Spieselbad: Was jetzt gemacht wird

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Stadtwerkegeschäftsführer Weiß und Baubürgermeister Steidle geben erste Details zur Sanierung in Eigenregie bekannt.

Aalen-Wasseralfingen

Eigentlich wollten die Stadtwerke erst Ende September über die neuen Pläne fürs Spieselfreibad informieren. Doch der SchwäPo-Bericht vom Samstag hat zahlreiche Nachfragen bei Badegästen und Kunden ausgelöst, wie Geschäftsführer Wolfgang Weiß sagt. Also ist er am Dienstag mit Details an die Öffentlichkeit gegangen. Mit am Tisch: Baubürgermeister Wolfgang Steidle, der für die Anlagen der Stadtwerke zuständige Prokurist Norbert Saup sowie Bäderleiter Reinhold Michelberger. Der brachte es so auf den Punkt: "Die Kunden hängen an ihrem Bad – und zwar so, wie es jetzt ist."

Steidle erinnerte an die Vorgeschichte und daran, dass die Kosten "deutlich" über dem Budget lagen, als im Februar der Bauantrag eingereicht wurde. Also wurden die Neubaupläne für Umkleiden, Kiosk, Kasse und Duschen abgespeckt. Steidle: "Wir haben alles infrage gestellt."

Parallel kamen immer wieder Anregungen aus dem Ortschaftsrat, zum Beispiel die freie Sicht nach Nord-Westen zu erhalten. Also wurde nach Worten Steidles ein qualifizierter Baustatiker beauftragt, dessen Arbeit von einem unabhängigen Statiker geprüft wurde. Ergebnis: Das Hauptgebäude von 1959 ist sanierungsfähig. Und: Die Kosten sind ebenso in den Griff zu bekommen wie die Barrierefreiheit.

Hintergrund: Aufgrund von Statikproblemen hatte der Gemeinderat 2016 die vorzeitige Spieselsanierung beschlossen. Ein Gutachten darüber hat es aber nie gegeben. Prokurist Saup erklärt sich das Zustandekommen des Gemeinderatsbeschlusses so: Vermutlich seien Einzelgutachten für die jährliche Instandhaltung falsch interpretiert worden.

Was muss getan werden? Wie Steidle sagt, ist bei neun von 60 Fundamenten was zu machen. Saup zufolge ist der Untergrund tragfähig und der Hang rutscht nicht. Für "komplex" hält er nur die Zwischendecke, die in der Vergangenheit schon geflickt und gestützt werden musste. Saup skizzierte zwei technische Varianten – eine neue Tragkonstruktion oder einen Teilabbruch und eine neue Decke. Zu sanieren wäre noch das Dach aus Holz und Welleternit. Dann sei das Gebäude als Hülle funktionsfähig.

Wo sparen die Stadtwerke? Das Bestandsgebäude verfügt über die technische Infrastrukur. Umfangreiche Erdarbeiten und Geländeanpassungen sind bei der Sanierung im Bestand nicht nötig. Zur Erinnerung: Der Gemeinderat hatte den Kostenrahmen auf 3,5 Millionen Euro gedeckelt.

Welche Synergien sind möglich? Die Stadtwerke wollen die Heizung im Freibad erneuern. Geplant ist ein Blockheizkraftwerk, von dem aus die benachbarte Braunenbergschule künftig mit beheizt werden kann.

Wie geht es weiter? Die Stadtwerke werden laut Steidle bis Frühjahr die Planung vorantreiben und die Ausschreibung vorbereiten. Auch werden Saup zufolge schon Wege gebaut und Leitungen verlegt. Die "Durchschreitebecken" seien heute nicht mehr üblich, sagt er. Sie kommen also weg. Nach der Freibadsaison 2019 wird es ernst. Dann wird das Hauptgebäude saniert.

Wie wird die Barrierefreiheit bewerkstelligt? Überwiegend durch den Ausbau der bestehenden Wege. Sie werden mehr mäandrieren, wie Saup erläutert. Steidle drückt es auf gut Schwäbisch aus: "Teilweise gibt es zusätzliche Schlenker." Auch soll es Weiß zufolge einige Stellen geben, an denen sich ältere Menschen oder Rollstuhlfahrer kurz ausruhen und durchschnaufen können. Als barrierefrei gelten weniger als sechs Prozent Steigung. Das soll überall erreicht werden.

Was ist neu? Ein gemeinsamer Ein- und Ausgang zum Parkplatz des TSV. Die Stadtwerke planen einen Kassenautomaten, der Dauerkarten und Stadtwerkekundenkarten einlesen kann. Badegäste können also unten parken und am Drehkreuz eine Karte fürs Freibad lösen. Weiß zufolge reicht der Parkplatz, den die Stadt auf ihre Kosten sanieren wird, an 95 Prozent der Badetage aus.

Was passiert am Haupteingang? Hier sollen mehr Behinderten- und mehr Fahrradparkplätze geschaffen werden. Die Hauptkasse bleibt dort. An eine Einbahnregelung für die verstopfte Steinstraße ist zunächst nicht gedacht. Hintergrund: Viele Freibadbesucher pokern, wie Weiß sagt. Sie fahren erst einmal ganz hoch, um vielleicht den letzten freien Parkplatz zu ergattern. Das beklagen die Anwohner seit langem.

Wie viel Geld wurde bislang für die Planung ausgegeben? Man sei mitten in der Klärung des Sachverhalts, sagt Weiß. Er hofft auf eine einvernehmliche Lösung mit dem Architekten.

Was sagt die Politik? Für Ortsvorsteherin Andrea Hatam ist die Sanierung im Bestand eine gute Lösung, die zum Erhalt der Aussicht und der großzügigen Flächen führt. Ihr Stellvertreter Josef Anton Fuchs kann sich nicht verkneifen an den Antrag der Wasseralfinger CDU-Fraktion zu erinnern. Die hatte bereits 2015 gefordert, die Statik zu prüfen – und zwar aus genau diesen Gründen: Erhalt des Bestands und der Aussicht. Die CDU sei "relativ unwirsch abgebügelt worden, sagt Fuchs. Doch man hätte sich manche Diskussion sparen können – "und den einen oder anderen Euro".

Steidle bezeichnet es im Nachhinein fast schon als Glücksfall, dass im Mai auch noch Mehrkosten in Höhe von einer Million Euro festgestellt worden sind. Darauf wurde bekanntlich ein Baustopp verfügt – und so alles wieder auf Null gestellt.

Der Baubürgermeister nennt Zahlen. Nach der Sanierung beträgt die Nutzfläche im Hauptgebäude 1280 Quadratmeter. Bei den Neubauten für Kasse, Umkleiden, Kiosk und so weiter wären es nur 510 Quadratmeter. Das sanierte Gebäude bietet ihm zufolge 765 Quadratmeter Unterstellmöglichkeit bei einem Gewitter. Im Bauantrag seien es nur 90 Quadratmeter gewesen. Nun habe man die passgenaue Lösung gefunden, sagt er, mit der es am Ende keine Enttäuschungen gebe.

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