SHW werden 100 Jahre alt

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Blick in die Gussputzereihalle in Wasseralfingen, wo die erkalteten Formteile mit großem Einsatz der Arbeiter gereinigt werden. Die fünf Eisengießereien bildeten nach 1921 das Hauptgeschäftsfeld der SHW.
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Aalen-Wasseralfingen

Die Wurzeln der heutigen SHW AG gehen weiter zurück, genauer in das Jahr 1365, als Kaiser Karl IV. die Verleihungsurkunde an den Grafen Ulrich von Helfenstein ausstellte, in der die Eisengewinnung und -verarbeitung auf der Schwäbischen Alb erstmals schriftlich erwähnt wurde. Dieses Datum gilt als Geburtsstunde der Schwäbischen Hüttenwerke (SHW) – auch wenn die erste Eisenhütte auf der Schwäbischen Alb wohl in Heidenheim entstand.

Ende des 19. Jahrhunderts: Hinwendung zu Spezialprodukten

Nach einer bewegten Geschichte wendete sich das Vorgängerunternehmen der heutigen SHW gegen Ende des 19. Jahrhunderts langsam vom kostenträchtigen Hochofenbetrieb ab und konzentrierte sich auf die Herstellung von Spezialprodukten. Auch die Konkurrenz, etwa aus dem Ruhrgebiet, wurde immer stärker. Am 21. Mai 1921 schließlich führten die Gutehoffnungshütte (heute: MAN) und das Land Baden-Württemberg die Produktionsstätten der Region in der Schwäbischen Hüttenwerke GmbH (SHW) zusammen. 1925 wurde dann der letzte württembergische Hochofen in Wasseralfingen stillgelegt.

Neben weiteren Standorten, etwa in Friedrichstal oder in Königsbronn, fertigte die SHW in Wasseralfingen Guss- und Schmiedeformteile für den Maschinenbau, Blankstahl, Weichen und Radsätze für den Eisenbahnbedarf sowie später Komponenten für die Automobilindustrie. Zu Beginn hatte das Unternehmen seinen Stammsitz in Stuttgart, ab 1927 in Wasseralfingen. Zwei Jahre zuvor hatte die SHW einen fortschrittlichen Pkw-Prototyp gebaut – mit Aluminium-Karosserie, Einzelradaufhängung und vielen weiteren technischen Finessen. Dieser ging zwar nicht in Serie – das Projekt wurde 1926 beendet – doch viele Elemente flossen noch Jahrzehnte später in die Serienproduktion ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbesserte sich die Lage des Unternehmens in den 1950er-Jahren. Damals begann auch die Produktion von Bremsscheiben im Werk Tuttlingen. In den 1960er-Jahren startete SHW die Fertigung von Sinterformteilen in Wasseralfingen. Nach der ersten Ölkrise 1973 stürzte das Unternehmen wie viele andere metallverarbeitende Firmen in die Krise. Eine Reaktion war 1978 der Start einer Hydraulikpumpen-Produktion am Standort Bad Schussenried.

2011: Die Automobil-SHW geht an die Börse

Um die Jahrtausendwende kam Bewegung in die Firmengruppe, die inzwischen für viele verschiedene Firmen in unterschiedlichen Geschäftsfeldern tätig war. Bereits im Jahr 1999 wurden die SHW Werkzeugmaschinen GmbH und deren Tochterfirma SHW Bearbeitungstechnik selbstständig. Beide haben heute ihren Sitz in Wasseralfingen und sind im Besitz eines Münchner Investors. 2001 sollte die Firma vollständig privatisiert werden, die Krise nach dem 11. September verhinderte dies. Schließlich zogen sich das Land und die MAN AG 2005 als Gesellschafter der SHW zurück, das Unternehmen wurde vollständig privatisiert, alle weiteren Nicht-Automobil-Geschäftsbereiche abgespalten und zu eigenständigen Firmen. Neben der SHW Automotive GmbH (heute die SHW AG) entstand die SHW Casting Technologies (CT), die nach mehreren Insolvenzen und Übernahmen durch Investoren heute als Hüttenwerke Königsbronn, mit alleinigem Standort dort, existieren. Der CT-Standort in Wasseralfingen wurde 2019 geschlossen. Die SHW Storage & Handling Solutions GmbH, die 2018 ihr 50-jähriges Jubiläum feierte und deren Kernkompetenz bei Schüttguttransporten im Umwelt- und Kraftwerksbereich liegt, hat ihren Sitz in Hüttlingen.

2011 ging die Automobil-SHW an die Börse – und gehört seit 2018 zur Pankl SHW Industries AG des österreichischen Industriellen Stefan Pierer. Noch in diesem Jahr will sich die Firma von der Börse verabschieden. Nach einer Corona bedingten Delle 2020 rechnet das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatz zwischen 440 und 480 Millionen Euro. Am Standort Wasseralfingen werden hochfeste Sinterteile, Nockenwellenverstellerteile aus Stahl- und Aluminiumpulver sowie Spielausgleichszahnradsysteme produziert. 2020 investierte das Unternehmen am Standort rund 3,5 Millionen Euro in eine neue Logistikhalle.

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