Wahl zum evangelischen Landesbischof gescheitert

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Bischofskandidatin Dr. Viola Schrenk bei ihrem Besuch in Oberkochen
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Vier Wahlgänge und kein Ergebnis. Was geschehen ist und wie es am Samstag weitergeht.

Stuttgart. In der württembergischen Landessynode läuft die Wahl des künftigen Landesbischofs, einer künftigen Landesbischöfin. Nach vier Wahlgängen um das Amt des evangelischen Landesbischofs oder der Landesbischöfin stand am Donnerstagabend kein Nachfolger von Dr. Frank Otfried July fest. Der Grund: Auch im letzten der vier Wahlgänge erhielt der zuletzt einzige Kandidat - Gottfried Heinzmann - nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit.  Deshalb ist die Wahl vorerst gescheitert.

Nachdem auch bis Freitagvormittag  nach stundenlangen Beratungen keine Einigung der Gesprächskreise auf einen erfolgversprechenden Kandidaten oder eine Kandidatin in Aussicht stand, wurde ein erneuter Wahlgang für frühestens Samstag avisiert. Der Nominierungsausschuss und die Gesprächskreise beraten nach wie vor. 

Indessen hat Landesbischof Frank Otfried July am Freitag bei der Frühjahrstagung der Synode gemahnt, eine Lösung für die aktuelle Situation zu finden. 

Die Bewerber und die ersten beiden Wahlgänge

Beworben um das Amt hatten sich die gebürtige Aalenerin Dr. Viola Schrenk für den fortschrittlich-liberalen Gesprächskreis (entspricht einer Fraktion, Anmerk. d. Red.) "Offene Kirche",  Gottfried Heinzmann für die konservative "Lebendige Gemeinde" und der Ulmer Münsterdekan Ernst-Wilhelm Gohl für den Gesprächskreis der Mitte "Evangelium und Kirche". Der Ulmer Bischof hat am frühen Nachmittag nach dem zweiten Wahlgang - mit für ihn 19 der 86 Stimmen - seine Kandidatur zurückgezogen.

Die dritte Runde

Nach dem dritten Wahlgang scheidet - wie es das Reglement erfordert - der oder die Kandidatin mit der geringsten Stimmenzahl aus. Auf Gottfried Heinzmann entfielen 41 Stimmen; auf Dr. Viola Schrenk  39 Stimmen; sechs Stimmen waren ungültig. Damit schied die liberale Kandidatin Dr. Viola Schrenk, die Studieninspektorin am Stift in Tübingen ist, aus.

Am Ende bleibt nur noch einer

Damit war aber nicht automatisch Gottfried Heinzmann, Chef der Zieglerschen Diakonie in Wilhelmsdorf, zum Landesbischof gewählt. Die Landessynode musste nun in einem vierten Wahlgang den gebürtigen Heilbronner Heinzmann mit einer Zweidrittelmehrheit, also mit 58 Stimmen der 86 anwesenden Syodalen, wählen. Heinzmann gelang es lediglich 44 Stimmen zu erzielen. 42 Stimmen waren ungültig in einem Wahlverfahren, das keine Enthaltungen zulässt.

Was jetzt passiert

Am Donnerstagabend tagte, nachdem die Wahl eines Landesbischofs, einer Landesbischöfin gescheitert war, der Nominierungsausschuss, in dem alle Gesprächskreise vertreten sind. Wie Synodalpräsidentin Sabine Foth mitteilte, ab 22 Uhr. Auch an diesem Freitag gab es weitere Gespräche. 

Fakt ist: ein weiterer Wahlgang wird frühestens am Samstag, dem dritten Tag der Frühjahrssynode,  stattfinden. Bis dahin sollen weitere Gespräche zwischen den sogenannten Gesprächskreise geführt werden. Dabei könnte der beim zweiten Wahlgang Drittplatzierte Ernst-Wilhelm Gohl als Konsenskandidat eine Rolle spielen. Aber es ist auch möglich, dass sich die beiden größten Gesprächskreise auf einen bisher noch nicht "gehandelten" Kandidaten oder eine Kandidatin einigen. Halten "Lebendige Gemeinde" an Gottfried Heinzmann und "Offene Kirche" an Dr. Viola Schrenk als Kandidaten fest, müssten die Synodalen eines Gesprächskreises über ihren Schatten springen.

Info: Der amtierende Landesbischof Dr. Frank Otfried July geht im Juli im Alter von 68 Jahren in den Ruhestand. July war bei seiner Wahl 2005 im ersten Wahlgang gewählt worden. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird auf zehn Jahre gewählt.

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