Wie werden wir klimaneutral?

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Prof. Radermacher im Online-Gespräch über Klimaziele, Gesetze und die Frage, ob man wirklich alles haben muss.

Aalen. Bis 2050 den weltweiten CO2-Ausstoß auf ein Minimum reduzieren? Für Prof. Franz Josef Radermacher, Mitglied des renommierten Club of Rome und Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung, ist das unrealistisch. Welche Prognosen er hat und welche Innovationen für ihn sinnvoll sind, diskutierte er im öffentlichen Online-Gespräch mit Daniela Dorrer, zuständig bei der Stadt Aalen für kommunale Entwicklungspolitik.

Vorhandene Technologien nicht verwerfen, sondern sinnvoll weiterentwickeln. Das ist eine der Ideen, die laut Radermacher zielführend in Sachen Klimaschutz sind. Dahinter steckt unter anderem die Mehrfachnutzung des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid. Dieses könne man mit Wasserstoff binden, um Methanol zu erhalten. Im Prinzip „ein flüssiger Kraftstoff, den man nutzen kann wie Benzin“, ergänzt Dorrer. Dieser könne dann zum Beispiel Fahrzeuge antreiben oder zum Heizen benutzt werden. Dabei könne bereits vorhandene Infrastruktur zum Tragen kommen. Wenn sie entsprechend angepasst wird. Denn: „Macht es mehr Sinn, Altbauten teuer zu dämmen oder sie mit Methanol zu heizen?“, fragt Dorrer. Für Radermacher ist eine intensivere Nutzung der Infrastruktur sinnvoller.

Dennoch schaffe die Nutzung von Methanol das CO2 nicht aus der Welt. „Weltweit haben wir im Moment einen Ausstoß von 36 Gigatonnen CO2 pro Jahr“, erklärt Dorrer. Das sind 36 Milliarden Tonnen. Ziel sei es, den globalen Ausstoß jährlich auf zehn Gigatonnen zu reduzieren. Was zu viel ausgestoßen wird, müsse gebunden werden. Zum Beispiel durch die Methanolnutzung.

Klimaneutral bis 2050?

„Ich persönlich glaube, dass wir auf der Welt frühestens 2070 klimaneutral sind“, sagt Radermacher. Denn während Industriestaaten derzeit bemüht sind, Emissionen zu reduzieren, steigt der CO2-Ausstoß in Entwicklungs- und Schwellenländern. „China ist der größte Emittent weltweit“, sagt Dorrer. Das sei aber kein Wunder, denn China ist „die Fabrik der Welt“. Aber statt Ländern wie China Vorschriften in Sachen Emissionen zu machen, solle man diese Länder dabei unterstützen, ihren Wohlstand zu steigern, ohne noch mehr Kohlendioxid auszustoßen.

Radermacher sei kein Mensch, der Konsum verteufele. „Er stellt eher die Frage: Wann haben wir genug?“, sagt Dorrer. Denn auch in Sachen Konsum könnten Industriestaaten Entwicklungs- und Schwellenländern nur schwer Vorschriften machen, beziehungsweise sie zum Verzicht bewegen. Die Wohlstandssteigerung dort ist für Radermacher legitim. Stattdessen solle man die Frage stellen, ob man wirklich alles haben muss.Erik Roth

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