Frage der Woche

Wie sehen Sie die derzeitige Debatte um das Winnetou-Buch für Erstleser?

+
Frage der Woche
  • schließen

In Deutschland wird zur Zeit heftig diskutiert, ob der Ravensburger Verlag richtig gehandelt hat. Er hat nach scharfer Kritik ein Kinderbuch zum neuen Kinofilm „Der junge Winnetou“ zurückgezogen. Wie sehen Sie das?

Alexandra Girod (33) Naturwissenschaftlerin aus Aalen

„Versteckten Rassismus gibt es überall. Es ist schwer, Literatur zu schreiben, die frei von Vorwürfen jeglicher Art ist. Irgendjemand kann sich immer angegriffen fühlen. Jeder sollte seine Meinung äußern dürfen, aber immer mit Respekt und Toleranz. Bei solchen Büchern ist es wichtig, dass Eltern den Kindern helfen, das einzuordnen.“

Alexandra Girod

Paula Hassler (65) Rentnerin aus Großkuchen

„Ich hab' das Buch nicht gelesen, kann mir aber nicht vorstellen, dass das wirklich rassistisch ist. Die Leute regen sich inzwischen doch über alles auf. Das Buch jetzt wieder aus dem Handel zu nehmen, halte ich für unnötig. Schließlich hat sich das eine Jury vor der Veröffentlichung genau angesehen. Ich schau' heute noch gerne Winnetou.“

Paula Hassler

Dominik Scherer (41) Ingenieur aus Aalen

„Der Rassismusvorwurf ist immer ein Totschlagargument. Da knickt auch ein Verlag ein. Es ist schade, dass das nicht sachlich diskutiert wird. Der Verlag könnte vorne ins Buch eine Reflexion dazu reinmachen und sich der Diskussion stellen. Ich schau' weiterhin gerne die Winnetoufilme. Die Werte, die dort vermittelt werden, sind grundsätzlich gut.“

Dominik Scherer

Matthias Blumenschein (40) Erzieher aus Aalen

„Das ist ein sensibles Thema. Von der einen Seite her, muss man den Urtext würdigen, aber auch kritisch würdigen und hinterfragen, welche Bedeutung das damals gewählte Wort heute hat. Heute ist man ja achtsamer. Gewisse alte Formulierungen sollten nicht mehr verwendet werden. Den Rückzug der Produkte seh' ich mit Respekt. Das ist konsequentes Handeln.“

Matthias Blumenschein

Laurin Schlotterer (17) Schüler aus Aalen

„Ich hab's selbst nicht gelesen, aber ich hätte es nicht wieder aus dem Programm genommen. Es sind sicherlich stereotype Sachen drin. Sowas muss dann eben als Kommentar vom Verlag vorne im Buch erklärt werden. Dass diese Stereotypen nicht der Wahrheit entsprechen, sondern dass das rein fiktional ist. Der Verlag muss sich da wohl dem Druck der Branche beugen, um größere finanzielle Verluste zu vermeiden.“

Laurin Schlotterer
Laurin Schlotterer
Paula Hassler
Matthias Blumenschein
Dominik Scherer

Zurück zur Übersicht: Aalen

Kommentare