Weihnachten: Zuspruch und Anspruch

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Dekan Ralf Drescher

Gedanken zu Weihnachten von Dekan Ralf Drescher.

Aalen. Die Gedanken zu Weihnachten kommen in diesem Jahr von Ralf Drescher, Dekan des evangelischen Kirchenbezirkes Aalen:

„Weihnachten ist für mich wie nachhause kommen“, so hat es ein Kollege kürzlich in Worte gefasst. Und ich glaube: Er hat Recht. Die Züge sind voll in diesen Tagen und bringen die Menschen zueinander. In vielen Familien wird Heiligabend nach einer festen Tradition gestaltet. So wie Eltern und Großeltern begangen haben, feiern oft auch die Kinder und Enkel noch. Der gemeinsame Kirchgang gehört für viele Menschen immer noch dazu, so, wie die Vertrautheit der Weihnachtsgeschichte und der Weihnachtslieder. Das hat gewiss auch mit der Sehnsucht nach Heil und Geborgenheit zu tun und erinnert uns an die Tage der Kindheit. Gerade in den Weihnachtstagen wird uns das jedes Jahr wieder in besonderer Weise bewusst. Da empfinden wir unsere Bedürfnisse, unsere Möglichkeiten und Grenzen irgendwie stärker, das Helle und das Dunkle auch.

Und so blicken wir dieses Jahr in dieser Zeit auf ein nicht ganz einfaches Jahr zurück: Spannende Midterms in den USA, mutige Proteste im Iran, eine WM in Katar, ein Krieg vor unserer Haustür und die Angst vor einem kalten Winter - um nur einige Beispiele zu nennen. Viele Menschen in Deutschland machen sich Sorgen und fragen, wohin das Ganze noch führen soll. Das wiederum machen sich andere zu Nutzen, schüren die Angst und polarisieren. Umso wichtiger ist es, dass die breite Mitte der Gesellschaft jetzt zusammenrückt, sich nicht gegeneinander aufbringen lässt, zusammenhält und gemeinsam nach Wegen sucht - aus der Gefahr! Da kommt uns die Weihnachtsbotschaft gerade recht.

Für uns Christen geschieht das Kommen Gottes in der armseligen Geburt eines Kindes, im Menschen Jesus von Nazareth. Oder wie es in der zweiten Kantate des Weihnachtsoratoriums heißt: „Brich an, o schönes Morgenlicht, und lass den Himmel tagen! Du Hirtenvolk erschrecke nicht, weil dir die Engel sagen, dass dieses schwache Knäbelein soll unser Trost und Freude sein, dazu den Satan zwingen und letztlich Frieden bringen.“ Gott wird Mensch und kommt als Kind auf diese Welt und schafft Gerechtigkeit und Recht und Frieden.

Die Wirklichkeit sieht leider oft anders aus. Ich sehe daher in der Weihnachtsbotschaft einen großen Zuspruch und einen großen Anspruch gleichermaßen und damit auch den Maßstab, an dem wir unser Leben, unser Handeln, unser Tun und Lassen ausrichten sollen: Gerechtigkeit und Recht und Frieden. Und da haben wir noch allerhand zu tun.

Das Kind in der Krippe strahlt uns dabei an. Es ist Gottes lebendiges Zeichen des Lichts in dieser Welt und unserem Leben. Und jedes Kind und jeder Mensch, der da geboren wird, ist ein Teil dieses Lichts und ein Teil dieser Hoffnung, die eben dort zur Ganzheit wird, wo wir im Blick auf unser Glück und unseren Wohlstand die Not der Anderen teilen. Das ist ein Geben und Nehmen und keiner von uns weiß, welches Schicksal morgen auf ihn wartet und auf welcher Seite er dann steht. Verbeugen wir uns vor dem Kind im Stall, vor seiner Anmut, vor seiner Verletzlichkeit und vor seinem lebendigen Glanz.

In herzlicher Verbundenheit gesegnete Weihnachten,

Ihr Dekan Ralf Drescher“

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