Großer Schritt für Karl-Kessler-Schule

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Die Karl-Kessler-Schule als Schulverbund soll auch baulich zusammenwachsen. Deshalb wird der künftige Grundschulneubau (rot schraffiert) an das Realschulgebäude (rechts) angedockt. Foto/Grafik: opo/ca
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Architekt Bernd Liebel stellt den Entwurfsplan für die bauliche Neuausrichtung des Wasseralfinger Schulverbunds vor. Es handelt sich um ein 30-Millionen-Euro-Projekt.

Aalen-Wasseralfingen

Das ist ein Tag der Freude für Wasseralfingen“, stellte Ortsvorsteherin Andrea Hatam am Dienstag kurz vor 20 Uhr in der Aalener Stadthalle fest. Drei Stunden lang hatten sich zuvor die Wasseralfinger Ortschaftsräte und der Bauausschuss des Aalener Gemeinderats in einer gemeinsamen Sitzung mit dem von Architekt Bernd Liebel vorgestellten Entwurfsplan für Erweiterungsbau und Sanierung der Karl-Kessler-Schule beschäftigt. Am Ende stand ein einmütiges Ergebnis: In getrennter Abstimmung sprachen sich alle Wasseralfinger Ortsräte und auch die Mitglieder des Bauausschusses für den Vorentwurf aus. Das ist zwar noch kein endgültiger Beschluss; aber eine eindeutige Empfehlung für den Aalener Gemeinderat, der in öffentlicher Sitzung am 31. März die Entscheidung über die weitere Planung treffen wird.

Ein dickes Brett

Es ist ein ganz dickes Brett, was die Schulleitung der Karl-Kessler-Schule gemeinsam mit den Wasseralfinger Ortsvertretern, der Aalener Stadtverwaltung und Architekt Bernd Liebel zu bohren hat. Die Rede ist von einem insgesamt knapp 30 Millionen Euro teuren Projekt, das in den nächsten Jahren im Schulzentrum im Tal umgesetzt, und mit dem Abriss des ehemaligen Talschulgebäudes (Bauteil A, siehe Grafik) voraussichtlich im Jahr 2028/2029 beendet sein wird. Im Zentrum steht ein Ersatzneubau für die alte Talschule und die Generalsanierung des Realschulgebäudes (Bauteils B) der Karl-Kessler-Schule.

Andrea Hatam, die auf der Verwaltungsbank neben OB Frederick Brütting und Schuldezernent Karl-Heinz Ehrmann Platz genommen hatte, erinnerte an die Grundsatzentscheidung, die bereits im Juli 2020 gefallen war. „Es ist ein sehr wichtiges Schulprojekt nicht nur für Wasseralfingen, sondern auch für Aalen“, betonte sie. Die Schullandschaft müsse attraktiv gestaltet werden, um die Schüler am Ort zu halten. Daher hätten die Wasseralfinger Räte immer wieder ungeduldig nachgefragt, wann es denn nun endlich vorangehe. „Zuletzt ging es jetzt recht schnell. Und dafür vielen Dank“, wandte sich Hatam an Brütting.

Warum ein Abriss des alten Talschulgebäudes aus den 1960er Jahren naheliegt, hatte Markus Haas, Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft den Mitgliedern der beiden Gremien am Nachmittag bei einem Vor-Ort-Termin vor Augen geführt. Die wichtigsten: Brandschutz und Energetik entsprechen nicht den aktuellen Vorgaben und Barrierefreiheit ist wegen der verschobenen Ebenen schier unmöglich.

Das Planungsziel, ein gemeinsames Schulhausensemble, stellte Architekt Bernd Liebel vor: Als Ersatz für das Talschulgebäude schlägt er einen kompakten Neubau mit nachhaltigem Energiekonzept vor. Es soll zwischen der Talsporthalle und dem Realschulgebäude in Holz-Beton-Hybridbauweise entstehen. Neubau und Bestandsbau erhalten einen gemeinsamen Eingangsbereich mit einem gemeinsamen Foyer. Während der Bauzeit diene das alte Talschulgebäude als Provisorium. Damit erübrige sich eine Containerlösung. Die Klassenbereiche würden nach Jahrgängen geordnet und jeweils mit einem „Marktplatz“ ausgestattet, um den neuen pädagogischen Modellen Rechnung zu tragen. Die Mensa des Kopernikus-Gymnasiums soll künftig gemeinsam von allen Schülern des Schulzentrums im Tal genutzt werden.

Klimapositives Gebäude: „Unser Ziel ist, den CO2-Ausstoß, den wir durchs Bauen hinterlassen, über die Jahre mit Hilfe der klimapositiven Bauweise zu kompensieren“, sagte Markus Krauß von der Firma Transsolar in München. Also ganz so, wie der Fachklassentrakt am Schubart-Gymnasium in Aalen, der - ebenfalls von Bernd Liebel - als Nullenergiegebäude konzipiert wurde.

Nachtlüftungskonzept mit natürlicher Lüftung: Wie Krauß weiter erläuterte, sollen zwischen Alt- und Neubau ähnliche Klimabedingungen geschaffen werden. Er sprach von einem selbstregulierenden System mit Hilfe der natürlichen Thermik.

Drei Raumreserven: Für die künftige Entwicklung der Schülerzahl und des Ganztagsbetriebs würden drei zusätzliche Räume eingeplant. „Damit könnte man zu den aktuell 562 Schülerinnen und Schülern weitere 133 unterbringen“, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann, der darauf hinweist, dass es für Grundschulkinder ab dem Schuljahr 2026/2027 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung geben soll. Unterm Strich könnte man also eine Kapazität vorhalten von 31 Klassenräumen für rund 700 Schülerinnen und Schüler.

Das sagt der Schulleiter: Rektor Thomas Brunnhuber äußerte sich der Stadtspitze gegenüber „sehr dankbar“, dass der jahrelang andauernde „stattliche Planungsprozess“ jetzt Fahrt aufgenommen hat. „Ich glaube, wir haben jetzt eine Lösung, die auch nach außen hin das Bild eines Schulverbunds abgibt.“

Das sagen die Räte: Durchweg positiv sind die Stimmen für das Konzept. Albrecht Jenner (SPD) und Franz Fetzer (FW) wünschen, den für 2024 angesetzten Beginn des Neubaus auf 2023 vorzuziehen. Josef A. Fuchs (CDU) befürchtet, dass die Fluchtbalkone am Neubau von Kindern beklettert werden könnten. Sigrun Huber-Ronecker (Grüne) hat Bedenken, dass die Plätze in der gemeinsamen Mensa für alle Schüler ausreichen. Jürgen Opferkuch (FW) ist das Thema Barrierefreiheit wichtig, Christa Klink (Die Linke) und Karl-Heinz Vandrey (SPD) das Thema Inklusion. Michael Fleischer (Grüne) bittet die Stadtverwaltung eine Alternative zu überlegen für den Fall, dass die gemeinsame Mensa nicht ausreicht. Und er appelliert, die Schulessen attraktiver und gesünder zu gestalten, damit sie von mehr Schülern angenommen werden.

Das sagt Baubürgermeister Wolfgang Steidle: Die Planung ist ein ausgereiftes Gesamtwerk, das ein Optimum für den Schul- und Bildungsstandort bietet.

Das sagt der OB: Ein Projekt in der Größenordnung von rund 30 Millionen Euro müsse gut abgestimmt sein. „Wir planen zügig weiter. Wenn wir im Jahr 2023 sehen, dass wir tatsächlich früher dran sind, haben Sie als Gemeinderäte die Gelegenheit, den Startschuss zu geben.“

  • Der vorgeschlagene Zeitplan
  • Frühjahr 2024: Baubeginn des Grundschulneubaus;
  • Frühjahr 2026: Inbetriebnahme des neuen Grundschulgebäudes;

    Frühjahr 2026: Beginn der Generalsanierung des bestehenden KKS-Realschulgebäudes;

    Frühjahr 2028: Inbetriebnahme des sanierten KKS-Realschulgebäudes;

    2028/2029: Abriss der ehemaligen Talschule.
Karl-Kessler-Schule Wasseralfingen von oben.
Der Ortschaftsrat Wasseralfingen besichtigt die ehemalige Talschule.
Der Entwurf des Grundschulneubaus in Holz-Beton-Hybridbauweise. Visualisierung: Stadt Aalen

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