Wie ist das, "Trainspotter" zu sein?

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Zain Nadeem (19) ist Trainspotter. Für sein Hobby fotografiert der Aalener Züge und pflegt eine Art "digitales Sammelalbum" seiner Schnappschüsse.
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 Zain Nadeem aus Aalen ist "Trainspotter". Am Bahnhof blüht er auf, sein Wissen über Züge und deren Verkehr ist verblüffend. Was ist das für ein Hobby?

Aalen. Der Lokführer hupt einmal kurz, als Zain Nadeem am Bahnsteig des Aalener Hauptbahnhofes steht. Nicht etwa, weil er etwas falsch gemacht hat. "Den kenn' ich!", klärt er auf und strahlt: "Da freut man sich doch." Der 19-Jährige ist "Trainspotter", interessiert sich für Züge und deren Verkehr. Sein Wissen zur Materie? Verblüffend. Doch wie kommt man zu diesem Hobby? Und was macht den Reiz daran aus?

"Ich musste mir schon von vielen anhören, dass ich ein schräges Hobby habe", gesteht der Aalener. Züge fotografieren? Warum sollte man das tun? "Ich kann mich dabei total entspannen. Ich komme dabei zur Ruhe." Sich nur auf das perfekte Foto konzentrieren. Das Zugmodell, das in der digitalen Sammlung noch fehlt, ablichten. "Da kann ich kurz einmal alles um mich herum vergessen", schwärmt Zain. Er pflegt eine kleine Liste mit Zügen, die er noch fotografieren möchte. Da muss es manchmal auch schnell gehen: "Wenn ich einen seltenen Zug sehe, renne ich auch mal dort hin und fotografiere ihn."

Der Flirt 3 ist der Favorit

Durch Zufall und über einen Freund, der ebenfalls Trainspotter ist, rutschte Zain in die Szene hinein. "Freiwillig hätte ich das gar nicht gemacht", sagt er. Ursprünglich interessierte er sich für Flugzeuge, was sich wegen der Entfernung zum Stuttgarter Flughafen teilweise schwierig gestaltet hat. "Jetzt habe ich mich auf Passagierzüge spezialisiert." Sein Favorit? Der "Flirt 3", der durch Go-Ahead auch auf der Remsbahn unterwegs ist. Jahrelang pendelte er mit diesem Modell. "Wenn man drei Jahre mit dem gleichen Fahrzeug fährt, baut man schon eine Bindung auf."

Auf Instagram nennt sich Zain @remsspotter, teilt dort seine Schnappschüsse mit seiner Followerschaft. Knapp 130 Beiträge hat er dort schon veröffentlicht. "Tatsächlich fotografiert habe ich wahrscheinlich das zwei- bis dreifache", merkt er an.

Wissbegierig und hilfsbereit

Durch sein Hobby lernt der Aalener auch die Fahrpläne immer besser kennen. "Mich interessiert dann auch, wo hin die Züge fahren. In welche Region, wie diese besiedelt ist", erklärt er, "ich will auch etwas daraus lernen und kenne jetzt Städte, die kannte ich davor nicht". Durch sein Wissen habe er auch schon so manchem Reisenden geholfen. "Ich sehe es den Leuten am Blick an, ob sie wissen, wo sie hinmüssen. Manchmal frage ich dann, ob ich helfen kann." Oft bleibe es nicht nur bei einer Person, die einen Tipp braucht. "Ich wurde auch schon regelrecht überrannt. Manchmal fühle ich mich fast, wie ein ehrenamtlicher Mitarbeiter", scherzt der 19-Jährige, "ich wollte mir das alles eigentlich gar nicht merken. Aber irgendwie bin ich da reingeraten".

Mittlerweile ist Zain auch beim Bahnpersonal kein Unbekannter mehr. Etwa bei Ticketkontrollen. "Ich zeige meine Fahrkarte natürlich auch immer", betont er. Als Antwort kriege er aber nicht selten etwas wie "schon gut, wir kennen uns doch" zu hören. Gibt es einen Fahrerwechsel, schaut er, wer aus dem Führerhaus aussteigt. Nicht ausgeschlossen, dass Fahrer und Zain sich kennen - und sich dann erst einmal über den Tag des jeweils anderen austauschen. "Es ist eine Community, man vernetzt sich. Die Menschen sind auch ein Grund, warum ich das mache."

Trotz seines Hobbys nickt Zain nicht alles wohlwollend ab, was mit der Bahn zu tun hat. "Ich bin sehr bahnkritisch", sagt er. Er sei als Pendler auf den öffentlichen Verkehr angewiesen und merke täglich, wie schnell die Tagesplanung den Bach hinunter geht, wenn die einzelnen Verbindungen zeitlich schlecht abgestimmt sind. "Wenn es blöd läuft, versaut mir das den ganzen Tag." Dann verfliege bei ihm auch die Gelassenheit, die er durch sein Hobby gewinnen kann. "Wie soll man entspannt sein, wenn man dabei ist, seinen Anschluss zu verpassen?" Was er sich wünscht? Mehr Zuverlässigkeit und eine bessere Kommunikation, sollte mal etwas schiefgehen. Aber wenn nichts schief geht: "Einfach seinem Hobby nachgehen - was gibt es schöneres?"

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