Kommentar

Wie blinde Flecken im System eine gute Coronastrategie verhindern

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Tobias Dambacher über den unklaren Blick auf die Pandemielage

Die Behörden in Baden-Württemberg sind nicht in der Lage festzustellen, wie viele Menschen aus einem bestimmten Landkreis sich haben impfen lassen. Der Ostalbkreis erfasst zwar alle Impfungen in seinem Impfzentrum und der mobilen Teams – ob das aber alles Landkreisbewohner sind oder nicht – keine Ahnung! Genauso auch in den Zentralen Impfzentren.

Im Kreistag am Dienstag sagte Volker Grab von den Grünen, man dürfe begangene Fehler zwar nicht ausblenden, müsse diese aber auch nicht unbedingt in den Vordergrund rücken.

Ja, was um alles in der Welt denn dann?!? Das klingt nach "Schwamm drüber", jetzt schauen wir nach vorne und vergessen langsam alles Unangenehme.

Nichts ist in Ordnung. Das Chaos um die fehlenden Impf-Statistiken setzt das Chaos um die Kontaktverfolgung aus dem vergangenen Jahr fort. Dass wir nicht wissen, wie viele Menschen aus dem Ostalbkreis bereits geimpft sind, ist ein Unding! Es wäre vielleicht egal, wenn Impfstoff im Überfluss zur Verfügung stünde. Wann die rund 20 000 über 80-Jährigen im Ostalbkreis geimpft sind, wie viel Impfstoff noch für diese höchste Prioritätsgruppe benötigt wird? Man weiß es nicht!

Das Problem ist: Es wird immer noch nicht ausführlich über die Fehler diskutiert. Es folgt keine systematische Aufarbeitung, sondern Aktionismus. Doch das ist ein Herumdoktern an den Symptomen, nicht an der Ursache. Aus fehlenden, falschen oder ungeeigneten Informationen aufgrund der blinden Flecken im System kann man auch keine passgenaue, funktionierende und zielgerichtete Strategie entwickeln. Sondern man befindet sich weiter im Stadium "Versuch und Irrtum". Das ist nicht unser Anspruch.

Sagen wir also lieber: Man sollte die Erfolge nicht ausblenden, aber auch nicht unbedingt in den Vordergrund rücken. Dafür ist die Lage noch zu ernst.

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