Der „Blutwurz des Jahres“ kommt aus Wasseralfingen

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Frank Roder in seinem Direktvermarkter-Laden, der "Destillathek". Im Vordsergrund eine Flasche Blutwurz, linmls der mit Gold prämierte Suebisch Whisky.

Kleinbrenner Frank Roder aus Wasseralfingen ist bei der Landesprämierung erfolgreich. Wie er zu diesem Beruf gekommen ist.

Aalen-Wasseralfingen. Der Wahlspruch der Brennerei Roder heißt „Geistreiches aus Wasseralfingen“. Doch Frank Roder ist nicht nur – in doppeltem Sinne – geistreich, sondern auch erfolgreich. Bei der 24. Landesprämierung für Destillate und Liköre des Landesverbandes der Klein- und Obstbrenner Nord-Württemberg ist sein „Blutwurz“ mit dem Sonderpreis „Spirituose des Jahres“ ausgezeichnet worden. Eine Sonderwertung, denn bei der Prämierung hatte der Blutwurz schon die Auszeichnung „Gold“ erhalten.

Zwei weitere Brennereien aus dem Ostalbkreis waren bei dieser Sonderwertung ebenfalls erfolgreich: Erwin Bohn aus Gschwend und Matthias Kottmann aus Waldstetten, jeweils mit einem „Birnenbrand des Jahres“.

Frank Roder freut sich besonders über seine und andere Auszeichnungen: „Ich bin ein Ein-Mann-Betrieb, ohne Familie oder Angestellte im Rücken“, sagt er. Von seinen zehn eingereichten Proben sei keine durchgefallen. Mehr noch: Er musste nicht einmal mit „Bronze“ vorliebnehmen. „Gold“ erreichten sein Schwäbischer Whisky, Mispelbrand, Himbeergeist und der genannte Blutwurz. „Silber“ erreichten sein Schwäbischer Gin, Mirabellen- und Vogelbeerbrand, Brombeer- und Holundergeist sowie sein Quittenlikör.

Bei der Prämierung haben 24 Prüfer über 1700 Proben bewertet, berichtet der Landesverband in einer Pressemitteilung. Eine sensorische Bewertung, das heißt: Der Geschmack wird geprüft, in einer Blindverkostung. „Man weiß zum Beispiel, dass es ein Birnenbrand ist“, erzählt Frank Roder, der auch die Zulassung zum Prüfer hat. „Aber mehr nicht.“ Durch die Prämierungen wolle man die Qualität der Produkte steigern, teilt der Landesverband mit.

Dass der engagierte Kleinbrenner so erfolgreich ist, kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat er einen Meisterbrief, der in seinem Laden, der „Destillathek“ in der Wasseralfinger Schlosserstraße an der Wand hängt. „Landwirtschaftlicher Brennmeister“ steht drauf. „Zwei Jahre lang ein berufsbegleitender Meisterkurs mit Abschlussprüfung“, erklärt Roder. Davor Brenner-Kurse an der Universität Hohenheim. „Doch man muss als Kleinbrenner seinen Beruf nicht unbedingt lernen“, erzählt er.

Ihm ist die Herstellung von Bränden, Geisten und anderen alkoholischen Spezialitäten innerhalb der Familie gewissermaßen zugefallen. Ein Onkel hatte die Brennerei betrieben, in kleinerem Maßstab. „Der ist 1996 überraschend gestorben, im Alter von 52 Jahren. Zwei Jahre lang gab’s eine Übergangslösung, 1998 habe ich dann übernommen“, erinnert er sich. Und der damals 31-Jährige hat den Ein-Mann-Betrieb ausgebaut und modernisiert. 2006 eröffnete er die „Destillathek“ und verkauft seither in der Schlosserstraße am Freitagnachmittag und Samstagvormittag – oder nach telefonischer Vereinbarung.

Frank Roder setzt auf Direktvermarktung, ist normalerweise viel auf regionalen Märkten und Festen mit seinem Stand unterwegs. Da hat ihn „Corona“ natürlich ausgebremst. Aber immerhin: Die Destillathek durfte er als Direktvermarkter geöffnet halten.

45 verschiedene Produkte bietet er inzwischen an. Zwischen lieblichem Honigwein („Met“) mit 11 Prozent und einem kräftigen Kräuterlikör, der sich „Feuerteufel“ nennt und 56 Prozent Alkohol enthält. „Suebisch Whisky“ ist eine Spezialität von Frank Roder – und neuerdings auch „Suebian Dry Gin“, was den Zeitgeist trifft. „Ich habe ein Gin-Rezept meines Onkels gefunden und das vorsichtig verfeinert“, berichtet er.

Unter seinen Produkten findet sich ein „Easy Roder“, ein mit Whisky verfeinerter Kirschlikör. Der Anklang zum Motorrad-Kultfilm mit Peter Fonda, Dennis Hopper und Jack Nicholson kommt nicht von ungefähr. Ein paar Jahre lang fuhr Roder selbst eine Harley Davidson. „Bis ich schließlich feststellte, dass sie nur noch zur Werkstatt und zum TÜV bewegt wird. Dann habe ich sie wieder verkauft.“

  • INFO:
  • Kleinbrenner verarbeiten meistens Streuobst und übernehmen so die aufwändige Pflege heimischer Streuobstwiesen. Sie dürfen für Obstbrände maximal 300 Liter reinen Alkohol pro Jahr verarbeiten. Bei 40 Prozent Trinkstärke entspricht dies 750 Litern Obstbrand. Für Liköre und Geiste dürfen sie allerdings Alkohol hinzukaufen. Kleinbrenner gibt es vor allem in Süddeutschland, wo Streuobstwiesen typisch sind.
  • Weitere Informationen: www.kleinbrenner-verband.de
  • www.brennerei-roder.de

Mehr zum Thema gibt's hier: "Es geht um Whisky, nicht um Schnaps"

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