Pilze sammeln: ein Hobby für Kenner

+
Martin Ripberger (rechts) zeigt welche Pilze giftig oder ungenissbar sind
  • schließen

Was der Pilzsachverständige Martin Ripberger allen empfiehlt, die sich zum ersten Mal mit einem Körbchen in der Hand im Wald auf die Suche nach Steinpilz, Pfifferling & Co. machen.

Aalen-Wasseralfingen

Pilze sind eine eigene Lebensform. Sie sind weder Tier noch Pflanze, sondern bilden sozusagen ein eigenes Reich. Pilze im Wald zu sammeln wird immer mehr zu einem „Volksvergnügen“‘. Durch den Wald streichen und abends ein leckeres Süppchen aus den gefundenen Steinpilzen machen, das ist eine sentimentale Vorstellung. Die Wirklichkeit indes sieht anders aus, wie man bei einer Pilzführung mit Martin Ripberger erfährt.

Ripberger ist Pilzsachverständiger (PSV) der DGfM (Deutsche Gesellschaft für Mykologie) und für die Kartierung der Pilzvorkommen ehrenamtlich tätig. Sieben Personen haben sich an diesem Nachmittag in Wasseralfingen zusammengefunden. Gewappnet mit Körbchen und Taschenmessern geht es in den Wald. „Frische Pilze schmecken einfach besser,“ sagt eine Teilnehmerin auf die Frage, warum sie Pilzsucherin werden möchte. Zuvor gibt der Mykologe eine kurze Einführung in die Ökologie.

Alle sind Anfänger und wollen sich im Pilze sammeln versuchen. Doch Ripberger macht nicht viel Hoffnung. „Steinpilze gibt es wegen des kalten Sommers sehr wenige,“ erklärt er. Dieser könne nicht kultiviert werden, da er eine Symbiose mit Bäumen eingehe.

„Durch den kalten Sommer und das nasse Wetter sind Steinpilze in diesem Jahr schwer zu finden,“ weiß der Experte. Im Allgemeinen geht der Bestand an Pilzen zurück. Durch Nährstoffeinbringungen in die Böden, vor allem durch Überdüngung der Felder, Waldbodenverdichtung aufgrund Forstwirtschaft, aber auch durch Wassermangel geht der Bestand zurück.

Seltene Arten auf der Alb

Auf den ausgewiesenen Naturschutzgebieten und den Hochflächen der Schwäbischen Alb finden sich zum Glück immer noch seltene Arten wie Helmkreisling (Cudonia circinans), Fahler Röhrling (Hemileccinum Impolitum) und Saftlinge (Gattung Hygrocype), die in der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft sind.

Bald schon ist der erste Fund im Wald gemacht – ein Pfifferling. Martin Ripberger prüft den Fund. Wichtig dabei ist die Geruchsprobe. Ein anderer Indikator ist Der Fundort. Denn viele verschiedne Pilzarten ähneln sich. Und über die Hälfte der 4000 Pilzarten in Deutschland können nur mikroskopisch genau bestimmt werden. Für Anfänger empfiehlt er sogenannte Röhrlinge. Diese Pilze seien in Hut und Stiel gegliedert und der Fruchtkörper an der Hutunterseite als Röhren ausgebildet.

Ripberger empfiehlt, erst nach jahrelanger Erfahrung auch andere Pilze zu sammeln. Das Putzen sollte der Sucher selbst übernehmen, oder jemandem überlassen, der sich in Pilzkunde auskennt. „Jeder muss selbst wissen, was er isst,“ betont Ripberger. Wie etwa Nüsse können auch Pilze Allergien auslösen. Die häufigste Ursache für Vergiftungen seien alte Pilze.

„Einen Verzehr von maximal 250 Gramm Frischpilze pro Woche und Person,“ empfehle die DGfM (Deutsche Gesellschaft für Mykologie). Denn: Viele Pilze lösen Magen- Darmprobleme aus.

Ripberger räumt mit den Mythen auf, im Regen keine Pilze zu suchen. Als die Gruppe mit der Suche beginnt, hat der Regen eingesetzt und bleibt ihr bis zum Schluss treu. Auch der Mythos, nur am frühen Morgen Pilze zu sammeln, ist für Martin Ripberger nicht nachvollziehbar.

Die Körbe werden nicht sehr voll, trotzdem bringen die Sammler einige Pfifferlinge und Röhrlinge mit nach Hause. Viele der gefundenen Pilze sind ungenießbar oder zu klein, um in der Pfanne zu landen. Heißt: Sie sind zwar nicht giftig, aber sie schmecken nicht.

Zehn giftige Pilze

Vorsicht ist angesagt zum Beispiel beim grünen Knollenblätterpilz, dem kegelhütigen Knollenblätterpilz, dem Karbolegerling, dem orangefuchsige Raukopf, dem spitzgebuckelte Raukopf, dem Gifthäubling, dem Fliegenpilz, dem Pantherpilz, der Frühjahrs-Lorchel und dem kahlen Krempling.

Steinpilze gibt es wegen des kalten Sommers nur wenige.“

Martin Ripberger, Pilzsachverständiger
Funde im Korb
Martin Ripberger (Mitte) erklärt worauf zu achten ist.
Martin Ripberger erklärt worauf zu achten ist
Der erste Fund

Zurück zur Übersicht: Wasseralfingen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare