Mehr als der letzte Guss: Eisenguss von allen Seiten

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Ortsvorsteherin Andrea Hatam (von links), Künstler Markus Maier, Kurator Joachim Wagenblast und die 2. Vorsitzende des Bundes für Heimatpflege, Christa Hartmann mit einem besonderen, eigens für diese Ausstellung geschaffenen Werk Maiers: eine Nachbildung der „Pietà“ Michelangelos aus schwarzem Silikon in einem Glasfasernetz.

Am Sonntag eröffnet in Wasseralfingen die neue Schau „Der letzte Guss“. Warum selbst Kenner der Materie in ihr Neues entdecken können.

Aalen-Wasseralfingen

Eine ganz besondere Ausstellung wird am kommenden Sonntag in der Museumsgalerie Wasseralfingen im Bürgerhaus eröffnet. „Der letzte Guss“ heißt sie, „vom Ende des Eisengießens in den Schwäbischen Hüttenwerken“. Aber natürlich geht es nicht nur ums Ende, sondern um die ganze Historie des Hüttenwerks.

Wer jetzt denkt, er wisse schon alles und die Geschichte von SHW habe er schon hundertmal gehört, dem könnte etwas entgehen, wenn er diese Ausstellung nicht besucht. Denn Kurator Joachim Wagenblast hat erneut eine hochinteressante Schau zusammengetragen. Wie es seine Art ist, macht er auch auf Widersprüchliches aufmerksam und präsentiert Inoffizielles und Umstrittenes. So thematisiert die Ausstellung auch das sang- und klanglose Ende der Wasseralfinger Eisengusstradition mit ihrem letzten Akt am 28. März 2019. Und den Protest der Gießereiarbeiter, weil dies nur achselzuckend zur Kenntnis genommen wurde. „Dabei hat der Guss Wasseralfingen in der Welt bekannt gemacht und war ein Symbol für schwäbische Wertarbeit und Fleiß“, so Wagenblast.

Inoffiziell wird es mit einer kleinen Sammlung sogenannter „Feierabendgüsse“: Kunstgussfiguren, die in keinem Katalog standen, und die erst abends gemacht wurden, nachdem die Chefs das Werk verlassen hatten. Darunter ein stehender Frauenakt. „Lass‘ dir doch in Wasseralfingen eine (Frau) gießen“, diese scherzhafte Aufforderung an Junggesellen in ganz Deutschland bekommt so eine ganz neue Note.

Ohne ein bisschen Chronologie der 350 Jahre Wasseralfinger Gusstradition geht es nicht. Die wird dem Ausstellungsbesucher aber nicht aufgezwungen. Wer etwas wissen will, der findet dazu an der Treppe nach oben vier DIN-A4-Seiten Text. Im Zentrum stehen absolut die Kunstwerke: Malerei, Radierungen, Fotos sowie Kunstgussexponate vieler Größen und Formen.

Eine besondere Strecke gehört dem Maler Alexander Eckener. Dem künstlerischen Dokumentar des Hüttenwerks, dessen Geburtstag sich 2020 zum 150. Mal jährte, widmet man seine Strecke von zehn Radierungen, nebst einer großen Gussbüste, die ihn zeigt. Werke einheimischer zeitgenössischer Maler wie Helmut Schuster und Simon Maier kriegt der Besucher zu sehen, sowie Fotos von Peter Kruppa, die beim letzten Guss entstanden. Der Stuttgarter Wolfgang Häberle erinnert mit Gemälden auf grobem Malervlies an das Ende der Tradition.

Andreas Welzenbach verfremdet Kunstgussfiguren, Alfred Neukamm hat „Zufallsfiguren“ gegossen und klassische Gussreliefs werden auf Holztafeln präsentiert. Daneben finden sich viele Gebrauchsgegenstände aus Eisenguss, teilweise kunstvoll gestaltet, wie Öfen, ein Grabkreuz, ein großer filigraner Gartentisch, Vasen, Kassetten ... und der Grundrahmen eines Pianos, den SHW in Serie für die Aalener Klavierfabrik Haegele produzierte.

Der Guss hat Wasseralfingen in der Welt bekannt gemacht.“

Joachim Wagenblast, Kurator der Ausstellung

Alles Wissenswerte rund um die Ausstellung

Der letzte Guss. Vom Ende des Eisengießens in den Schwäbischen Hüttenwerken. 27. Juni bis 1. November. Geöffnet jeweils samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie am 1. November. Sonderführungen nach Vereinbarung, Tel. (07361)97910 oder E-Mail an: rathaus.wasseralfingen@aalen.de

Vernissage am Sonntag, 27. Juni, 15 Uhr, auf dem Stefansplatz an der „Loggia“. Anmeldung nötig unter Tel. (07361) 97910 oder per E-Mail an rathaus.wasseralfingen@aalen.de – Da es sich um eine Veranstaltung im Freien handele, seien die „drei g“ (geimpft, getestet oder genesen) nicht wichtig, so Ortsvorsteherin Andrea Hatam.

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