Wie ich an Johnson & Johnson kam

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Katharina Scholz mit Pflaster auf dem Arm und Impfpass in der Hand in Öhringen.

SchwäPo-Redakteurin Katharina Scholz (33) erzählt, wie sie einen Impftermin bekommen hat, was sie im Impfzentrum Öhringen erlebt hat und welche Nebenwirkungen sie gespürt hat.

Aalen/Öhringen

Seit 17. Mai sind Journalistinnen und Journalisten an der Reihe. In Baden-Württemberg dürfen sie sich in den Impfzentren gegen Corona impfen lassen. Wenn sie einen Termin bekommen. Mit viel Hartnäckigkeit und einem kleinen Trick habe ich es geschafft, an den Impfstoff von Johnson & Johnson zu kommen. Das ist meine Geschichte.

Zuerst versuche ich noch zögerlich, ohne großen Plan und ohne große Hoffnung auf der Seite impfterminservice.de zu buchen. Immer wieder schaue ich dort nach, ob in Aalen und Umgebung Termine frei sind. Immer wieder spuckt die Seite dieselbe Antwort aus: „Es wurden keine freien Termine in Ihrer Region gefunden. Bitte probieren Sie es später erneut.“ Einmal warte ich im Auto vor einem Termin und gehe solange am Handy die rund 50 Impfzentren im Land entlang der Postleitzahl durch. Von 68163 Mannheim bis 97980 Bad Mergentheim. Keine Termine. Nirgends.

Das tagelange Suchen wird zu nächtelangem Suchen, als mein Schwager kurz nach Mitternacht einen Termin im Zentralen Impfzentrum in Rot am See buchen kann. Die Theorie: Neue Termine werden dort um Mitternacht eingestellt. In der ersten Nacht versuchen mein Freund und ich es gemeinsam. Auch er ist Journalist. Wir sitzen mit unseren Geräten nebeneinander auf dem Sofa und machen genau dasselbe. Er bekommt zwei Termine für Moderna. Ich nicht. Zumindest ergattere ich einen Vermittlungscode. In den kommenden Nächten denke ich, dass ich damit einen Wettbewerbsvorteil habe gegenüber allen anderen, die mit mir um Termine konkurrieren. Pustekuchen.

Über das Pfingstwochenende fahre ich eine neue Strategie. Ich benutze die Seite impfterminradar.de. Dort ertönt eine Glocke immer dann, wenn irgendwo im Ländle neue Termine eingestellt werden. Das scheint zu funktionieren. Ich bekomme mehrere Vermittlungscodes für mehrere Impfzentren. Das geht nur dann, wenn dort gerade Termine frei sind. Doch bis ich mit dem Code einen Termin buchen will, sind die schon wieder alle weg, egal wo ich es versuche. Einmal bin ich kurz davor, in Ummendorf zu buchen, ohne zu wissen, wo das eigentlich genau ist.

Am Dienstag nach Pfingsten arbeite ich parallel mit einer zweiten Seite, die helfen soll, einen Impftermin zu bekommen: impfterminübersicht.de. Dort leuchten die Impfzentren in der Liste grün auf, wenn Chancen auf einen Termin bestehen. Als Öhringen grün aufleuchtet, klicke ich wieder und wieder darauf. Erfolglos. Das grüne Feld verschwindet. Ich beschließe, es noch ein letztes Mal zu versuchen. Es klappt. Ich bekomme einen Vermittlungscode und kurz darauf einen Termin angeboten. Nur einen Termin. Gleich am darauffolgenden Samstag. Zweittermin nicht notwendig, steht dabei.

Damit ist klar, es geht um Janssen, den Impfstoff von Johnson & Johnson. Will ich das überhaupt? Egal, schnell buchen. Nachdenken kann ich später noch. Kurz darauf kommt die Terminbestätigung per E-Mail. Ich könnte heulen vor Erleichterung. Und vor Erschöpfung.

Später kommen leise Zweifel. Janssen ist ein Vectorimpfstoff wie der von Astrazeneca mit ähnlichen Risiken und Nebenwirkungen. Das sorgt mich gar nicht so sehr, eigentlich gar nicht. Aber Johnson & Johnson kommt nur auf eine Wirksamkeit von 66 Prozent. Das erscheint mir wenig im Vergleich zu den anderen Impfstoffen. Ich lese aber, dass der Impfstoff in der Studie gut vor schweren Verläufen geschützt hat. Ich beschließe, es durchzuziehen.

Beim Aufklärungsgespräch im Impfzentrum Öhringen sagt der Arzt: „66 Prozent sind besser als nichts.“ Recht hat er, finde ich. Außerdem macht er mir Hoffnung, dass ich irgendwann später mit Biontech auffrischen kann. Als wir über das Thrombose-Risiko sprechen, sage ich, dass das Risiko verschwindend gering sei. „Die Autofahrt von Aalen nach Öhringen war wahrscheinlich gefährlicher.“ Der Arzt lacht und fragt scherzhaft, ob ich noch eine Weile bleiben will und an seiner Stelle Aufklärungsgespräche mit den anderen Impflingen führen will.

Als ich keine Fragen mehr habe, geht es weiter zur nächsten Station, dem Impfen. Jetzt da es ernst wird, werde ich doch nervös. Ich muss auf dem Weg abbiegen, weiß nicht genau wohin es geht. Doch dann sehe ich eine Mitarbeiterin, die mich anstrahlt. So sehr, dass ich ihren freundlichen Gesichtsausdruck sogar unter ihrer Maske erkennen kann. Hier bin ich richtig, denke ich. Als sie mir die Spritze setzt, lobt sie mich dafür, dass ich den Arm so schön locker lasse. Ich lobe sie ebenfalls. „Wir sind ein gutes Team“, beschließt sie. Später sehe ich, dass sie mir ein Herz aufs Pflaster gemalt hat.

Den restlichen Tag und nächsten Morgen geht es mir gut. Die Nebenwirkungen setzen am folgenden Nachmittag ein. Zwei Tage liege ich mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen im Bett. Ich beschwere mich nicht. Ich bin geimpft und glücklich darüber.

Was waren Ihre Erfahrungen beim Impfen? Schreiben Sie uns an redaktion@schwaepo.de

Schnell buchen. Nachdenken kann ich später noch.“

Katharina Scholz, SchwäPo-Redakteurin

Ein Impfstoff, der selten zum Einsatz kommt

Janssen kommt selten zum Einsatz. „Im Kreisimpfzentrum des Hohenlohekreises in Öhringen wurde bisher an zwei Tagen (20. und 29. Mai) der Impfstoff Janssen des Herstellers Johnson & Johnson verimpft“, schreibt Pressesprecherin Mathea Weinstock vom Landratsamt Hohenlohe. „Von Seiten des Landes Baden-Württemberg wurden keine weiteren Lieferungen angekündigt.“In Aalen sieht das ähnlich aus. Maximal fünf Dosen Janssen pro Tag werden verimpft, sagt Katharina Oswald vom Landratsamts Ostalb. Mehr Dosen werden auch in Aalen im Moment nicht erwartet.

Impftermine sind derzeit nur sehr schwer zu bekommen. Wie bei allen anderen Impfzentren auch gebe es aktuell sehr wenig Ersttermine, wegen ausbleibenden Impfstoffs, sagt Katharina Oswald vom Landratsamt Ostalb. „Alle Zweittermine können abgedeckt werden.“ Mathea Weinstock geht davon aus, dass in Öhringen kommende Woche 1000 Termine für Erstimpfungen freigeschaltet werden. „Diese sind in der Regel binnen weniger Stunden gebucht.“

Ihren Termin hat SchwäPo-Redakteurin Katharina Scholz über impfterminübersicht.de gefunden.

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