Wie steht's um WM-Public-Viewing in Aalen? 

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Public Viewing Foto: opo; Nomad_Soul, Kzenon – stock.adobe.com
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Public Viewing in Aalener Kneipen: Die Meinungen über das Turnier zu dieser Jahreszeit gehen auseinander. Trotzdem wollen einige Gastronomen die Spiele zeigen.

Aalen. Nächsten Sonntag ist es soweit: Die Fußballweltmeisterschaft in Katar beginnt. Wie schaut's eigentlich mit Public Viewing in Aalen aus? Oder dem gemeinsamen WM-Fußball schauen in Kneipen? Eine Umfrage in der Aalener Gastronomie zeigt geteiltes Echo, aber eine einheitliche Meinung: WM-Fieber und Weihnachtszeit – das passt nur schwer zueinander.

Der klassische Public-Viewing-Ort für viele Menschen war die Alte Schmiede der Firma Strobel in Wasseralfingen. Die steht diesmal aber definitiv nicht zur Verfügung. „Das ist unser Lager, es steht komplett voll mit Ware und Autos“, sagt eine Firmensprecherin. Was hinzu kommt: „Zu dieser Jahreszeit geht Public Viewing dort gar nicht wegen der Temperaturen. Das Ganze ist wie ein Kühlschrank – viel zu kalt.“

Die Stadtverwaltung oder der Innenstadtmarketingverein ACA werden definitiv kein Public Viewing veranstalten. Laut Pressesprecherin Karin Haisch gab es eine städtische Großveranstaltung dieser Art nur ein einziges Mal, vor dem Rathaus im Jahr 2006, „aber nur deshalb, weil die WM damals in Deutschland war“.

Rote Karte für die WM

Jakob Rave vom „Rambazamba“ und Café Dannenmann kündigt an: „Wir werden die WM komplett boykottieren.“ Also kein Fernseher, keine Leinwand, und zwar ganz entschieden „aus moralischen und sportlichen Gründen“. Auch wirtschaftlich mache ein Public Viewing für die Gastronomen „wenig Sinn“, so Rave, denn „Fußball-WM im Winter, bei Glühwein, das passt einfach nicht“.

Entschieden: Wir sind dabei

Anders sieht es Kim Donuto, Inhaberin der „Helfer“-Bar in der Helferstraße. Donuto: „Wir sind auf jeden Fall dabei. Ob wir Fernseher aufstellen oder was Größeres, das überlegen wir gerade.“ Man müsse sich noch über die genauen Übertragungszeiten informieren, aber fest steht: Zusätzliche Öffnungszeiten werde das „Helfer“ während der WM nicht anbieten. Skrupel hat sie keine: Die Entscheidung für die WM in Katar sei nun einmal gefallen, warum denn kein gemeinsames Fußballschauen in der Kneipe?

Ähnlich entschieden ist man im „Podium“. „Wir machen immer was bei großen Turnieren – und diesmal auch“, verspricht Asya Sarikaya. Die Planung stehe zwar noch nicht bis ins Detail, aber der Gastro-Betrieb werde eine Leinwand aufstellen und draußen aufstuhlen.

Im „Kornstadl“ ist Fußball schauen das ganze Jahr über Programm, auch zu Nicht-Turnier-Zeiten, und das soll auch während der WM so bleiben. „Im ersten Stock haben wir eine Leinwand und im Erdgeschoss drei Fernseher. Alles, was läuft, wenn wir offen haben, wird bei uns auch übertragen“, verspricht Wirtin Natascha Tierno. Wenn die deutsche Mannschaft beispielsweise vor dem regulären Öffnungsbeginn des Kornstadl um 15 Uhr spiele, „würden wir uns überlegen, auch früher zu öffnen“.

Auch in der „Wilhelmshöhe“ will man den Gästen ermöglichen, die WM-Spiele bei einem kühlen Getränk in geselliger Atmosphäre in der Almhütte zu schauen. Wirt Pancho kündigt an: „Wir übertragen alle Spiele auf zwei Leinwände.“

Dorian Haas vom Fitnessstudio Vita Sports setzt hinter die Übertragung ebenfalls kein Fragezeichen. „Im Trainingsbereich haben wir ohnehin schon Fernseher, in unserer Sportsbar zeigen wir sowieso Bundesliga- und Champions-League-Spiele. Im Gastro-Bereich lassen wir dann während der WM die große Leinwand runter“, so Haas.

Echtes Fußballfieber fehlt noch

November - „das ist ein unglücklicher Zeitpunkt für eine WM“, findet „Eichenhof“-Chef Michael Wiedenhöfer. WM oder EM, das sei schön im Sommer, „wenn man zusammen draußen sitzen und die Spiele schauen kann“. Es fehle die Stimmung, zudem sei es auch die Zeit der Weihnachtsfeiern. Trotzdem will Wiedenhöfer als bekennender Fußballfan nicht ganz ausschließen, dass er im Laufe des Turniers doch noch einen Fernseher in seinem Restaurant aufstellt. „Das hängt ab von der Zahl der Reservierungen und ob die Gäste überhaupt schauen wollen.“

Anders sieht es in der Havanna-Bar in der Helferstraße aus, die Wiedenhöfer ebenfalls betreibt. „Da werden wir Fußball zeigen, aber nicht außerhalb unserer regulären Öffnungszeiten.“

Vergleichbar ist die Stimmung im „Alten Hobel“ nebenan. Man stelle zwar Fernseher auf in beiden Stockwerken, größeren Aufwand werde man aber diesmal definitiv nicht betreiben, erklärt Benjamin Landes. „Das WM-Feeling ist nicht so da, es ist Weihnachtsmarktzeit, da haben die Leute anderes im Kopf.“

Ob die Gäste im SSV-Heim im Rohrwang WM-Fußballspiele zu sehen bekommen, macht Pächter Oliver Hannig von einer Nachricht der GEMA abhängig. „Wir zeigen ja schon Fußballspiele auf Sky, und dafür zahlen wir schon Gebühren. Wenn wir jetzt nichts extra zahlen müssen, dann zeigen wir auch das Turnier“, sagt er.

Er hat die GEMA diesbezüglich angeschrieben, wartet aber noch auf eine Antwort. Hannig: „Leinwand und Fernseher sind vorhanden und installiert, das ist für uns ansonsten kein Aufwand.“

Gastronomen zahlen Gebühren beim Public Viewing

Aalen. 64 Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft laufen ab 20. November bis 18. Dezember. 48 davon werden auf ARD und ZDF übertragen. Dazu gehören alle Deutschland-Spiele, das Eröffnungsspiel, die Halbfinals sowie das Finale. Der Streaming-Anbieter Magenta-TV zeigt alle WM-Spiele, 16 Spiele laufen dort exklusiv, darunter zwei Achtelfinals und ein Viertelfinale.

Einsatz des deutschen Teams: Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft in Gruppe E sind am: 23. November, 14 Uhr: gegen Japan, 27. November, 20 Uhr: gegen Spanien,1. Dezember, 20 Uhr: gegen Costa Rica.

Public Viewing kostet: Gastronomen zahlen Gebühren bei der GEMA und bei anderen Verwertungsgesellschaften, wenn sie Fußballspiele im Fernsehen zeigen, denn dabei wird auch Musik wie der WM-Song gespielt.

Spezielle Tarife: Zur WM gibt es einen Sondertarif, informiert Pressesprecher Daniel Ohl vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Baden-Württemberg. Die Gebühr ist abhängig von der jeweiligen Größe der Gaststätte. Wirte mit einer Kneipe bis 200 Quadratmeter zahlen während der gesamten WM 92,24 Euro, bis 400 Quadratmeter 184,49, je weitere 100 Quadratmeter 46,14 Euro, wenn sie noch keinen GEMA-Vertrag haben. Dehoga-Mitglieder bekommen 20 Prozent Rabatt bei der GEMA, erklärt Daniel Ohl. Und: Bei der FIFA müssen Wirte für diese TV-Übertragungen keine Gebühr zahlen, wenn sie keine gewerbliche Veranstaltung mit Eintritt daraus machen. ⋌jul

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