Pfarrer Harald Golla: „Es ist an der Zeit, zu gehen“

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Für Harald Golla sind die letzten Tage im Pfarrhaus hinter der Stephanuskirche in Wasseralfingen angebrochen. Zuerst wird der Inhalt des Bücherregals in Umzugskisten gepackt. 
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Pfarrer Harald Golla packt die ersten Umzugskartons für seinen Wechsel in die Seelsorgeeinheit Virngrund. Er geht mit zwei lachenden Augen.

Aalen-Wasseralfingen

Klar, der laute Abschiedsapplaus an Fronleichnam, nach dem für ihn letzten Gottesdienst in Wasseralfingen, hat ihn sehr berührt. Und ja, Pfarrer Harald Golla ist sehr dankbar für 16 „tolle Jahre“ als Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Wasseralfingen/Hofen. Dennoch ist der Blick des 55-jährigen Seelsorgers absolut nach vorne gerichtet. An diesem Wochenende wird er die ersten Umzugskartons packen für seinen Wechsel in die Seelsorgeeinheit Virngrund. Am 25. Juli wird der katholische Priester in der von Künstlerpfarrer Sieger Köder geprägten Jakobuskirche auf dem Hohenberg seine Investitur feiern. Kurz vor Beginn des Umzugstrubels hat sich Redakteurin Ulrike Wilpert mit dem scheidenden Pfarrer unterhalten.

Herr Golla, warum verlassen Sie nach 16 guten Jahren die Seelsorgeeinheit Wasseralfingen/Hofen?

Harald Golla: Weil ich es persönlich will. Es gibt zwar eine Empfehlung des Bischofs an die Priester, sich nach 15 Jahren in einer Pfarrstelle zu überlegen, wie es weitergehen könnte. Aber es gibt keinen Druck von außen. Ich persönlich habe für mich den Entschluss gefasst: Es ist für Dich jetzt an der Zeit, zu gehen. Sicher: In 16 Jahren entstehen Freundschaften, tolle Verbindungen zu anderen Menschen. Aber ich kann nicht immer nur predigen, dass man neu anfangen muss, es mir selbst aber bequem einrichten. Das passt nicht.

Warum zieht es Sie gerade in den Virngrund, nach Jagstzell, Rosenberg und Hohenberg?

Ich habe mich gezielt für die dortige Seelsorgeeinheit beworben. Das war meine absolute Priorität. Das hat schon auch was mit Sieger Köder zu tun. Ich habe ihn gekannt, geschätzt und ihn beerdigt. Er war ein fantastischer, sehr kluger und humorvoller Mensch. Ich sehe mich aber nicht als Köder-Museumsverwalter, sondern ich sehe das Ganze. Und da gehören Jagstzell und Rosenberg dazu. Ich habe vor allem den Wunsch, im Bereich der Familien- und Jugendarbeit dort etwas zu bewirken.

Was lassen Sie hier zurück?

Ich habe keine allzu große Begabung im Adieu sagen. Ich bin da eher relativ nüchtern und sachlich. Ich gehe ohne Wehmut, ohne Bitterkeit, aber mit zwei lachenden Augen. Was mir fehlen wird: die Beziehungen zu den Menschen hier.

Wenn man Ihren Namen bei Google eingibt, stößt man auf Youtube oder Facebook veröffentlichte Videos, in denen Sie geistliche Impulse geben. Gehen Sie mit der Verkündung von Gottes Wort bewusst junge Wege?

Ich bin froh, dass ich ein junges Pastoralteam habe, das mich in meiner Arbeit unterstützt. Das junge Team hat einen sehr guten Zugang zu Social Media und hat mich angespornt, „mal etwas zu machen“. Aber ehrlich gesagt: Ich habe mir noch keines dieser Videos angeschaut.

Vor allem die katholische Kirche erlebt gerade Kirchenaustritte in noch nie dagewesenem Maß. Spiegelt sich diese Entwicklung auch in der Seelsorgeeinheit Wasseralfingen/Hofen?

Ja, schon. Wenn auch nicht ganz so stark wie in größeren Städten. Das Hauptproblem ist, dass viele Menschen nicht differenzieren. Viele verbinden die Kirche sofort mit Kardinal Woelki oder mit Kindesmissbrauch. Persönlich begegne ich aber sehr vielen Leuten, die differenzieren können. Ja, auch ich verzweifle an manchen Strukturen der katholischen Kirche, zum Beispiel an Aussagen des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki, dem Kirchenkritiker vorwerfen, er werde seinem Anspruch nicht gerecht, den Umgang mit sexueller Gewalt in seinem Erzbistum aufzuklären.

Zu welchem Schluss kommen Sie persönlich?

Trotz allem sage ich aus tiefem Herzen: Ich liebe meine Kirche. Das sind für mich die Menschen vor Ort, die sich für den Glauben einsetzen und sich sozial engagieren, zum Beispiel für die Eine-Welt-Arbeit. So konnten wir in diesem Jahr über 70 000 Euro aus unserer Kirchengemeinde an Afrika überweisen.

...und was die Rolle der Frau in der katholischen Kirche betrifft?

Wer denkt, dass die katholischen Kirchen wieder voll sind, wenn wir das Zölibat abschaffen, wenn der Papst nicht mehr unfehlbar ist und und wenn Pfarrerinnen in der Kanzel stehen, ist furchtbar naiv. Da braucht es eine ganz andere Erneuerung, eine geistige Erneuerung.

Was verstehen Sie darunter?

Sich an der Bibel ausrichten: Lesen und hören, was Gott uns für einen Auftrag mitgegeben hat: kehr um, verkündet, vergebt! Für mich ist eine Ausrichtung an Jesus Christus das Entscheidende. Denn da geht es vor allem um den Menschen selbst.

Gab es eine Situation, in der Sie selbst einmal mit Ihrer Berufung gehadert haben?

Ja. Aber das will ich nicht erzählen. Da bin ich altmodisch. Ich finde, es sollte wieder mehr Tabus geben, aus Respekt vor dem Privatleben der Menschen. Das letzte Wort überlasse ich Gott. Das habe nicht ich.

Pfarrer Windisch tritt Gollas Nachfolge an

Nachfolger Harald Gollas in der katholischen Seelsorgeeinheit Wasseralfingen/Hüttlingen wird Pfarrer Michael Windisch, derzeit Leitender Pfarrer in Ellwangen. Seine Amtseinsetzung ist für den 3. Advent geplant. Die Vakanz bis dahin überbrückt Pater Jens Bartsch vom Schönenberg als Pfarradministrator und das Pastoralteam. Zur Unterstützung kommt für die kommenden Wochen Pfarrer Dominic Ekweariri.

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