Welttag des Stotterns: Immer noch ein Tabuthema

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Manuel Schopp aus Schwäbisch Gmünd stottert, seitdem er drei Jahre alt ist.
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Manuel Schopp spricht über seine Sprachstörung. An diesem Donnerstag ist Welttag des Stotterns.

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Manuel Schopp stottert. Wie es ist, mit dieser Sprechstörung zu leben und welche Therapieansätze Logopädinnen anwenden, erklären die Aalener Logopädinnen Dr. Gabriela Barthel und Ulrike Richter zum Welttag des Stotterns an diesem Donnerstag. Rund ein Prozent der deutschen Bevölkerung stottert. Das bestätigen die beiden.

"Stottern ist eine Veränderung des Sprechens, die sich in Unterbrechungen des Redeflusses äußert", sagt Gabriela Barthel. Hierbei werden drei Formen unterschieden: Wiederholungen, Dehnungen und Blockierungen. Bei Ersterem werden einzelne Laute, Silben oder Worte wiederholt, z. B. bi bi bi bitte. "Von einer Dehnung spricht man, wenn der Betroffene, Laute in die Länge zieht. Eine Blockierung sei oft die schwerwiegendste Form des Stotterns. Hier bekommt der Sprecher das Wort anfangs gar nicht raus und verstummt in der Mitte des Worts. Manuel Schopp aus Schwäbisch Gmünd leidet meist unter der Blockade.

Ursachen des Stotterns

Welche Ursachen diese Störung hat, sei nach wie vor nicht ausreichend erforscht. "Man geht davon aus, dass eine Veranlagung zum Stottern oft genetisch bedingt ist", sagt Gabriela Barthel. "Stottern entsteht oft in einer Phase, in der sich Kinder sprachlich, geistig oder auch emotional schnell entwickeln", sagt sie. Bei Manuel Schopp wurde das Stottern im Kindesalter diagnostiziert. Als er drei Jahre alt war, hat er immer wieder Worte wiederholt. "Bei einer Logopädin habe ich spielerisch den Umgang mit der Sprache gelernt", erzählt Manuel Schopp.

Früh erkennen und behandeln

Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr kommt es bei vielen Kindern zu Wortwiederholungen. "Diese entstehen dadurch, dass die Kinder etwas ausdrücken möchten, ihnen aber die sprachlichen Ausdrucksmittel dafür noch fehlen", erklärt Barthel. Als Stottern kann man das nicht bezeichnen. "Diese sogenannten Iterationen verschwinden meist von alleine", sagt die Logopädin. Beim Stottern hingegen sind auch spannungsvolle Symptome zu beobachten. Häufig seien auch Veränderungen in der Mimik zu erkennen. "Ich ziehe beim Stottern manchmal Grimassen", sagt Manuel Schopp.

Ich ziehe beim Stottern manchmal Grimassen.

Manuel Schopp Vertriebsingenieur

Schwierige Situationen

Wenig Schlaf führt bei Schopp dazu, dass er häufiger stottert. "Mittlerweile schäme ich mich aber nicht mehr, sondern spreche mein Problem gleich an", erzählt er. So könne er und auch die anderen besser mit der Situation umgehen. Telefonate sind meist schwierig. Da die Reaktionen des Gegenübers fehlen. So sieht das auch Barthel. "Einige haben am Telefon schlechte Erfahrungen gemacht, etwa dass der Gesprächspartner auflegt, weil er am Anfang des Gesprächs wegen einer Blockade nichts hört", sagt sie. Manuel Schopp machen Telefonate nichts aus. Vor fremden Menschen zu sprechen hingegen fällt ihm schwer.

Der Umgang mit Stotternden

Doch wie sollte man in einer solchen Situation mit dem Betroffenen umgehen? Sollte man etwa Sätze für sie beenden oder gilt auch hier, Geduld haben und ausreden lassen?

Die Logopädinnen sind sich einig: Der Gesprächspartner sollte den stotternden in Ruhe ausreden lassen. "Auch gut gemeinte Tipps wie "lass dir Zeit" oder "hol erst tief Luft" helfen nicht wirklich. Viel besser ist es, durch ein gelassenes und entspanntes Verhalten Ruhe zu vermitteln und abzuwarten, bis der Satz zu Ende gesprochen ist", sagt Barthel. Das bestätigt auch Manuel Schopp. "Man sollte auch weiterhin Blickkontakt halten, das hilft mir immer", sagt er. Mittlerweile gehe er offen mit seiner Störung um und besuche auch eine Selbsthilfegruppe.

Manuel Schopp aus Schwäbisch Gmünd stottert seitdem er drei Jahre alt ist.

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