Wenn nur Platz für den Platzhirsch ist

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Rudy Rau vor der Galerie seiner Meisterbriefe.

Diamantener Meisterbrief für Rudy Rau und ein Stück absurder Geschichte.

Aalen. Eine altersbedingte seltene Auszeichnung erhielt jetzt der 84-jährige Bäckermeister Rudy Rau: den Diamantenen Meisterbrief.

Er schreibt seinen Vornamen ungewöhnlich mit „y“, weil sein Vater Otto acht Jahre in den USA lebte und 1937 nach der damaligen NS-Devise „heim ins Reich“ aus den Staaten zurückkehrte. Zwei seiner Kinder wurden in den USA geboren, drei weitere danach in Aalen. „Ich“, so Rudy schmunzelnd, „entstand auf der Rückfahrt mit dem Schiff auf dem Atlantik. Das bekannten mir meine Eltern“.

Im Hirschbach erlernte Rudy in der von seinem Vater gekauften Bäckerei den Beruf des Bäckers. Und führte das Geschäft zusammen mit seiner Frau Renate, bis er anfangs der 80er-Jahre wegen einer Mehllallergie als Bäcker nicht mehr weitermachen konnte.

Einen Ausweg wies Innungsobermeister Veit seinem Kollegen: Die Raus verkauften von da an Backwaren in den Schulen − drei Jahre auf dem Galgenberg und zwölf Jahre im Berufsschulzentrum am Kälblesrain. Bis zum Ruhestand arbeitete Rudy Rau noch acht Jahre bei Omega-Sorg.

1989 bauten die Raus in Essingen ein schönes Haus, ließen aber den Kontakt zum Hirschbachclub nie abbrechen. Erst recht nicht, als sie vor vier Jahren das Eigenheim in Essingen vermieteten und eine schöne Wohnung im „Stützel-Park“ an der Bischof-Fischer-Straße in Aalen zur Miete bezogen.

Die einzige Tochter des Ehepaars führt in Oberstaufen eine Arztpraxis. Sie ist übrigens mit einem Sohn des einst legendären VfR-Stürmers Eugen IIzhöfer verheiratet.

Absurdität in der Hirschbach-Geschichte: Obwohl die Bäckerei Rau einen großen Kundenkreis hatte, verweigerte damals der heute über 120 Jahre alte Hirschbachclub dem Otto die Mitgliedschaft. Die Altvorderen hatten nämlich verfügt, dass jeweils nur ein Geschäftsinhaber aus derselben Branche aufgenommen werden durfte. Und das war Bäcker Willi Rehm. Dessen Geschäft lag schräg gegenüber des damaligen Clublokals „Charlottenburg“. Dieselbe Brüskierung musste später Friseur Hans Haag schlucken. Ihm stand das Ehrenmitglied Franz Ebert im Wege, der an der Ecke zur Braunenstraße sein Friseurgeschäft betrieb.Erwin Hafner

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