachner Verein Zukunft für Nepal

Nach wie vor gilt eine Ausgangssperre: Niemand darf sich weiter als einen Kilometer von daheim entfernen. Die Folge: Viele Arbeiter hätten ihren Job und damit ihre Einkünfte verloren, weil sie ihren Arbeitsplatz nicht mehr erreichen können, berichten Nepalesen dem Verein auf der Ostalb. Gleichzeitig explodieren die Preise. Petra Pachner: "Lebensmittel sind so teuer geworden, dass sie für viele Nepalesen unerschwinglich werden. Um zu überleben, verlassen Tausende, besonders Frauen und Kinder, die Hauptstadt Kathmandu und gehen zurück in ihre Heimatdörfer – Ausgangssperre hin oder her." Der Hungertod sei eine größere Bedrohung als das Coronavirus.

Die medizinische Versorgung in Nepal war auch vor der Pandemie schon schlecht. Der Verein "Zukunft für Nepal Ostwürttemberg" unterstützt mit Spenden regelmäßig eine Notfallambulanz in Chitwan, westlich der Hauptstadt Kathmandu. Medikamente, Verbandsmaterial und Schutzkleidung für den dort arbeitenden Arzt – fast alles brachten Mitglieder des Vereins aus Deutschland. Doch auch diese Quelle ist erst einmal versiegt. Keiner weiß, wann Reisen nach Nepal wieder möglich sind.

Schutzbekleidung für den Arzt, Medikamente und Verbandsmaterial – alles Spenden von der Ostalb.

Zurück zur Übersicht: Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL