Vorschlag: Ein Platz in Aalen für König Manga Bell aus Kamerun

+
Manga Bell im Porträt, 1892.
  • schließen

Von einem Unrecht in Kamerun, einer Petition an die Bundesregierung und dem Vorschlag, in Aalen an Manga Bell zu erinnern.

Aalen/Kamerun. Mit einer Petition an die deutsche Bundesregierung wollen die Unterzeichner um den Initiator Jean-Pierre Félix-Eyoum die Rehabilitierung von Rudolf Duala Manga Bell und Ngoso Din erreichen. Diese wurden am 8. August 1914 im heutigen Douala/Kamerun von der deutschen Kolonialregierung hingerichtet. Mittlerweile gilt es historisch erweisen, dass König Bell und sein Vertreter Ngoso Din in einem Scheinverfahren wegen angeblichen „Hochverrats“ am 8. August 1914 auf Befehl des deutschen Gouverneurs Karl Ebermeier im Innenhof der deutschen Polizeistation in Douala gehängt wurden. Die Anklage war ein konstruierter Vorwand zur Eliminierung kolonialen Widerstands. Selbst nach damaligen Standards ignorierte das Verfahren Grundsätze unabhängiger Justiz.

Die Petition

Bis heute weigere sich die deutsche Regierung, die Unschuld der Hingerichteten anzuerkennen, heißt es in der Petition und weiter: „Wir fordern von der Bundesregierung die umgehende Rehabilitierung von Rudolf Duala Manga Bell und Ngoso Din als ersten Schritt zur Aufarbeitung des kolonialen Unrechts in Kamerun.“

Unterstützung aus Aalen

Zu den Unterstützern zählt Gerhard Kayser vom Geschichtsverein Aalen, der eine Zusammenfassung der Verbindung zwischen Aalen und Kamerun an die Mitglieder und Freunde des Geschichtsvereins versandt hat.

Im Jahr 1891 brachte demnach der in Kamerun tätige Kaiserliche Finanzrat Gustav Pahl den 16-jährigen Sohn des King A. Bell mit nach Aalen. Rudolf Manga Bell sollte deutsch erzogen werden. Zunächst ging dieser in die Volks- und danach in die Lateinschule (bis 1895). Nach seiner Rückkehr nach Kamerun schrieb er noch Postkarten an seine Aalener Mitschüler, so auch an Kaysers Großvater. Im Jahr 1908 wird er Nachfolger seines verstorbenen Vaters als oberster Häuptling des Bell-Clans. Wegen des unbegründeten Vorwurfs „Hochverrat“ wurde er 1914 ohne ein Urteil gehängt.

Gerhard Kaysers Vorschlag

In den späten 1990er-Jahren erschien ein Bericht von Jean-Pierre Félix-Eyoum, einem Großneffen von Rudolf M B. Er war auf Spurensuche seines Großonkels. „Ich meldete mich bei ihm und seither besteht eine enge Zusammenarbeit bei der Aufarbeitung dieses Justizmordes“, berichtet Kayser. Jean-Pierre Félix-Eyoum habe beeindruckende Vorträge beim Geschichtsverein Aalen gehalten. Gerhard Kayser ist es sehr wichtig, dass in der Kernstadt Aalen Rudolf Manga Bell, der für die vertraglich festgelegten Rechte seines Volkes gekämpft habe und der dafür mit seinem Leben bezahlen musste, eine Straße oder ein Platz gewidmet wird, „unabhängig davon, dass aktuell Namen von weiblichen Persönlichkeiten gesucht werden“, wie Kayser erklärt.. ⋌Jürgen Steck

Zurück zur Übersicht: Aalen

Kommentare