Wenn's an der Tür klingelt ...

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Für Haustürgeschäfte gilt: Hat man einen Vertrag an der Haustür abgeschlossen, ist dieser wirksam. Man kann diesen aber widerrufen.
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In der Region sind momentan wieder verstärkt Werber im Auftrag der Telekom unterwegs. Was der Verbraucherschutz rät.

Aalen/Ellwangen

Sie klingeln an der Türe, gerne mal nach Feierabend oder am Wochenende. Meist Männer mit einer pinkfarbenen Mund- und Nasenbedeckung sowie einem Tablet in der Hand. Man komme im Auftrag der Telekom, heißt es dann. Verstärkt passiert das in den letzten Wochen auch wieder in Aalen und Ellwangen. Dort stand einer dieser Mitarbeiter sogar unvermittelt im Garten hinter dem Haus, wie ein Leser berichtet. Und habe von einer Glasfaserverlegung und besonders günstigen Tarifen gesprochen. In einem Gebiet, in dem Glasfaser bereits verlegt sei.

Es seien vereinzelt Mitteilungen über solche Haustürbesuche von Bürgerinnen und Bürgern eingegangen, bestätigt Holger Bienert, Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen.

"Sind die echt?", fragt man sich aber auch ohne Anruf bei der Polizei schon mal. Sind sie, bestätigt eine telefonische Anfrage bei der Telekom. Dann kommt auf Anfrage nach den Aufgaben dieser Mitarbeiter eine E-Mail von der Firma Ranger Marketing & Vertriebs GmbH mit Sitz in Düsseldorf. "Wir sind seit über 15 Jahren autorisierter Vertriebspartner der Deutschen Telekom", heißt es da. Und später: "Gerne teile ich Ihnen mit, dass die Kundenberater die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Regelvermarktung – auf Wunsch – beraten", so Pressesprecherin Julia Büttner.

Nun ist es erst einmal grundsätzlich erlaubt, bei anderen Menschen an der Haustüre zu klingen. Das bestätigen sowohl Holger Bienert als auch Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Auch zu eher ungewöhnlichen Zeiten. Dies sei aber nicht nur bei der Telekom so, sagt Buttler. So ein Vorgehen sei auch bei anderen Anbietern üblich.

Zum einem sei aber grundsätzlich die Frage, ob das jeweilige Unternehmen gegen den Datenschutz verstoße, in dem sie die Daten der Kunden weitergebe. Denn das sei nur erlaubt, wenn man ausdrücklich dieser Weitergabe der Daten für Werbezwecke zugestimmt habe.

Leider ist es zulässig, dass man jemanden überrumpeln darf.

Oliver Buttler Verbraucherzentrale BW

Die Mitarbeiter der Firma Ranger würden nach einem Provisionsmodell arbeiten. Dass da mitunter vonseiten dieser Druck aufgebaut werden würde – in diesem Fall Zeitdruck – sei nicht ungewöhnlich, so Buttler. Wenn man tatsächlich etwas unterschrieben habe, habe man ein Widerrufsrecht innerhalb von 14 Tagen. "Das sind Haustürgeschäfte."

Für die gilt: Hat man einen Vertrag an der Haustür abgeschlossen, ist dieser wirksam. Man kann diesen aber widerrufen. Durch einen Widerruf ist man nicht mehr an den Vertrag gebunden. Dafür hat man grundsätzlich 14 Tage ab Vertragsschluss Zeit. Solange die Widerrufsbelehrung nicht vorliegt, läuft auch die Frist nicht. Reicht der Händler die Belehrung nach, hat der Unterzeichnende 14 Tage Zeit für den Widerruf. Wochenenden und Feiertage zählen mit.

Wurde man auf dieses Widerrufsrecht nicht informiert, hat man sogar länger Zeit: 12 Monate und 14 Tage, wie Oliver Buttler erklärt. Und meistens sei genau das bei Haustürgeschäften auch der Fall.

Wer sich also fragt, was er da eigentlich abgeschlossen hat, schreibt am besten gleich einen schriftlichen Widerruf. Erklären warum, muss man nicht. "Leider ist es zulässig, dass man jemanden überrumpeln darf", so Buttler.

Leichtes Spiel hätten die Vertragsverkäufer übrigens damit vor allem auch in Flüchtlingsunterkünften. Hier würden aufgrund sprachlicher Barrieren Verträge abgeschlossen. Auch aus Angst, man habe sonst keine Kontaktmöglichkeiten mehr mit den Angehörigen Zuhause.

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