Eine stille Freude am ersten Schultag nach dem Lockdown

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Wie alle Grundschulen ist auch die Braunenbergschule am Montag in den Wechselunterricht gestartet. So war die Stimmung.

Aalen-Wasseralfingen

Mütter, die daheim fröhlich singend durch die Küche tanzen und nebenher den Esstisch vom Schulkram der vergangenen zweieinhalb Monate befreien. Und Kinder, die vergessen, ins Pausenbrot zu beißen vor lauter Freude darüber, dass sie endlich wieder in die Schule dürfen und ihre Freunde wieder sehen. Seitdem die Grundschulen am Montag im Wechselbetrieb starten durften, ist ein klein bisschen Normalität im Alltag zurück.

Doch ganz so ausgelassen und befreit ist die Stimmung nicht – weder unter Schülern, Eltern noch Lehrern. "Die Kinder sind sehr, sehr schüchtern, total verhalten und ruhig", schildert Nadia Feiler, Schulleiterin der Wasseralfinger Braunenbergschule, ihren Eindruck am ersten Unterrichtsvormittag. Und von einer Euphorie der Eltern könne man auch nicht sprechen. "Aufgrund der erneut steigenden Infektionszahlen durch die Virusmutationen dominieren vielmehr Zweifel, wie lange das jetzt wohl selbst mit einem eingeschränkten Schulbetrieb funktionieren wird", sagt Feiler.

Und auch bei den Kollegen sei die Stimmung gespalten. "Einerseits sind alle Kollegen hochmotiviert und freuen sich auf die gemeinsamen Schulstunden mit den Kindern." Doch in die Freude mische sich andererseits auch ein Gefühl von Unsicherheit. Weil Testungen bislang noch nicht vorgesehen sind, stelle man sich die Frage: Was passiert, wenn ein Kind positiv ist? Wird dann die komplette Schule wieder dicht gemacht? Oder nur die betroffene Klasse heimgeschickt?

Julia (8) jedenfalls hat sehr hingefiebert auf diesen ersten Schultag nach dem zweiten Lockdown. "Weil man hier in der Schule nicht ständig das Gleiche sieht wie zu Hause. Und weil meine Mama nie wusste, wie sie mir die Aufgaben erklären soll." Und Erik (8) hat sich vor allem auch auf seine Klassenkameraden gefreut. "Homeschooling ist echt blöd. Ich konnte nichts mehr mit Freunden machen", erzählt er.

Damit, dass er nun nur die Hälfte seiner Mitschülerinnen und Mitschüler wiedertrifft, weil die Klassen für den Wechselunterricht halbiert wurden, kann er sich gut abfinden. Alle zwei Tage im Wechsel mit der anderen Klassenhälfte findet der Unterricht an der Braunenbergschule nun statt. Viereinhalb Stunden am Vormittag, von 8.15 bis 12.15 – große Pause inklusive. "Das ist besser als gar keine Schule", befindet Erik, der wie wie seine Mitschülerinnen und Mitschüler freiwillig eine medizinische Maske trägt und wie die anderen alleine an einem Zweiertisch sitzt. Damit der Abstand zwischen den Kindern gewahrt wird, stehen maximal zehn Tische in jedem Klassenzimmer.

Die Kinder sind sehr schüchtern und ruhig.

Nadia Feiler Schulleiterin

Durch zwei geöffnete Fenster weht vom Schulhof her frische Vorfrühlingsluft herein. Dort draußen haben die Kinder in der Pause gerade getobt, die Dritt- und Viertklässler jeweils in einem separaten Hof, die Erst- und Zweitklässer in einem separaten Schulhof, wie schon nach dem ersten Lockdown. "Damals mussten wir die Einteilung noch mit Flatterbändern markieren, jetzt ist sie für die Kinder schon selbstverständlich geworden, berichtet die Schulleiterin.

Nicht nur die Klassen wurden halbiert – auch der Stundenplan ist abgespeckt und beschränkt sich auf die Fächer Deutsch, Mathe und Sachunterricht. "Das Schöne fehlt, wie das gemeinsame Singen oder eine Musicalaufführung", bedauert Nadia Feiler. "Weniger leistungsstarke Kinder, die sich sonst über eine Eins in Sport, Kunst oder Musik gefreut haben, sind jetzt raus."

Eine Leistungsbemessung, also eine Benotung, gab es seit dem Wiedereintritt ins Homeschooling, seit dem 16. Dezember nicht mehr. Neuerdings, so Feiler, rate das Ministerium leistungsschwachen Schülern, dieses Pandemie-Schuljahr zu wiederholen. Feiler: "Ich hoffe, dass es darauf noch andere Antworten geben wird. wie etwa eine Verschlankung des Bildungsplans."

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