Erst VIP-Bus weg, dann verkauft: Gericht gibt Fahrzeug nicht an Besitzer zurück

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Stefan Maier hat noch den Zweit- und Reserveschlüssel des Sprinters. Für ihn unerklärlich, dass allein dieser Umstand nicht überzeugend ist, dass er den Sprinter nicht freiwillig abgegeben hat.
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Wie ein Westhauser Unternehmer um seine Existenz kämpft und warum ihm das Amtsgericht Ingolstadt seinen Bus nicht zurück gibt.

Aalen-Wasseralfingen. Der Autovermieter Stefan Maier hat nicht nur seinen VIP-Mercedes-Bus an eine Betrügerbande verloren. Jetzt hat auch noch ein deutsches Gericht entschieden, dass er den Wagen vorerst nicht zurückbekommt. Dafür darf er die Raten für das gestohlene und inzwischen verkaufte Auto weiterbezahlen, bis März 2025. Dann wird noch einmal eine Schlussrate von 15.000 Euro fällig. „Unglaublich, dass so etwas möglich ist. Ich stehe vor dem Ruin“, sagt der 46-Jährige.

Die Geschichte sorgte bereits im April dieses Jahres für Aufsehen und Kopfschütteln. Die Kurzzusammenfassung: Maier verleiht seinen Mercedes 316 CDI (162 PS) mit neun hochwertigen Ledersitzen, TV, Kühlschrank und Holzfußboden an eine irische Reisegruppe. Der Mieter, ein David Chris aus Dublin, legt Ausweis und Führerschein vor. Alles scheint in Ordnung. 1000 Euro werden in bar als Kaution hinterlegt. Vom 13. bis 23. März 2022 soll der Wagen vermietet werden. Der Vertrag wird dann im Anschluss noch einmal um eine Woche verlängert. Dass beide Papiere gefälscht sind, David Chris vermutlich nicht David Chris heißt, ahnt Maier zu diesem Zeitpunkt noch nicht. „Es war nichts auffällig. Der Kunde war sogar sehr freundlich. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich neben Ausweis und Führerschein nicht auch noch die Kreditkarte registriert habe“, sagt Maier.

Alle Papiere waren gefälscht

Am 1. April bekommt Maier einen Anruf von der Polizei in Berlin. Dass sein Kleinbus in Berlin ist, weiß er, da das Fahrzeug GPS-überwacht wird. Mit gefälschten Papieren, einem angeblichen Kaufvertrag, und einem gefälschten Fahrzeugbrief sowie einer gefälschten Vollmacht mit Maiers gefälschter Unterschrift hatte der Betrüger das Fahrzeug am 26. März verkauft. Für gerade einmal 33.000 Euro. Der Käufer: ein Berliner. Der hatte den Wagen zuvor auf dem Internetportal „mobile.de“ gefunden, fuhr dann direkt nach Ingolstadt, wo sich der VIP-Bus befand. Der Käufer bezahlte vor Ort in bar. Maier hatte vor einem Jahr fast das Doppelte für den Wagen bezahlt: 65.000 Euro. Als der neue Käufer das Fahrzeug ummelden wollte, flog der Schwindel auf, weil die vorgelegte Blanko-Zulassungsbescheinigung im Jahr 2020 im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gestohlen und polizeilich registriert wurde.

Bis zu diesem Zeitpunkt hätte die Geschichte vermutlich noch glimpflich ausgehen können. Das Auto ist wieder da. Es gibt nachweislich gefälschte Papiere. Hinter dem Pseudonym David Chris verbirgt sich ein polizeibekannter Betrüger, der in mehreren Fällen Transportfahrzeuge betrügerisch erlangt hat, wie es die Staatsanwaltschaft Ellwangen bestätigt. Ach ja: Mit dieser Erkenntnis stellt die Staatsanwaltschaft Ellwangen das Ermittlungsverfahren gegen David Chris wegen Betruges ein. Denn es gebe keine Anhaltspunkte, wer sich hinter David Chris verbirgt. Bei der hinterlassenen Handynummer habe es sich um eine Prepaidkarte gehandelt. Sprich: Der Ganove war nicht zu erreichen. Dabei hätte Maier noch Hinweise auf mögliche Aufenthaltsorte. Schließlich weiß er, von der Wagen nachts abgestellt wurde. "Da hat er vermutlich übernachtet, da könnte man ja einmal nachfragen", sagt Maier. Er informiert die Berliner Polizei mit diesem Wissen. Die darf die Daten aber nicht nutzen. "Datenschutz", sagt man ihm am Telefon.

Vertrauen in den Rechtsstaat verloren

Maier will sein Fahrzeug zurück. Ihm entgehen wichtige Einnahmen. Da das Auto in Ingolstadt an den Berliner verkauft wurde, übernimmt jetzt das Amtsgericht Ingolstadt den Fall. Das entscheidet am 21. September dieses Jahres: Der VIP-Bus bleibt in Berlin. Der neue Käufer sei jetzt „Gewahrsamsinhaber“ wie es im Amtsdeutsch heißt. Aufgrund der Aktenlage und aufgrund eines durch einen fehlenden zivilrechtlichen Titel erbrachten Nachweises könne das Fahrzeug nicht an Maier zurückgegeben werden. „Ich habe inzwischen das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit verloren“, sagt Maier. Jetzt muss er zivilrechtlich klagen. Versicherung, Raten … alles läuft derzeit weiter. Ein Mietwagen verdient nun einmal nur dann Geld, wenn er vermietet wird und nicht herumsteht. Der Wagen steht aktuell auf dem Hof einer Berliner Polizeistation. Maiers Rechtschutz übernimmt das Strafverfahren nicht. Ob er überhaupt Recht bekommt? Inzwischen weiß er es selbst nicht mehr. Dabei versucht sein Anwalt dem Berliner Käufer nun deutlich zu machen, dass der Wagen doch herauszugeben sei. Ein Auto mit dieser Ausstattung für diesen Preis? Ein irischer Verkäufer mit irischem Pass und einem Fahrzeug mit Aalener Nummernschild? Beim Verkauf wurde kein Zweitschlüssel ausgehändigt, was eigentlich üblich ist. Ging auch nicht, den hat ja Stefan Maier. „Es kann sein, dass hier zwei Menschen betrogen worden sind“, sagt Maier. Aber ihm gehöre nun einmal das Fahrzeug. „Der ganze Verkauf an den Berliner beruhte doch auf Betrügereien.“ Dass dies nicht im Amtsgericht Ingolstadt gesehen wurde, das macht ihn regelrecht fertig.

„Mir wäre es lieber, der Wagen wäre gestohlen worden“, sagt Maier. Dann hätte die Versicherung den Schaden bezahlt. Hier handelt es sich aber um eine Unterschlagung. Das deckt seine Vollkaskoversicherung nicht.

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