St. Stephanus wird herausgeputzt

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Der Innenraum der Wasseralfinger Sankt-Stephanus-Kirche ist eingerüstet. Risse im Mauerwerk haben eine Renovierung notwendig gemacht.
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Warum das katholische Gotteshaus im Herzen von Wasseralfingen seit Mitte Juni geschlossen ist und was dort gerade geschieht.

Aalen-Wasseralfingen

Wenn der Putz von den Wänden bröckelt und zwischen die Pfeifen der Orgel fällt und die Risse über dem Bogen zum Chorraum deutlich zu sehen sind, dann muss gehandelt werden. Das war jedenfalls den Verantwortlichen von St. Stephanus klar. Deshalb ist die Wasseralfinger Kirche seit Mitte Juni geschlossen und die katholische Kirchengemeinde investiert knapp 400 000 Euro, damit die Substanz des Gebäudes erhalten bleibt – für viele weitere kirchliche Feiern und Veranstaltungen. Sind die Risse die einzige "Baustelle"? Nein. St. Stephanus wird mit einer Videoüberwachungsanlage ausgerüstet, eine Klimaautomatik wird installiert und der Sieger-Köder-Kreuzweg mechanisch gesichert.

Pfarrer Harald Golla und der Vorsitzende des kirchlichen Bauausschusses, Hermann Maier, stehen mitten im Kirchenschiff. Das Innere des katholischen Gotteshauses aus dem Jahr 1883 ist komplett mit einem Gerüst ausgekleidet. Die Stangen aus Metall, die die Wände in Rechtecke teilen, und das Licht, das durch die farbigen Fenster in der Apsis strömt, geben dem Kirchenraum ein besonderes Flair.

Doch Baustelle bleibt Baustelle. Hier wird gearbeitet. Hermann Maier erinnert – mit Plänen in der Hand – an das, was bisher geschah. "Wir haben zwei Jahre lang ein Riss-Monitoring gemacht." Experten haben die Mauerrisse geprüft. Zwar sei die Statik des Bauwerks in Ordnung. Doch wisse man nicht, was die Risse verursache. "Der abgesunkene Grundwasserspiegel könnte genauso gut dafür verantwortlich sein, wie der Schiefer, auf dem die Kirche gebaut ist", spekuliert Pfarrer Harald Golla.

Fakt sei, die Renovierung sei dringend nötig, um die Risse in Griff zu halten. Weshalb die Kirchengemeinde seit 22. Juni ihre Gottesdienste – mit 50 Einzelplätzen – in der Sängerhalle, Taufen und Hochzeiten im Alten Kirchle – bis maximal 20 Personen – feiert.

Alles war abgestimmt. Die Arbeiten sollten nach der Erstkommunion und den Firmungen beginnen. Ausweichquartier: das Alte Kirchle. Doch die Corona-Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung. "Wir ziehen die Renovierung dennoch durch – mit dem nötigen Hygienekonzept", betont Golla.

"Momentan laufen mehrere Arbeiten gleichzeitig", erklärt Bauexperte Hermann Maier. Zunächst habe man die Risse ausgefräst. Nun schließe der Restaurator sämtliche Fugen nach und nach mit unterschiedlichem Material – dem Mauerwerk angepasst. "Und abgesprochen mit dem Landesdenkmalamt", sagt Golla. Das mache manches kompliziert.

Parallel dazu verlegt der Elektriker neue Leitungen, Kabelschächte und Schaltkästen. Weshalb die nötig sind? "Wir haben uns kurzfristig entschlossen, weitere Arbeiten zu erledigen", sagt der Pfarrer. Da die Kirche sowieso renoviert werde und geschlossen sei, nutze man die Chance, sie in weiteren Bereichen zu ertüchtigen. "Auch wenn das Mehrkosten bedeutet", begründet er die Gesamtkosten in Höhe von knapp 400 000 Euro.

Wir haben uns kurzfristig entschlossen, weitere Arbeiten zu erledigen.

Harald Golla Pfarrer

Vandalismus in der Kirche

In St. Stephanus habe es Vandalismus gegeben. Unbekannte hätten beispielsweise den Ambo umgeworfen. "Deshalb installieren wir eine Videoüberwachungsanlage", fügt Hermann Maier an. Dem Datenschutz trage man Rechnung. Während Veranstaltungen sei die Anlage abgeschaltet und Bilder würden automatisch gelöscht, versichert Pfarrer Golla. Zudem werde der von Künstlerpfarrer Sieger Köder gestaltete Kreuzweg mechanisch gegen Diebstahl gesichert.

Des Weiteren macht eine neue Klimaautomatik neue Elektrik notwendig. "Wir verbessern mit dem Einbau die klimatischen Verhältnisse in unserer Kirche und schützen damit die Orgel und die Gemälde", sagt Maier. Neuinstallierte Innen- und Außenfühler sollen künftig unter anderem regeln, ob Fenster geschlossen oder offen seien.

Zwar gibt es keinen neuen Anstrich für den sakralen Raum, doch werden die Wände gereinigt. "Mit einem speziellen Verfahren", beschreibt Maier. Das Gerät funktioniere wie ein Hochdruckreiniger, nur dass das schmutzige Wasser gleich wieder eingesaugt werde.

Wann wieder Gottesdienste?

"Wenn alles fertig ist, wird das Gerüst abgebaut. Die gerissenen Fugen im Fußboden werden noch erneuert. Und zum Abschluss wird der Kirchenraum professionell gereinigt", erklärt Maier. Das sei nötig, auch wenn alles mit Folie abgehängt, mit Sperrholz eingehaust oder abgedeckt wurde.

Wann alles fertig ist? Da will sich Pfarrer Harald Golla nicht festlegen. Geplant war der 1. Advent. "Es wäre schön, wir könnten Weihnachten wieder Gottesdienst in Sankt Stephanus feiern, aber sicher ist das nicht", sagt er. Schließlich sei noch jede Menge zu tun.

Pfarrer Harald Golla (links) und Hermann Maier, Vorsitzender des kirchlichen Bauausschusses, erläutern die Arbeiten.

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