Wasseralfinger für Abriss der Talschule

  • Weitere
    schließen
+
Die Aalener Stadtverwaltung schlägt vor, das sanierungsträchtige Gebäude der alten Talschule (im Vordergrund) abzureißen und stattdessen ein neues Grundschulgebäude mit direkter Anbindung an die Realschule zu bauen.
  • schließen

Mit deutlicher Mehrheit empfehlen die Ortschaftsräte einen Neubau der Grundschule im Schulzentrum im Tal. Warum beim Gremium am Ende der Haussegen schief hängt.

Aalen-Wasseralfingen

Der Grundsatzbeschluss für Abriss und Neubau des alten Talschulgebäudes ist gefallen – zumindest im Wasseralfinger Ortschaftsrat. Die endgültige Entscheidung liegt zwar beim Aalener Gemeinderat. Aber die Wasseralfinger haben in ihrer Sitzung am Dienstagabend bereits ein deutliches Votum abgegeben: Bei zwei Gegenstimmen der Grünen (Michael Graule und Sigrun Huber-Ronecker) und zwei Enthaltungen befürwortet die deutliche Ratsmehrheit den Abriss des alten und höchst sanierungsbedürftigen Schulgebäudes aus den 1960er Jahren und den Neubau einer neuen Grundschule mit direkter Anbindung an die ehemalige Karl-Kessler-Realschule.

Mit der Empfehlung der Wasseralfinger Ortschaftsräte an das Aalener Gremium einher geht zudem die Neuausrichtung von Pausenhof, Parkplätzen und Schulbusführung, die Generalsanierung des Realschulgebäudes und die perspektivische Entwicklung einer neuen städtebaulichen Eingangssituation: Wohnbau auf der Fläche des bisherigen Parkplatzes am Fuße der Bürglessteige sowie der Bau einer neuen Feuerwache in Nachbarschaft zu den Kleingärten.

Wie wichtig und weitreichend diese Entscheidung für Wasseralfingen ist, verdeutlichte die Anwesenheit Wolfgang Riehles. Der Ehrenpräsident der Landesarchitektenkammer und externe Berater der Stadt war extra zur Sitzung des Ortschaftsrats in den Musiksaal des Kopernikus-Gymnasiums gekommen.

"Wir haben gesagt, wir brauchen Zahlen, Daten, Fakten und eine ökologische Bilanz, bevor wir die Entscheidung über Abriss oder Generalsanierung des alten Grundschulgebäudes treffen können. Jetzt sind die Unterlagen da", leitete Ortsvorsteherin Andrea Hatam in die Diskussion ein.

Die wichtigsten Fakten:

Schulraumplanung: Weil die Stadtverwaltung von einer Steigerung der Schülerzahlen in den nächsten Jahren ausgeht, geht die Raumplanung für das Schulzentrum im Tal von einer zwei- bis drei-zügigen Grundschule aus, einer einzügigen Werkrealschule und einer zwei- bis drei-zügigen Realschule.

Statik des Grundschulgebäudes: Laut Untersuchungsergebnissen wäre bei einer Sanierung ein kompletter Rückbau auf das Betonskelett notwendig, auch im Hinblick auf die enthaltenen Schadstoffe.

Schadstoffe: Bei einer Sanierung müssten laut Sitzungsvorlage sämtliche PCB-haltigen Fugenmassen an den Wänden vollständig saniert werden. Eine große Rolle spielt auch Asbest in der Außenfassade.

Sie haben ein Luxusproblem.

Wolfgang Riehle Ehrenpräsident der Landesarchitektenkammer zur Haltung der Grünen

Ökobilanz: Laut Sitzungsvorlage haben Abriss und Neubau der Grundschule auf 50-Jahressicht einen geringeren CO2-Verbrauch (553 t), als eine Generalsanierung (706 t).

Kostenschätzung: Insgesamt 25 Millionen Euro insgesamt würde laut Stadtverwaltung die Generalsanierung des alten Grundschulgebäudes und der Realschule kosten. Dagegen Abriss und Neubau der Grundschule samt Generalsanierung der Realschule 21,5 Millionen Euro.

"Ich sehe eine mehrfache Win-win-Situation", warb OB Thilo Rentschler für Abriss und Neubau und machte klar, dass nach jahrelanger Planung, auch unter Beteiligung der Bürgerschaft, die Zeit für eine Grundsatzentscheidung überreif sei.

Rektor Thomas Brunnhuber hatte als Befürworter des Projekts die Dringlichkeit des Schulhausneubaus betont. "Wenn Sie dieser Beschlussvorlage zustimmen, dann wächst zusammen, was zusammen gehört!"

Grüne nach wie vor dagegen

Alle Fraktionen signalisierten sofort ihre Zustimmung für Abriss und Neubau. Allein die Grünen hielten weiterhin dagegen. "Unserer Meinung nach wird das Pferd von hinten aufgezäumt", knüpfte Sigrun Huber-Ronecker an die Aussage des Grünen-Fraktionschefs im Aalener Gemeinderat, Michael Fleischer an, der diese vor genau einem Jahr getroffen hatte. Und Fraktionskollege Michael Graule pflichtete ihr bei: "Unserer Ansicht nach stand damals bei der Bürgeranhörung schon fest, dass das Schulgebäude abgerissen werden soll." Die Kosten könne man nicht vergleichen, weil ein großes Gebäude weicht, aber ein kleineres entstehen soll. "Klar, dass das dann weniger Betriebskosten verursacht."

Der Ehrenpräsident der Landesarchitektenkammer, Wolfgang Riehle, verkniff sich ein Kopfschütteln: "Sie haben ein Luxusproblem", entgegnete er den Grünen. "Sie sind in einer Situation, eine Entscheidung zu treffen, die nach allen Seiten abgesichert ist." OB Thilo Rentschler bemühte sich um einen sachlichen Ton: "Wenn Sie unbeachtet der sehr guten Vorberatung und der ausgefeilten Sitzungsunterlage alles mit einem Federstrich abstreichen, dann machen Sie das so. Aber das ist nicht mein Politikstil."

Mit dem Grundsatzbeschluss zur Weiterentwicklung des Schulzentrums im Tal befasst sich an diesem Mittwoch auch ein Ausschuss des Gemeinderats. 15 Uhr, in der Stadthalle Aalen.

Zurück zur Übersicht: Wasseralfingen

WEITERE ARTIKEL