Wie Litauen energietechnisch unabhängig wurde

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MdB Roderich Kiesewetter hat Litauen besucht. Foto: privat

Was MdB Kiesewetter über die vorausschauende Vorgehensweise gegenüber Russland erfuhr.

Aalen. Roderich Kiesewetter, Mitglied des Deutschen Bundestages, hat als Obmann im Auswärtigen Ausschuss Litauen besucht, um den Austausch mit diesem wichtigen Partner Deutschlands zu fördern.

Neben dem Besuch der in Rukla stationierten deutschen Soldatinnen und Soldaten standen Gespräche mit den Vize-Außen- und Verteidigungsministern, Parlamentariern aus dem Ausschuss für Außenpolitik und für Verteidigung und Nationale Sicherheit der litauischen Seimas, dem deutschen Botschafter Matthias Sonn und Wissenschaftlern wie Linas Kojala, Direktor des Eastern Europe Studies Center und Dr. Margarita Šešelgyte, der Leiterin des Instituts für die Internationale Beziehungen, auf dem Programm.

„Von Litauen kann man sehr viel lernen. So hat das Land schon sehr früh vor der Sicherheitsbedrohung durch Russland und der hybriden Einflussnahme gewarnt“, sagt Kieswetter. Litauen sei bis 2014 zu 100 Prozent abhängig von russischem Gas gewesen, habe aber schon lange vor Deutschland nach Alternativen gesucht, da dort früh erkannt worden sei, dass Russland Energie als Waffe und Druckmittel einsetze. „Das Land hat angesichts der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim und der Destabilisierung der Ostukraine rund 100 Millionen Euro investiert, um sich energiepolitisch unabhängig zu machen und eine schwimmende LNG-Plattform im Hafen von Klaipeda geschaffen“, berichtet der Abgeordnete. Die Flüssiggasanlage trug dazu bei, dass Litauen mittlerweile vollständig von russischem Gas unabhängig ist. „Hochspannend“ sei ein Besuch des NATO Energy Security Centre of Excellence in Vilnius gewesen, das sich mit strategischen Fragen der Energiesicherheit befasse.

Wichtig sei es ihm gewesen, über die Bedrohungswahr-nehmung in Litauen zu sprechen, so Kiesewetter. Im Gespräch mit der Wissenschaftlerin Dr. Margarita Šešelgyte und Kestutis Budrys, dem Chefberater für die nationale Sicherheit des Präsidenten, sei es um die deutschen Maßnahmen zur Unterstützung der Ukraine gegangen. „Hier wünschen sich die litauischen Partner ein engagierteres und glaubwürdigeres Vorgehen Deutschlands und erhoffen sich wesentlich mehr weitreichende Waffen und Panzerlieferungen.“ Die Zögerlichkeit sei aus litauischer Sicht eine Belastungsprobe für das Vertrauen.

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