Vom Akademiker zum Kioskbetreiber im Wasseralfinger Spieselbad

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Florian Streicher betreibt seit dieser Saison den Kiosk im Wasseralfinger Spieselbad mit vielen neuen Ideen. Foto: hag
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BWL-Masterabsolvent Florian Streicher ist neuer Pächter der Gastronomie im Freibad Spiesel. Was dieser Job dem 37-Jährigen bedeutet.

Aalen-Wasseralfingen

In welchem Lehrbuch steht eigentlich, dass man zehn Jahre nach einem guten Masterabschluss in Betriebswirtschaftslehre (BWL) zu einem Top-Manager aufgestiegen sein muss? Und dazu noch seinen Job als sinnvoll erleben soll?

Florian Streicher (37) hat erst vor Kurzem seine ganz persönliche Antwort auf diese Frage gefunden. Der Weg dahin führte den gebürtigen Fachsenfelder über Studienjahre in Schwäbisch Gmünd und Nürnberg sowie diverse gut bezahlte Manager-Bürojobs in den Kiosk des Wasseralfinger Spiesel-Freibads. Seit Mai steht er hier als neuer Pächter zwischen Haribo und Sauren Zungen, zwischen Donuts und Schokokusswecken und bedient zur Freude von Jung und Alt meisterlich die Fritteuse.

„Ich fühle mich nicht als Verlierer, sondern innerlich endlich frei von falschen beruflichen Erwartungen, denen ich in den vergangenen zehn Jahren fast zwanghaft nachgejagt bin, um meinem Studienabschluss gerecht zu werden“, sagt Florian Streicher und lässt seinem Gast im grauen T-Shirt und kurzen Jeans einen Cappuccino aus der Maschine.

Endlich keine Krawatte mehr

„Ich bin sehr erleichtert, endlich keine Krawatte mehr anziehen zu müssen. Damit habe ich mich immer ein bisschen verkleidet gefühlt“, beantwortet er die ungestellte Frage. Wöchentlich 40 Stunden und mehr „in Minimalbewegung“ vor dem Computer und den Ansprüchen eines Akademikers in einer führenden Position genügen - das alles ist nicht seins. „Ich bin nichts Besseres, nur weil ich einen Masterabschluss habe“, stellt Florian Streicher fest und greift zur Kaffeetasse.

Spontane Bewerbung

Es ist kurz vor 9 Uhr morgens, die Frühschwimmer - zumeist Stammgäste - drängen ins Bad. „Viele von ihnen kommen nach dem Schwimmen auf einen Kaffee, Snack oder auch nur ein Schwätzchen zu mir an den Kiosk.“ Florian Streicher ist dankbar für das Gefühl von Bodenständigkeit, das ihm die Badegäste und die Arbeit im Spiesel-Kiosk vermitteln. Und darüber, anderen nichts mehr verkaufen zu müssen, von dem er weiß, dass es nicht gut ist.

Die Ausschreibung des Gastronomiebetriebs im Spiesel hatte Florian Streicher irgendwann im April in den sozialen Medien entdeckt. Damals lebte und arbeitete er noch in Nürnberg. Weil er seit Schul- und Studienzeiten in Cafés, Bars und Diskotheken gejobbt hat, fiel sein Entschluss, sich zu bewerben, relativ spontan. Mit den Stadtwerken schlug er in einen zweijährigen Pachtvertrag ein, der sich jeweils ein halbes Jahr vor Ablauf auf ein weiteres Jahr verlängert.

„Heute bin ich selbstständiger Unternehmer, Gastronom, bin mein eigener Chef. Das ist Freiheit für mich“, strahlt Florian Streicher, der nebenher das Social-Media-Marketing einer bekannte Brauerei unterm Rosenstein managt.

Sandstrand mit Liegestühlen

Der von ihm am Fuße der Gastro-Terrasse initiierte Beach mit feinem Sand und Liegestühlen im Schatten von kleinen Palmen ist so früh am Morgen noch unbesetzt. Aber Florian weiß: Sobald das Quecksilber im Thermometer über 30 Grad steigt, strömen die Badegäste. „Wenn die 35-Grad-Marke erreicht ist, ist bei uns High Life.“ Und gegessen und getrunken wird gut in diesem extrem heißen und trockenen Sommer.

Florian Streicher sprüht vor neuen Ideen für den Gastrobetrieb im Spiesel. Gemeinsam mit seinem Bruder und dem Papa Eddie Streicher (bekannt vom früheren Duo Tom & Eddie, Anm. d. Red.) hat er die karibische Tiki-Bar aus Bambus gezimmert, die an Spätnachmittagen besonders heißer Tage bespielt wird mit geshakten Cocktails, mit Pina Colada, Swimming Pool, Sex on the Beach und mehr. Daneben sollen künftig nicht mehr nur die Freibad-Klassiker Pommes, Currywurst und Schnitzel über die Theke wandern, sondern auch gesunde Salatbowls.

Eines hat Florian Streicher schnell gemerkt. „Die Menschen sind gerne hier.“ Und weil das so ist, möchte er in der nächsten Saison den Gastrobetrieb in die Abendstunden ausweiten. „Denn viele Stammgäste kommen zwei Mal am Tag. Tagsüber zum Schwimmen und abends noch einmal auf ein Bierchen oder einen Aperol Spritz auf unserer Terrasse.“

Florian Streicher schaut zu den blauen Wasserbecken hinunter. „Ich bin absolut zufrieden für den Moment; und auch froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe.“

Was Schnitzel, Wurst und Pommes kosten

Das günstigste Speiseangebot: Pommes mit Ketchup/Mayo Box zu 3,50 Euro. 5,90 Euro kostet die Currywurst mit Pommes.

Das teuerste Angebot: ein Schnitzel mit Pommes und ein Wurstsalat mit Brot für jeweils 6,20 Euro.

Florian Streicher betreibt seit dieser Saison den Kiosk im Wasseralfinger Spieselbad mit vielen neuen Ideen. Eine davon ist der Sandstrand mit Liegestühlen und Palmen am Fuße der Terrasse.

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