OB-Kandidaten auf den Zahn gefühlt

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Generalstabsmäßig organisiert hatte der Stadtverband für Sport und Kultur Wasseralfingen den Polit-Talk mit den OB-Kandidaten auf dem Stefansplatz. Alle Stühle waren mit den Namen der angemeldeten Zuhörer versehen und mit Abstand aufgestellt.
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Rund 150 Zuhörer kamen zum Polit-Talk des Stadtverbands für Sport und Kultur auf den Stefansplatz. Welche Themen in Wasseralfingen, Aalens größtem Stadtteil, wichtig sind.

Aalen-Wasseralfingen

Der Countdown läuft: In weniger als acht Tagen, am 4. Juli, wählt Aalen eine neue Oberbürgermeisterin oder einen Oberbürgermeister. Der Stadtverband Sport und Kultur Wasseralfingen hatte am Sonntagmittag die Kandidatin und die vier Kandidaten in Aalens größten Stadtteil geladen. Rund 150 Zuhörer waren gekommen. Kunstrasenplatz, Leichtathletikhalle, Übungsleiterpauschale und Jugendarbeit waren die beherrschenden Themen. Für einen erfrischend-unterhaltsamen Polit-Talk sorgten die Moderatoren, Michael Ruoff, Schulleiter der Oberkochener Dreißentalschule und der Journalist Timo Lämmerhirt. Die Moderatoren stellten die Reihenfolge der Bewerber auf den Kopf und starteten mit der Kandidatin, die sich zuletzt beworben hatte.

Catherine Rommel (CDU): Die 56-Jährige bewirbt sich, weil einige Bürgermeister und Oberbürgermeister sie aufgefordert hätten; „Mach's doch selbst.“ Die in Paris geborene und in Stuttgart aufgewachsene selbstständige Unternehmensberaterin freut sich im Falle einer Wahl: „Meine heute 92-jährige Mutter war in Aalen schon Lehrerin. Sie kommt dann auch zur Wahlparty.“ Rommel sagt zu, dass sie einen Kunstrasenplatz für Wasseralfingen „auf jeden Fall“ prüfen würde. Um die Vereine zu stützen, wolle sie die Stelle eines Ehrenamts- und Vereinskoordinators schaffen. „Kürzungen wie bei der Übungsleiterpauschale wird es bei mir nicht geben.“ Einen Jugendgemeinderat finde sie gut und richtig. „Jugendliche brauchen Räume, wo sie für sich sein können.“

Stefan Schmidt (die Basis): Der gelernte Koch und seit über 30 Jahren selbstständige Gastronom in Alfdorf weiß, „dass man nur das Geld ausgeben kann, was man eingenommen hat“. Der 55-Jährige, der während des Lockdowns eine „andere Sicht auf die Dinge“ gewonnen hat, zählt sich nicht zu den Corona-Leugnern, wie er betont. „Aber wenn wir nicht getestet hätten, wäre die Pandemie nicht aufgefallen.“ Kunstrasen und Leichtathletikhalle werde es unter ihm aus finanziellen Gründen „sicher nicht“ geben. Die Kürzung der Überleitungspauschale um 32 000 Euro sei im Gesamtbudget der Stadt ein „lächerlicher Betrag“. Der Jugend verspricht er, dass sich nicht alles wiederholen solle, „wenn wir den vierten Lockdown haben werden“.

Matthias Müller (parteilos): Der 53-jährige gebürtige Aalener, der seit acht Jahren im Gemeindevollzugsdienst der Stadt Aalen beschäftigt ist, stellt fest: „ Kernstadt und Teilorte sind nicht im Gleichgewicht.“ Weil er nicht maulen, sondern anpacken wolle, bewerbe er sich als OB. „Ich kann euch nichts versprechen“, wiederholt er mehrfach. Aber er wolle sich die Sorgen anhören, um dann als OB gemeinsam mit der Verwaltung zu machen, was möglich sei. Für Kunstrasenplatz und Leichtathletikhalle habe er kein Geheimrezept. Er würde dafür aber sogar persönlich Spenden zu sammeln. Die Übungsleiterpauschale müsse als Wertschätzung Bestand haben. Für die Jugend müsse man für Abenteuer und Action sorgen in Aalen und den Teilorten.

Marcus Waidmann (AfD): Der 53-jährige Aalener und Geschäftsführer eines kleinen Familienunternehmens will alles dransetzen, „dass wir nach Corona so schnell wie möglich unser normales Leben wieder aufnehmen“. Die Basis dafür seien die Vereine. Es gelte, die seit der Finanzkrise eingefrorene Jugendbezuschussung wieder aufzutauen. Einen Kunstrasenplatz habe Wasseralfingen bereits im Schäle. Einen zweiten sehe er in Hofen. Als OB wolle er noch ein zweites Gutachten für eine Leichtathletikhalle in Auftrag geben lassen. Die Kürzung der Übungsleiterpauschale gehe gar nicht. „Sie muss erhöht werden!“ Für die Jugend müsse man Training, Zeltlager und Ausfahrten veranstalten.

Frederick Brütting (SPD): Der 37-Jährige, seit zehn Jahren Bürgermeister in Heubach, entdeckt Parallelstrukturen zwischen Wasseralfingen und Heubach, in Industrie, Bildung und der Braukunst. Mit Wasseralfingen sei er seit früher Jugend verbunden, als er im Postsportverein mit Judo angefangen hat. Der bestehende Kunstrasenplatz am Schäle sei fürs Hockey geeignet, nicht für den Fußball. „Da müssen sich die Vereine einig werden. Ich bin gerne bereit, das Anliegen zu unterstützen.“ Die Entscheidung, die Übungsleiterpauschale zu kürzen, sollte man seiner Meinung nach zurücknehmen, da sie in eine Zeit fällt, in der es die Vereine ohnehin schwer haben. Brütting ist es wichtig, nicht für die Jugendlichen, sondern mit den Jugendlichen zu arbeiten. „Dazu gehört auch, dass Jugendliche nicht nur fordern, sondern auch bereit sind, mit anzupacken.“ Unter anderem möchte er sich für einen Mountainbike-Park in Aalen einsetzen.

Am 4. Juli, wählen die Aalener ihren neuen OB

OB-Wahl in Aalen ist am Sonntag, 4. Juli. OB wird, wer mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen erhält. Erhält keiner der Kandidaten mehr als die Hälfte der Stimmen, gibt es eine Neuwahl. Termin dafür ist am 25. Juli. In diesem Fall entscheidet die höchste Stimmenzahl.

Catherine Rommel
Stefan Schmidt
Matthias Müller
Marcus Waidmann
Frederick Brütting

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