Was tun, wenn Schulnoten absacken?

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Manche Kinder haben durch Fernunterricht und „Homeschooling“ inzwischen einen Nachhilfebedarf. Unser Symbolfoto zeigt einen Schüler am Laptop beim Online-Nachhilfeunterricht.
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Elternbeirat Wolfgang Schmidt erklärt, warum der Bedarf bei Kindern und Jugendlichen in Aalen wächst. Große kommerzielle Anbieter in der Stadt erläutern ihre Unterrichtsformen.

Aalen

Meist „Homeschooling“, selten Normalunterricht, manchmal Wechselunterricht: Das Hin und Her, bedingt durch die schwankenden Corona-Zahlen, ist für Grundschüler Paul schwer zu verkraften. Der Name Paul steht hier für viele Kinder und Jugendliche. „Sie haben jetzt schon ein Jahr lang keinen vernünftigen Unterricht mehr“, sagt Wolfgang Schmidt, Gesamtelternbeiratsvorsitzender der Stadt Aalen, auf Anfrage. „Wir beobachten, dass sich meist die Schulnoten nach unten bewegen. Im Durchschnitt sogar jeweils um eine ganze Note.“

„Schule zuhause funktioniert nicht in allen Familien gleich gut“, erklärt der Vater von zwei Kindern, neun und elf Jahre alt. Er konkretisiert: „Das kann gar nicht überall gut funktionieren.“ Sobald sich ein Elternteil um mehr als ein Kind im „Homeschooling“ kümmern müsse, also um mehrere Sprösslinge aus unterschiedlichen Klassenstufen, sei die Situation schwierig. Viele Elternteile seien zudem nicht jederzeit abrufbar.

Kindern fehle auch die eigentliche Lehrerin oder der Lehrer. „Mutter oder Vater erklären ihnen den Unterrichtsstoff normalerweise anders, als sie es aus der Schule gewohnt sind.“ Er habe zu seiner Schulzeit das schriftliche Dividieren anders gelernt, als es heute gelehrt werde. Und nicht jeder Elternteil sei in jedem Schulfach gleich gut aufgestellt. Das alles verunsichere Kinder im „Homeschooling“. „Kinder brauchen aber Sicherheit“, sagt Wolfgang Schmidt.

Und Kinder benötigten ihren Rhythmus. „An der Schillerschule holen wir deshalb – wenn die Pandemie es zulässt – die Kinder täglich in die Schule, im Zwei-Schicht-Betrieb“, berichtet der Elternbeiratsvorsitzende. Städtische Angebote der Ganztagesbetreuung seien zusätzlich hilfreich. Aber jetzt, durch erneute Schulschließungen, sei schon wieder kein Lernen im gewohnten Rhythmus möglich.

Was tun, wenn die Lerndefizite von Paul aktuell zunehmen?

Wenn dann die Noten absacken, sind Kinder und Jugendliche wie Paul natürlich immer weniger motiviert. Was tun?

Unbedingt sollten die Lehrpläne abgespeckt werden, fordert Wolfgang Schmidt. „Alles, was fürs tägliche Leben nicht so wichtig ist, sollte jetzt wegfallen.“ Er nennt ein Beispiel aus seiner Schulzeit: „Wer braucht denn heute noch den Spruch '333 bei Issos Keilerei'“?

Nachhilfe in den Sommerferien, federführend über die städtischen Schulen organisiert, wäre eine gute Sache, meint der Gesamtelternbeiratsvorsitzende außerdem. Wobei er daran erinnert: „Lehrerinnen und Lehrer sind beim Land angestellt, für die Stadt können sie nur freiwillig zusätzlich arbeiten.“

Wie private Nachhilfeanbieter in Aalen jetzt reagieren

Die „Schülerhilfe“: „Vor allem Grundschüler leiden in der jetzigen Situation“, bemerkt Bilal Tourki. Er ist Inhaber des privaten Nachhilfeanbieters „Schülerhilfe“ in Aalen und Umgebung. Das Unternehmen „Schülerhilfe“ an sich ist bundesweit präsent. Tourki erzählt weiter: Schwierig sei vor allem, wenn Eltern „nicht so lernaffin“ sind. „Dann fehlt den Schülern ein Lehrer, der 1:1 mit ihnen schafft.“

Sein Unternehmen biete dies an, auch das Lernen in kleinen Gruppen. „Wir arbeiten mit Lernvideos, bei uns gibt es eine Hausaufgabenhilfe.“ Bilal Tourki meint: „Unser Online-Lerncenter ist toll aufgestellt. Wir haben in Hamburg 40 Lehrer für die Hausaufgabenhilfe. Sie schicken die Arbeiten korrigiert so schnell wie möglich zurück.“

Wichtig findet Bilal Tourki bei all diesen Angeboten, dass sie nicht kostenlos sind. „Wenn Mutter oder Vater dafür zahlen müssen, motivieren sie ihr Kind.“ Und nur ein motiviertes Kind könne gut lernen.

Der Studienkreis: „Unsere Nachhilfeangebote sind bewusst nicht gratis“, betont auf Anfrage auch Thomas Momotow. Er ist Pressesprecher des großen bundesweiten privaten Mitbewerbers von der „Schülerhilfe“. Momotows Unternehmen „Studienkreis“ ist ebenfalls in Aalen und Umgebung vertreten.

Derzeit wirbt der „Studienkreis“ dennoch für kostenlose Angebote. Momotow erklärt: Seinen Schülerinnen und Schülern biete das Unternehmen zusätzlich zu der gängigen Nachhilfe auch kostenlose Online-Kurse an, für jede Klassenstufe und in allen relevanten Schulfächern. „Das sind jeweils 90 Minuten lange Vorträge ohne Dialogmöglichkeiten, aber jederzeit abrufbar“, erläutert Momotow. Und weil die Teilnehmerzahl an diesen Online-Vorträgen grenzenlos nach oben wachsen könne, seien diese Vorträge auch für Schülerinnen und Schüler buchbar, die ansonsten den Studienkreis nicht in Anspruch nehmen.

Kinder brauchen Sicherheit. Die fehlt ihnen im Hinblick auf Schule seit einem Jahr.“

Wolfgang Schmidt

Hilfe bei den Hausaufgaben

Die Stadt Aalen bietet zwar keine Nachhilfe an, aber im Normalfall, also wenn es die Corona-Infektionszahlen zulassen, diverse Hausaufgabenbetreuungen. Stadtsprecherin Karin Haisch berichtet auf Anfrage:

Der Treffpunkt Rötenberg müsse derzeit aufgrund der Pandemie geschlossen bleiben. Sobald es angesichts der Corona-Verordnungen wieder erlaubt ist, sei aber geplant, mit der Hausaufgabenbetreuung in kleinen Gruppen in Präsenz zu starten. Karin Haisch: „Dabei handelt es sich um eine Begleitung bei der Erledigung der Hausaufgaben, keinen qualifizierten Nachhilfeunterricht.“ Die erforderlichen technischen Kapazitäten für einen Online-Unterricht seien im Treffpunkt Rötenberg nicht gegeben und das sei auch nicht das primäre Handlungsfeld des Treffpunkt-Angebots. Der Treffpunkt biete in erster Linie niederschwellige Angebote für eine außerschulische Freizeitgestaltung.

Im Haus der Jugend können im Normalfall ebenfalls Kinder ihre Hausaufgaben machen, informiert Haisch. Dies sei aber in einem offenen Angebot möglich, nicht in einer Hausaufgabenbetreuung. „Die Kinder können auch andere Angebote wahrnehmen.“

In städtischen Schulen sei die Hausaufgabenbetreuung Bestandteil des Ganztagesschulbetriebs. „Sie nennt sich Lernzeit und liegt in der Verantwortung der Schulen“, als schulisches Angebot. „Die Kinder nehmen dort verpflichtend teil. Die Stadt bietet um dieses Angebot die entsprechenden Betreuungsbausteine.“

Aktuell ist an Schulen wieder nur eine Notbetreuung erlaubt. Karin Haisch: „Wir betreuen die Kinder ergänzend zum schulischen Angebot.“ cow

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