Von den Anfängen einer Wasseralfinger Institution

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Zum Auftakt der Vesperkirche kamen einige Gründungsmitglieder, die bereits vor 25 Jahren dabei waren, zu einem Podiumsgespräch zusammen.
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Wie ein „Gründer-Sextett“ den Beginn der Vesperkirche vor 25 Jahren beschreibt.

Aalen-Wasseralfingen. Vor 25 Jahren wurde die Wasseralfinger Vesperkirche ins Leben gerufen. Aus diesem Anlass trafen sich Frauen und Männer der ersten Stunde zu einem Podiumsgespräch in der Magdalenenkirche am Abend vor dem Eröffnungsgottesdienst.

Nachdem im vergangenen Jahr nur ein To-Go-Angebot möglich war, werden in diesem Jahr wieder die Tische gedeckt sein. „Gut, dass wir vor zweieinhalb Wochen beschlossen haben, die Vesperkirche in Präsenz zu veranstalten“, sagte Pfarrer Uwe Quast. „Vor zwei Tagen hätten wir wieder anders entschieden“, ergänzte er mit Blick auf die steigende Inzidenz.

Nach der fröhlichen Einstimmung durch die inklusive Band der Musikschule Aalen eröffnete Moderator Rainer Scheufele das Podiumsgespräch. Der Referent beim Diakonischen Werk Württemberg und Ansprechpartner für die Vesperkirchen in der Landeskirche schilderte zunächst die Anfänge der Bewegung.

Die Wasseralfinger Vesperkirche startete 1997 und war damit eine der ersten in Württemberg. Begonnen hatte alles 1995 in der Stuttgarter Leonhardskirche, gefolgt von Ulm und Göppingen ein Jahr später. In mehr als 30 Orten in der Württembergischen Landeskirche gibt es heute Vesperkirchen. Diese Idee nahmen inzwischen auch andere Landeskirchen auf. „Eine schwäbische Erfolgsgeschichte“, so Scheufele.

Wie kam es nun zur Gründung der Wasseralfinger Vesperkirche? Was hat die Menschen motiviert und welche Herausforderungen galt es zu meistern? Dazu befragte der Moderator sechs Frauen und Männer, die 1997 aktiv dabei waren.

Einer, der einen entscheidenden Anstoß gegeben hat, war Dr. Wolfgang Seraphim. Es war eine kleine Notiz in der SchwäPo Anfang der Neunzigerjahre, die ihm nicht mehr aus dem Kopf ging, erzählt der ehemalige Hausarzt. Ein Obdachloser war im Januar in Berlin vor einer Kirchentür erfroren. Er habe sich gefragt: „Was muss man tun, damit sich die Kirchentüren in der kalten Jahreszeit für Bedürftige öffnen?“

Bei Ursula Richter, damals Pfarrerin in Wasseralfingen, stieß er auf offene Ohren. Denn dort trug sich der diakonische Ausschuss mit ähnlichen Gedanken. „Wir wollten eine Gemeinde sein, die offen ist für andere Menschen und nicht nur im eigenen Saft schmoren“, erinnert sich die heutige Dekanin.

Am Anfang stand viel Überzeugungsarbeit. „Vesperkirche ist heute en vogue, damals war es etwas ganz Fremdes“, sagt Ursula Richter. Essen vor dem Altar? Man entheilige die Kirche, war nur ein Vorwurf. Christine Möhler saß in dem theologischen Ausschuss, der extra gegründet wurde. Sie erinnert sich: „Ich war froh, als der Beschluss im Kirchengemeinderat durchging.“ Auch ihr Mann Wolfgang Möhler ist von der Vesperkirche begeistert. „Es ist gut, dass Menschen verschiedener Herkunft zusammenfinden“, meint er.

Gudrun Fetzer war 15 Jahre lang für die Organisation zuständig. Sie erzählt von den Anfängen, als es kaum Geschirr gab und von Tagen, an denen das Essen knapp wurde und man sich mit Spaghetti und Tomatensoße behelfen musste. „Zum Schluss sind alle satt geworden“, sagt sie.

Für Jörg Dolmetsch, damals Gemeindediakon in Wasseralfingen, ist die Vesperkirche „eine wachsende Kirche gegen den Trend“. Er berichtet davon, wie bereits in den Anfangsjahren Schüler aus der Karl-Kessler-Schule mitgeholfen haben. Daraus ist inzwischen eine gute Tradition geworden.

25 Jahre Vesperkirche sind nur mit einem tollen Team zu stemmen. Dekanin Richter betont: „Ich bin dankbar für die Ehrenamtlichen, die sich so entflammen ließen, und dass mein Nachfolger genauso dafür brennt.“

Pfarrer Uwe Quast dankte für die Statements und überreichte den Podiumsgästen den eigens zum Jubiläum aufgelegten Vesperkirchenkalender.

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