Vier Stolpersteine: ständige Mahnung

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Gunter Demnig verlegte in Treppach drei Stolpersteine für von den Nationalsozialisten ermordete Menschen.
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„Stolpersteine“ heißt die Aktion von Gunter Demnig. Der Künstler aus Köln erinnert mit seiner Aktion jetzt auch in Treppach und Wasseralfingen an Opfer des Nationalsozialismus.

Aalen-Wasseralfingen

Vier neue Stolpersteine wurden am Samstag in Treppach und in Wasseralfingen zur Erinnerung an von den Nationalsozialisten ermordete Mitbürgerinnen und Mitbürger verlegt.

In Treppach versammelten sich rund 150 Menschen zur Verlegung. Der Künstler Gunter Demnig, der Erschaffer des „größten dezentralen Kunstwerks der Welt“, legte hier drei Steine für die 1944 im Alter von 17 Jahren im KZ Ravensbrück ermordete Maria Theresia Angstenberger und ihren Freund Boguslaw Drazek, einen polnischen Zwangsarbeiter sowie ihren Sohn Sohn Günter. Er starb im Alter von knapp drei Monaten. Die Verlegung untermalte eine Schülergruppe der Karl-Kessler-Schule musikalisch mit einer bewegenden Version des Klassikers „Let it be“. Neben der Schülergruppe umrahmte die Sängerlust Treppach die Feier mit zwei Liedern darunter einem jüdischen. „Diese Steine sind eine bleibende Erinnerung an die Opfer, bringen Licht ins Dunkel“, sagte Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting. Diese Menschen seien es wert, dass ihres Schicksals gedacht werde auch als Mahnung.

Die Erinnerung aufrecht erhalten sollen weitere Verlegungen und Vorträge im kommenden Jahr in Wasseralfingen. Brütting erinnerte sich in einer persönlichen Anmerkung an seine Schulzeit in Aalen, als er mit Gleichgesinnten wie Josef Mischko und Alfred Geisel – beide auch anwesend – Zeichen gegen Rechtsextremisten und Nazis gesetzt habe. Er sei stolz, Oberbürgermeister einer Stadt sein zu dürfen, die solche Gedenkorte schafft. Nach seiner Rede trug sich Gunter Demnig ins Goldene Buch der Stadt ein.

Albrecht Jenner vom Bund für Heimatpflege Wasseralfingen begrüßte auch zwei anwesende Schwestern der Maria Theresia Angstenberger. Fred Ludwig von der Aalener Stolpersteininitiative erläuterte die Geschichte der Erforschung der Lebensläufe der Opfer. Die Steine würden immer vor den letzten bekannten „freiwilligen Wohnorten“ der Opfer gelegt.

Ein weiterer Stein wurde in Wasseralfingen in der Schlossstraße für den Schuhmacher Adam Vogt gelegt. Ortsvorsteherin Andrea Hatam würdigte Vogt als aufrechten, mutigen Mann, der auch gegen politischen Druck seine Überzeugungen und vor allem seine Freunde nicht aufgab. So wurde er der „Judenhilfe“ beschuldigt, weil er jüdischen Freunden bei der Flucht aus Nazi-Deutschland half.

„Meinungsstärke ist gefragt, denn die Gefahr von Extremismus ist auch heute nicht gebannt“, sagte Hatam. Im kommenden Jahr werde eine Schwelle am Eingang des ehemaligen Konzentrationslagers in Wasseralfingen gelegt.

Dr. Bruno Steimle von der Stolpersteininitiative beschrieb den Lebenslauf des Adam Vogt bis zu seinem vermutlichen Tod in Russland 1943 in einem sogenannten Bautrupp, und das Schicksal seiner Familie nach dem Krieg. Sibylle Schwenk, vor rund zehn Jahren Autorin einer Geschichte von Adam Vogt, beschrieb die Gespräche mit seiner Tochter.

Mehr Bilder von der Stolpersteinverlegung sehen Sie online auf www.schwaepo.de

Gunter Demnig verlegte den Stein für Adam Vogt, das Interesse war groß.
Ein Stein für Adam Vogt wurde in Wasseralfingen gelegt.
Auch in Wasseralfingen war das Interesse groß.
Fred Ludwig von der Stolpersteininitiative bei seinen Erläuterungen.
Gunter Demnig trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein, links Ortsvorsteherin Andrea Hatam, rechts OB frederick Brütting.
Rund 150 Interessierte waren zur Verlegung in Treppach gekommen.
Die drei Stopersteine in Treppach.

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