Gestrandet in Wasseralfingen

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Maria (l.) besucht oft ihre Gastschwester Noemi, die in München lebt. Gemeinsam unternehmen die beiden viel und gehen zum Beispiel im Allgäu wandern.
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Die 20-jährige Maria aus Paraguay sitzt in Deutschland fest. Wie sie schließlich nach Aalen kam und wie sie die Zeit dort erlebt.

Aalen-Wasseralfingen

Alleine gestrandet am Ende der Welt, ohne die Möglichkeit, nach Hause zu kommen: Was wie ein Albtraum klingt, ist für Maria Sol Arrúa Ayala aus Paraguay ein spannendes Abenteuer. Aufgrund der Corona-Pandemie sitzt sie seit März in Deutschland fest. Doch Familie Feil aus Wasseralfingen hat die 20-Jährige gerne bei sich aufgenommen.

Eigentlich wollte die Jurastudentin nur zwei Monate in Deutschland verbringen. Gemeinsam mit anderen Lateinamerikanerinnen nahm sie an einem katholischen Freizeitprogramm in der Nähe von Koblenz teil. Mitte März, zwei Wochen vor dem geplanten Rückflug, erhält Maria die Nachricht, dass das Freizeitprogramm abgebrochen werden muss. In Absprache mit ihren Eltern beschließt sie, die verbleibende Zeit bis zum Rückflug in Deutschland zu verbringen. Doch zwei Tage vor ihrer geplanten Heimreise wurden die Grenzen geschlossen.

"Mein erstes Gefühl in diesem Moment war Verzweiflung", erinnert sich Maria. Denn die paraguayanische Regierung bot, anders als die deutsche, keine Rückholaktion an – Maria saß in Deutschland fest. "Aber die Menschen hier haben mir sehr geholfen, Ruhe zu bewahren", erinnert sich Maria.

Schließlich kontaktiert Marias Onkel die Familie Feil in Aalen. Zu dieser besteht eine langjährige Freundschaft – so hat unter anderem Sohn Lauritz Feil 2016 ein Austauschjahr in Paraguay gemacht. Dort lebte er in der Familie von Marias Onkel.

Familie Feil zögerte nicht, die junge Paraguayerin bei sich aufzunehmen – und alle sind froh über die Entscheidung. "Für uns ist das eine große Bereicherung", sagt Gastmutter Claudia Feil. "Maria ist immer so gut gelaunt."

Gemeinsam unternimmt die Familie viel. "Eigentlich alles, was man zur Zeit machen kann", sagt Mutter Claudia Feil. Es gibt gemeinsame Koch- und Spieleabende. Und Maria geht mit ihren Gasteltern und den drei Gastgeschwistern wandern, macht Fahrradtouren oder andere Ausflüge. Besonders ein Besuch des Limesmuseums hat es Maria angetan: "Ich bin ein riesiger Fan der römischen Geschichte", erzählt sie begeistert.

Latinos denken oft, dass Deutsche kalt sind, aber das ist nicht wahr.

Maria Sol Arriva Ayala Studentin aus Paraguay

Studieren mit Zeitverschiebung

Auch in Paraguay geht trotz Corona der Uni-Betrieb weiter. Online besucht Maria ihre Vorlesungen – zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens, aufgrund der Zeitverschiebung. "Am Anfang war es hart, aber jetzt ist es schon Routine", sagt Maria.

Ihren Aufenthalt in Aalen setzt sie in Kontext zu ihren Studieninhalten. "Es ist interessant zu sehen, wie zwei verschiedene Länder mit dem gleichen Problem politisch umgehen", sagt sie. Und: "Hier echte Demokratie zu sehen, gibt mir Hoffnung für mein Land."

Zwar vermissen sich Maria und ihre Familie. Doch ihre Mutter sei froh, dass Maria derzeit in Deutschland bleiben kann. "In Paraguay geht es gerade drunter und drüber", erzählt sie. Am Anfang der Corona-Beschränkungen habe es hohe Strafen für Verstöße gegeben: "Wer sich widersetzte, musste ins Gefängnis."

Mittlerweile hätte Maria die Möglichkeit, wieder nach Hause zu fliegen. "Ich müsste dann aber 14 Tage in einer Militärkaserne in Quarantäne mit anderen Rückkehrern verbringen." Familie Feil freut sich, dass Maria noch länger bleibt. Anfang Juli stehen die Prüfungen an. Dann bleibt sie noch mindestens zwei Monate in Aalen. Währendessen möchte sie noch besser Deutsch lernen und weiter viel Zeit mit ihrer Gastfamilie verbringen.

"Latinos denken oft, dass Deutsche gefühlskalt sind", erzählt Maria und schmunzelt, "aber das ist nicht wahr." Sie sei sehr dankbar, betont sie, dass sie die Familie so herzlich aufgenommen hat. "Es fühlt sich wie ein Zuhause an", sagt sie. Und sie ist sich sicher: "Ein Teil von mir wird immer hierbleiben."

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