Vom SHW-Casino zur Kunsthalle?

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Stellen ein integratives Museumskonzept vor: Christa Hartmann und Burkhard Michalsky vom Bund für Heimatpflege.
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Der Bund für Heimatpflege befürchtet, dass die bedeutende Eisengusssammlung in dunklen Archiven verschwindet und macht Druck.

Aalen-Wasseralfingen

Wir wollen jetzt endlich Klarheit haben. Wohin mit der ganzen Kunstgusssammlung?" Den Fragestellern ist es ernst, sehr ernst. Burkhard Michalsky, Vorsitzender des Bundes für Heimatpflege Wasseralfingen und die stellvertretende Vorsitzende Christa Hartmann befürchten, dass die über 1000 Eisenkunstgusswerke als bedeutende Dokumentation der Wasseralfinger und Ostwürttemberger Industriegeschichte irgendwann in der dunklen Abgeschlossenheit von Archiven verschwinden und somit für die interessierte Öffentlichkeit nicht mehr zugängig gemacht werden könnten.

Derzeit ist die laut Hartmann "größte bedeutendste Kunstgusssammlung Deutschlands" noch im sogenannten Modellhaus mitten auf dem früheren SHW-CT-Gelände beheimatet. Nach dem Verkauf des Areals an die Firma Gebrüder Rieger im Juli dieses Jahres gewinnt die Frage nach der Zukunft des Wasseralfinger Kunstschatzes an Brisanz.

Aus diesem Grund hatte vor Kurzem der Aalener SPD-Fraktionsvorsitzende Hermann Schludi in seiner Haushaltsrede im Gemeinderat den Antrag gestellt, die SHW-Kunstsammlung zu bewahren. Nur: Dafür muss erst einmal eine neuer und möglichst öffentlich zugängiger Präsentationsort für diesen Kunstschatz gefunden werden, dessen älteste Gussplatten laut Hartmann von der Wasseralfinger Modelleurfamilie Melchior Paulus aus der späten Renaissance – also aus dem 17. Jahrhundert stammen sollen.

Nun prescht der Bund für Heimatpflege gemeinsam mit dem Aalener Geschichtsverein und einer ausgeklügelten Idee nach vorne: "Warum sucht man sich nicht ein attraktives Gebäude, in dem man den Eisenguss und zudem die vielen anderen historischen lokalen Denkmäler wie die Eisenbahngeschichte, den Bergbau und die Verhüttung präsentiert?" fragt Michalsky.

Das alte SHW-Casino wäre optimal geeignet für ein integratives Museum zur Industriegeschichte.

Burkhard Michalsky Bund für Heimatpflege

Optimal geeignet für ein solches integratives Museum zur Industriegeschichte, sagt er, wäre das ehemalige SHW-Casino, Wilhelmstraße 67, mit seiner Gesamtfläche von über 800 Quadratmetern. SHW-Automotive hatte dieses Gebäude in diesem Jahr für 1,2 Millionen Euro zum Verkauf ausgeschrieben. Allerdings ist es dem Bund für Heimatpflege nicht gelungen, die Stadt Aalen rechtzeitig für einen Kauf zu sensibilisieren. "Als wir Ende Oktober OB Thilo Rentschler unser Konzept vorgestellt haben, war das Gebäude gerade an einen privaten Investor veräußert worden", erzählt Michalsky. "Das finden wir sehr schade", ergänzt Christa Hartmann. "Aber wir könnten uns vorstellen, dass im Gespräch mit dem neuen Eigentümer eine gute (Miet)-Lösung gefunden werden könnte und fordern die Aalener Stadtverwaltung auf, initiativ zu werden."

Das Museumskonzept

Das alte SHW-Casino in Wasseralfingen könnte zu einem sogenannten Ankerpunkt werden für den regionalen Tourismus innerhalb einer historischen Industrieroute durch die Gesamtstadt Aalen. "Zu diesem Ankerpunkt gehört eine publikumswirksame Präsentation in einem Haus der Industriegeschichte", sagt Michalsky. Ein entsprechendes Konzept haben die Geschichtsvereine Aalen und Wasseralfingen Ortsvorsteherin Andrea Hatam und OB Thilo Rentschler ausgehändigt. Mit diesem Konzept könnte man sich für eine Mitgliedschaft in der Vereinigung "Europäische Route der Industriekultur (ERIH)" bewerben. "Damit", so Christa Hartmann, "würde das reiche Erbe vor allem der Eisen- und Bergbaugeschichte der Ostalb europaweit beworben werden." Zur Finanzierung könnte das Förderprogramm des Landes für Tourismus helfen.

Die Ofenplatten im Modellhaus sind denkmalgschützt und daher mit weißen Zetteln gekennzeichnet.
Bis vor Kurzem war das ehemalige SHW-Casino noch im Besitz der SHW-Automotive. Ende Oktober wurde es an einen privaten Investor verkauft.

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