Wandern für den guten Zweck: Boxenstopp in Oberkochen

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Müde aber überglücklich bei der Ankunft auf dem neuen Stadtplatz in Oberkochen
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Michael Schuster (34) wandert 740 Kilometer für einen sozialen Zweck von Potsdam nach Ulm. Was er auf seiner Mammut-Tour erlebt.

Oberkochen. Michael Schuster stetht auf dem Stadtplatz in der Neuen Mitte. Gerade ist er in Oberkochen angekommen. „Ich habe es geschafft“, lauteten seine ersten Worte, bevor der überglückliche Vielfach-Marathonist Gepäck und Wanderstab ablegt. Anschließend besucht er seine Mutter in der Katzenbachstraße. Am nächsten soll es von Oberkochen nach Burgberg gehen, wo Michael Schuster aufgewachsen ist. Geboren ist er in Heidenheim. Die finalen Etappen führten ihn dann über Langenau nach Ulm. Am Ende sind es 740 Kilometer oder anders ausgedrückt ein 15-facher Marathon, den Schuster von Potsdam nach Ulm wandert.

Vier Wochen war er dafür auf Schusters Rappen unterwegs. Die Strapazen sind ihm nicht anzumerken. „Mir geht es gut, innen wie außen“, sagt er und lacht. Erst einmal erzählt Michael Schuster ein wenig aus seinem Leben. Seit acht Jahren wohnt er in Berlin, wo er an der Heinrich-Stephan-Gesamtschule als Lernförderlehrer in den Klassen eins bis zwölf Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik fördert.

Er hatte von 2007 bis 2012 Internationale Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule in Aalen studiert, seinen Bachelor in International Business und einen Master in Medien- und Kommunikationsmanagement gemacht. Viel herumgekommen ist er. In Paris war er bei der Airbus-Group beschäftigt und in Hamburg bei einer Werbeagentur.

„Irgendwie merkte ich, dass das alles nicht so mein Ding ist“, blickt er zurück. Quasi per Zufall kam er auf einen Förderverein, der sich mit Jugendprojekten beschäftigt. Das war quasi die Initialzündung für den sozialen Bereich. Er wurde nach einer zunächst freiberuflichen Tätigkeit als hauptamtlicher Lernförderlehrer in Berlin fest angestellt.

Nach eineinhalb Jahren Corona habe er einfach gespürt, raus zu müssen, runterzukommen. Er wollte die Reiselust per pedes mit einem guten Zweck krönen. Am 2. Juli ging es in Potsdam los. Bereits Anfang März hatte er die 740-Kilometer-Strecke minuziös vorbereitet. Die Etappen wurden vorgeplant. Aus fünf Wanderrouten hatte er die Strecken ausgesucht. 95 Prozent abseits von Straßen. Über Sachsen, Franken hinein ins Ländle. Der Zungenschlag habe sich geändert, in den Dialekten sei er richtig geprüft worden. Übernachtet hat er meist in freier Natur im Wald. Zwischendurch haben ihn Leute zur Übernachtung eingeladen. „Ich habe viele liebe und spendenfreudige Menschen kennengelernt“, blickt er zurück. In Friedrichroda bekam er von einem Hotelier eine Übernachtung geschenkt.

Die Menschen in den angelaufenen Städten und Dörfern fragten natürlich, was denn das Ziel seiner Mammut-Tour sei. Er habe eifrig erzählt, denn sein Ziel sei eine möglichst große Summe für den guten Zweck. In Deutschlands Osten sei die Aktion dank Tageszeitungen bekanntgeworden. „Die Menschen haben sich informiert“, sagt der Wanderer, der sich aus Dosen ernährt. Bisweilen habe man ihn auch eingeladen oder Bäcker haben in versorgt.

„Gar nicht so lustig, eher schmerzhaft“ sei sein Erlebnis in der Nähe von Halle gewesen. Er hatte sich Blutblasen gelaufen – schon am vierten Tag. Eine ältere Dame hatte ihn eingeladen, zu übernachten. Deren Katze hielt Schuster wohl für einen „Eindringling“ und biss ihn. Beim Hochschrecken rissen die Blasen wieder auf, Zwangspause. Kleinkriegen lässt sich Schuster nie, er habe die Strecke einfach schaffen wollen –„die große Wanderreise mit einem guten Zweck“.

Jetzt zeigt er sich überglücklich, dass insgesamt 2000 Euro zusammengekommen sind, um Kindern die Chance auf eine schulische Ausbildung zu ermöglichen. Sein Fazit? Er habe gelernt, dass man selbst an seine Grenzen gehen kann. Gelernt auch, dass man auf Menschen zugehen kann und, dass man auch mit einem Rucksack mit Verzicht auf gewohnten Luxus durchs Leben kommt.

„Wer gerne noch spenden will, ist herzlich willkommen“, sagt Michael Schuster, der sich, bevor es zu Muttern in die Katzenbachstraße geht, noch schnell in den Wasserfontänen am Stadtplatz die Füße kühlt.

Schusters Weg findet man via Instagram und Facebook auf @aroutetoschools.

Spenden sind über LINKTR.EE/aRouteToSchools möglich, wer möchte, kann auch einfach per E-Mail mit Michael Schuster Kontakt aufnehmen: MICHAELSCHSTR@GMAIL.COM

„Ich wollte eine große Wanderreise mit einem guten Zweck verbinden“

Michael Schuster, Dauer-Wanderer
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