Vesperkirche ist ein Geschenk

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Fototermin nach vier Wochen Vesperkirche. Viele der ehrenamtlichen Helfer der vergangenen Wochen kommen für ein gemeinsames Bild an der Magdalenenkirche zusammen.
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Beim Abschlussgottesdienst der Wasseralfinger Vesperkirche appellierte Pfarrer Uwe Quast an die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge aus der Ukraine.

Aalen-Wasseralfingen

Geteilte Stimmung herrschte beim Abschlussgottesdienst der 25. Vesperkirche in der Magdalenenkirche – einerseits Freude und Dankbarkeit, andererseits trübte der Krieg in der Ukraine diese Freude auch ein, wie es nicht nur Pfarrer Uwe Quast mehrmals zum Ausdruck brachte.

Vier Wochen lang war die Vesperkirche wieder als Präsenzveranstaltung möglich, sie war bereits zum 25. Mal ein Ort der Begegnung, der Gespräche, des Schenkens und des Beschenkens, sagte Quast in seiner Begrüßung. Und dafür sage die Gemeinde Danke, an Mitarbeiter, Spender, und alle Unterstützer.

Bereits im Dankeslied zuvor, dessen Text Teamleiterin Christine Möhler auf die Melodie eines gleichnamigen bekannten Kirchenlieds abgewandelt hatte, war das gemeinsam kundgetan worden. Quast entzündete während des ersten Gebets eine Kerze, auf der eine Friedenstaube und die Farben der Ukraine zu sehen waren. Man sei froh gewesen, dass zwei Jahre Corona am abklingen waren, dass man sich wieder habe treffen können – wenn auch eingeschränkt-, aber nicht damit gerechnet, dass Recht und Gerechtigkeit durch einen brutalen Angriff gebeugt werden könnten, ergänzte er.

Seine Predigt begann Quast mit Worten: „Man wird von der Wirklichkeit eingeholt, wenn es am schönsten ist.“ Ein Vorfahre seiner Mutter sei russischer Offizier gewesen, einer seines Vaters käme aus Bessarabien, einem Gebiet in der heutigen Ukraine. Deshalb fühle er mit beiden Völkern, denn Leid brächte dieser Krieg beiden Völkern.

„Wir müssen jetzt Hilfsbereitschaft zeigen“, betonte Quast. Wie auch in jetzt 25 Jahren Vesperkirche. Für diese Bereitschaft sei er dankbar. Dank habe immer auch etwas mit der Bereitschaft zu tun, etwas zu geben. Er erzählte dazu die Geschichte eines Sterbenden, der unbedingt seinen Reichtum im Sarg mit ins Jenseits nehmen wollte, um dort gut zu leben. Doch sein Gold wurde dort nicht angenommen. Jemand sagte: „Wir nehmen nur das Geld, das du immer verschenkt hat.“  Quast sagte, wir müssten ins immer auf das besinnen, was wir geschenkt bekommen haben, um auch zu geben. Die Vesperkirche sei ein großes Geschenk, man sei hier verbunden und füreinander da.

Seit 25 Jahren dabei

Christine Möhler, seit 25 Jahre in der Vesperkirche dabei, und seit zehn Jahren mit ihrem Mann Wolfgang deren Teamleiter, sagte, die Vesperkirche sei mehr als essen und trinken, sie sei eine Geste, Heimat,  ein Ort zum zuhören, für Gesprächsbereitschaft, für ein offenes Herz und mehr.  Sie sei keine Armenspeisung, und Jesus lade ein.

Melissa, Schülerin der Klasse 8b der Karl-Kessler-Schule, hatte mit mehreren Klassenkameraden dort mitgearbeitet, Andachten mitgestaltet, in Gottesdiensten mitgewirkt. Sie bezeichnete dies als Chance, als Schule fürs Leben, als tolle Aufgabe, nach anfänglicher Unsicherheit habe die Arbeit viel Freude gemacht. Karin Vrana, dieses Jahr Mitarbeiterin, nannte die Vesperkirche eine Insel des Trostes, der Freude, der Gemeinsamkeit in Zeiten von Corona, Krieg und Inflation. „Es sollte überall auf der Welt mehr solcher Inseln geben“, rief sie unter Beifall der vielen Gottesdienstbesucher. Auch in den Fürbitten war der Krieg in der Ukraine Gegenstand, aber auch der Erhalt der Vesperkirche und der Dank an ihre Unterstützer.

Zum Abschluss verabschiedete Pfarrer Quast Christine und Wolfgang Möhler aus Teamleitertätigkeit. Die Musik kam vom Blockflötenensemble „Flauto Cantanti“ und Organistin Sabine Ott-Seling.

Melissa, Schülerin der Karl-Kessler-Schule, hat bei der Vesperkirche mitgearbeitet und schildert ihre Eindrücke.

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