Kommentar Tobias Dambacher

Weg mit dem Tunnelblick

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über die 50er-Inzidenz und Perspektiven

Nach wie vor fixiert sich die Politik in ihren Corona-Entscheidungen auf die 50er-Inzidenz. Im Frühjahr 2020 wurde dieser Wert von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgegeben als Marke, die nicht überschritten werden soll. Begründung damals: Sind es mehr Fälle, kommen die Gesundheitsämter mit der Kontaktverfolgung nicht mehr hinterher. An dieser Erklärung hat sich bis heute im Prinzip nichts geändert. Dabei treten einige Probleme zutage. Seit den ersten Tagen der Pandemie hat sich viel geändert: Schnelltests, Impfstoffe, mehr Infos über das Virus. Das Personal in den Gesundheitsämtern ist besser geschult, geeignete Software eingeführt, die spezialisiert ist auf Kontaktverfolgung und die Bundeswehr unterstützt die Landkreise beim Telefonieren. Auch Landrat Dr. Joachim Bläse bestätigt, dass die Kontaktverfolgung "sehr gut" laufe und wohl auch bei einer deutlich höheren Inzidenz funktionieren würde. Das zweite Problem: Mit der 50er-Inzidenz ist es so, wie mit der Temperaturangabe beim Wetter. "15 Grad" ist wenig aussagekräftig, wenn man nicht weiß, ob es mittags im Juli ist oder um Mitternacht im Dezember, idealerweise noch verbunden mit einem Ort. Die Inzidenz muss zusammen mit anderen Indikatoren betrachtet werden. Wie die Lage in den Krankenhäusern ist, wie viele Betten belegt sind, wie schlimm die behandelten Fälle sind, wie gut die Senioren geschützt sind. All dies fehlt immer noch in den politischen Begründungen. Dabei wären Perspektiven so wichtig. Auch wenn es mit dem Impfen noch klemmt, ist klar, dass sich diese Situation ändern wird und immer mehr Menschen der Risikogruppen als immun gelten. Deshalb wird jetzt ein differenzierterer Blick auf die Zahlen wichtig. Ja, die Inzidenz ist ein wichtiger Wert, aber nicht der einzige. Das ist die Aufgabe der Politik, dies den Menschen zu erklären. Denn nur mit Verständnis wird es gelingen, die anstehenden Maßnahmen erfolgreich und gemeinsam umzusetzen.

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