Zu Besuch beim Waschbärpapa

  • Weitere
    schließen
+
Ein großes Fellknäuel: Für einen kurzen Moment wurde das Kamintürchen geöffnet, um die Tiere zu begutachten.
  • schließen

Bei einem Wasseralfinger wohnt eine Waschbärmama mit ihren Jungen. Ganz glücklich ist der Hausherr damit zwar nicht, doch die Tiere dürfen bleiben, bis sie auf eigenen Pfoten stehen können

Er ist frischgebackener Waschtierpapa! Vor einigen Wochen sind die possierlichen Tierchen bei dem Wasseralfinger eingezogen, in den Kamin. „Ich habe immer ein zartes Kratzen gehört“, sagt der Mann, der namentlich nicht genannt werden will, bei einem Hausbesuch. Eine Waschbärmama und drei Jungtiere wohnen nun unter seinem Dach. „Ich dachte erst, dass dort vielleicht Mäuschen wohnen.“ Die tierischen Untermieter sind dann aber ein ganzes Stück größer.

Entdeckt hat sie der Schornsteinfeger bei einem Kontrollbesuch am vergangenen Donnerstag. Feuerwehr und Polizei rückten an, um die Kinderstube zu begutachten. Das Urteil: Die Tiere bleiben, wo sie sind. Denn werden die Babys einmal von Menschen berührt, nimmt sie die Mutter nicht mehr an, wie die Polizei am Freitag mitteilte. „Ich hoffe dass die Tiere gesund groß werden und dann Leine ziehen“, sagt der Hausherr.

Ich habe immer ein zartes Kratzen gehört.“

Waschtierpapa

Von außen nichts zu sehen

Eingenistet haben sich die Tierchen mit der schwarzen Maske im Kamin am Wohnzimmer. Von außen ist nicht viel zu sehen, nur eine weiße Abdeckplatte zeigt, dass sich dahinter ein Hohlraum befindet. „Die Tiere müssen übers Dach in den Schornstein geklettert sein, das ist gar nicht so einfach“, sagt der Waschtierpapa. Tags über bekomme er von den Vier nichts mit, erst abends werden sie aktiv. Eines steht fest: Bis die Tierchen auf eigenen Pfoten stehen können, dürfen sie im Kamin des Wasseralfingers wohnen.

Elke Wengert, Leiterin der Wildtierauffangstation in Göggingen, findet es gut, dass die Tiere in diesem Fall bleiben dürfen. „Wenn die Tiere stören und keine Babys haben, können sie vergrämt werden. Aber: Man sollte auf keinen Fall der Mutter die Kinder wegnehmen“, sagt sie auf SchwäPo-Anfrage. „Man kann an den Kamin klopfen oder das Radio daneben stellen“, erklärt Elke Wengert. Das Tierchen müsse denken: Nein, hier fühle ich mich nicht wohl. „Denn wenn die Bedingungen vor Ort ideal sind, kann es sein, dass der Waschbär dort für immer bleibt“, sagt Elke Wengert, die aktuell drei Waschbärbabies aufpäppelt und auf das Leben in einem Park vorbereitet.

Ganz schön abenteuerlich: Über das Dach muss die Waschbärmama in den Kamin klettern.

Wenn es sich die nachtaktiven Tierchen nicht in einem Kamin gemütlich machen, leben sie im Wald in hohlen Baumstämmen. Waschbären fressen, was ihnen vor die Schnauze kommt. „Sie sind Allesfresser. Mögen Kräuter, Knospen, Würmer und Insekten“, erklärt Elke Wengert. Zum Jagen sei der Kleinbär zu faul. Aber: „Es sind sehr intelligente Tiere.“

Einen Appell hat Elke Wengert noch: „Wer irgendwo einen Waschbär findet, der nicht verletzt ist, soll ihn einfach sitzenlassen. Die Mutter holt sich das Baby wieder.“

Unter Naturschutz steht der Waschbär nicht. In Baden-Württemberg darf er vom 1. August bis 28. Februar geschossen werden. Sonst darf er nur in einer Kastenfalle gefangen und weiter weg wieder ausgesetzt werden.

Die Tiere stammen aus Nordamerika und wurden in den 1920/30er Jahren nach Deutschland gebracht. 1934 setzte man sie in Hessen aus, um sie in anzusiedeln. Seitdem vermehren sie sich. Natürliche Feinde haben die Jungtiere, Füchse und Greifvögel etwa.

Zurück zur Übersicht: Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL