Weststädter: „Wollen 2022 einen eigenen Ortschaftsrat wählen“

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Beinahe voll besetzt ist am Freitagabend der Saal im Weststadtzentrum. Rund 250 Einwohnerinnen und Einwohner sind der Einladung der Stadtverwaltung gefolgt.
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Ein Ortschaftsrat für Unterrombach-Hofherrnweiler wird aufgegleist. 250 Bürgerinnen und Bürger kommen zur städtischen Informationsveranstaltung ins Weststadtzentrum.

Aalen-Weststadt

Der Prozess für einen eigenen Ortschaftsrat in Unterrombach-Hofherrnweiler ist aufgegleist. Aber viele Fragen sind noch offen. Entsprechend groß ist das Informationsbedürfnis der Bürgerinnen und Bürger der Weststadt: Rund 250 Einwohnerinnen und Einwohner sind am Freitagabend zu der von der Stadt initiierten Bürgerversammlung ins Weststadtzentrum gekommen. Auf ihre brennendste Frage allerdings - ob denn ein Ortschaftsrat noch in diesem Jahr gewählt werden kann - konnte die Stadtverwaltung noch keine eindeutige Antwort geben.

Für den an Corona erkrankten OB Frederick Brütting führten Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle und Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann durch die mehr als zwei Stunden dauernde Versammlung. Einleitend bot Stadtarchivar Dr. Georg Wendt einen Blick in die Historie von Unterrombach und dem einstigen „Armenweiler“. Die einst getrennte Siedlungsstruktur sei 1813 durch den württembergischen König unter dem Namen „Unterrombach“ zusammengefasst worden.

Die Eingemeindung nach Aalen 1937/38, so Wendt, sei auf eine Initiative der Unterrombacher zurückgegangen, habe aber auch dem Ansinnen der Nationalsozialisten entsprochen, die Übervölkerung in den Städten zu entzerren.

Bürgermeister Steidle erinnerte, dass die Forderung der Weststädter nach einem eigenen Ortschaftsrat auf die Initiative der IG Unterrombach/Hofherrnweiler und auf einen Antrag der CDU-Gemeinderatsfraktion zurückgehe.

„Die Zeit ist reif für einen Ortschaftsrat in Unterrombach-Hofherrnweiler“, betonte CDU-Fraktionsmitglied Hartmut Schlipf, der neben vier weiteren Stadträten die Anliegen der Weststädter im Aalener Gemeinderat vertritt. „Es stehen viele Entscheidungen an, die die Weststadt betreffen.“ Die Weststädter wollten mitreden können. Denn Demokratie beginne im Kleinen. Schlipf betonte, dass sich die Weststadt nicht als Teil der Kernstadt sehe, sondern als lebendiger Stadtteil, der in den kommenden Jahren erhebliche Aufgaben in Verkehr und Infrastruktur zu stemmen habe.

Jochen Wörner, Martin Stegmaier und Sabine Burr bedankten sich stellvertretend für die IG Hofherrnweiler/Unterrombach bei OB Frederick Brütting, der bereits bei seinem Amtsantritt im Herbst zugesagt hatte, eine kommunalpolitische „Zwischenebene“ zwischen den Weststadt-Bürgern und dem Aalener Gemeinderat ziehen zu wollen. Die IG sei aus einem anfänglich kleinen Nachbarschaftskreis entstanden, der aktuelle, die Weststadt betreffende Themen diskutiere. Stegmaier: „Mit der Zeit wurden wir immer mehr. Und es entstand allgemein immer mehr das Gefühl, nicht ausreichend informiert zu sein.“ Daraus habe sich der drängende Impuls entwickelt, einen eigenen Ortschaftsrat aufzustellen. „Jetzt gilt's. Wir sind auf dem richtigen Weg. Jetzt müssen wir vorwärtskommen“, drückte Sabine Burr aufs Tempo.

Die Verfahrensschritte erläuterte Bürgermeister Ehrmann. Laut Gemeindeordnung könne in Gemeinden mit räumlich getrennten Ortsteilen ein Ortschaftsrat eingerichtet werden. Dazu müsse man die Hauptsatzung ändern, was der Gemeinderat zu beschließen hätte. „Das“, so stellte Ehrmann fest, „wäre für die Weststadt auch in früheren Jahrzehnten möglich gewesen“.

Für die Weststadt mit 9121 Einwohnern wäre ein Ortschaftsgremium mit 18 Mitgliedern möglich. Ehrmann: „Es können aber auch weniger sein, mindestens 14.“ Ein Name für den Ort müsse noch gefunden werden. Die Vorschläge der Stadtverwaltung lauten Unterrombach, Unterrombach-Hofherrnweiler, Hofherrnweiler-Unterrombach oder Weststadt. Aber auch andere Namen seien denkbar.

Eine Ortschaftsratswahl noch in diesem Jahr sieht Ehrmann „verwaltungsintern mit erheblichen Schwierigkeiten“ verbunden. Denn von der Landesregierung, die aktuell an einer Änderung des Kommunalwahlrechts arbeite, sei keine Unterstützung in Sachen Formulare und IT-Dienstleistern zu erwarten. Die Stadtverwaltung müsste also einen erheblichen Mehraufwand stemmen, um die Rechtssicherheit zu gewähren. Weiter gab Ehrmann zu bedenken, dass für ein noch in diesem Jahr gewählter Ortschaftsrat nur eine „Rumpfarbeitszeit“ von rund einem Jahr zur Verfügung hätte. Zumal im Mai 2024 wieder die regulären Kommunalwahlen anstehen.

Offen ist zudem die Frage einer Ortsverwaltung. „Sie kann, muss aber nicht eingerichtet werden“, so Ehrmann. Die Entscheidung liege beim OB, sei aber freilich an Grundsatzbeschlüsse des Gemeinderats gebunden.

Für die IG indes steht der Wahltermin nicht zur Debatte. „Wir wollen eine Wahl in 2022. Wichtige Entscheidungen stehen an“, betonte Sabine Burr unter lautem Applaus der Einwohnerinnen und Einwohner.

Wie soll der Ort künftig heißen? Die Stadt Aalen bittet um Vorschläge. E-Mail an: wahlamt@aalen.de

Die Zeit ist reif für einen Ortschaftsrat.“

Hartmut Schlipf, CDU-Stadtrat
Fast vollbesetzt war der Saal des Weststadtzentrums beim Infoabend für einen eigenen Ortschaftsrat für Unterrombach-Hofherrnweiler.
Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle führt in die Einwohnerversammlung ein.
Stadtarchivar Dr. Georg Wendt gibt Einblick in die Historie von Unterrombach und "Armenweiler".
Stadtarchivar Dr. Georg Wendt gibt Einblick in die Historie von Unterrombach und "Armenweiler".
Hartmut Schlipf, Weststädter und CDU-Gemeinderatsmitglied, vertritt die Position seines Stadtteils.
Infoabend für einen eigenen Ortschaftsrat für Unterrombach-Hofherrnweiler.
Hartmut Schlipf (l.), Weststädter und CDU-Fraktionsmitglied im Aalener Gemeinderat legt die Position seines Stadtteils dar. Rechts neben ihm: Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann und Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle.
Auch Mitglieder der Grünen-Fraktion des Aalener Gemeinderats waren zur Informationsveranstaltung gekommen. V.l: Ralf Meiser, Sandra Bretzger, Grünen-Fraktionssprecher Michael Fleischer und Sigrun Huber-Ronecker.
Die Vertreter der IG Hofherrnweiler/Unterrombach, v.l: Jochen Wörner, Sabine Burr und Martin Stegmaier.

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