Wohlfühloase für Menschen mit Demenz

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Blick aus dem Neubau auf den Neubau: Geschäftsführer Bernd Winkler ist überzeugt, dass der Um- und Neubau der Villa Rosenstein trotz Corona zeitnah fertiggestellt werden kann.

Der Um- und Neubau der Villa Rosenstein in Heubach schreitet voran. Mit welchen neuen therapeutischen Maßnahmen dort zukünftig gearbeitet werden soll.

Heubach

Der Rosenstein thront über allem. Die Burgruine wacht über der Villa Rosenstein, dem "Fachzentrum für Menschen mit Demenz", für dessen Erweiterungsbau demnächst die Eröffnungsfeier geplant ist. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir im Zeitplan bleiben", so Geschäftsführer Bernd Winkler. Er ist überzeugt, trotz coronabedingter Verzögerungen den Zeitplan einhalten zu können.

Der Neubau orientiert sich therapeutisch an der Erkenntnis, wonach bei dementen Menschen insbesondere die Emotionen angesprochen werden sollten. In Heubach geschieht dies künftig einerseits durch Düfte, andererseits durch Licht. Die Räume werden beduftet und über "Lichtduschen" illuminiert. In der Gemeinschaftsküche sind diese Lichtduschen beispielsweise großflächig in die Decke eingelassen. "Verschiedene Lichtfarben beeinflusse das Wohlgefühl der Bewohner", sagt Winker. Diese "emotionalen Räume" seien im gesamten Haus verteilt wie Oasen. Steige das Wohlgefühl der Bewohner, könne man in vielen Fällen auf Medikamente verzichten.

Das Licht sieht man, der Duft, mit dem gearbeitet wird, liege unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Das habe gleichzeitig den Effekt, dass gegebenenfalls schlechte Gerüche überdeckt werden: "Störende Düfte sind schon nicht mehr wahrnehmbar", stellt Bernd Winkler fest, nachdem im Altbau, er nennt ihn "Bestandsbau", die Beduftung bereits vor mehreren Wochen aufgenommen worden sei. Diesem werde noch ein antivirale Note beigemischt, die die Virusbelastung senke: "Wir gehen hier bewusst neue Wege, es gibt vielversprechende Berichte von Heimen in der Schweiz, die aktuell mit dieser innovativen Beduftung arbeiten."

Der Neubau werde ein großzügiges Platzangebot anbieten, sagt Bernd Winkler. So gebe es zum Beispiel keine verschlossenen Türen, denn demente Menschen sollten nicht in ihren Zimmern bleiben. Blieben sie allein, bestünde die Gefahr von Depressionen. So schlössen sie sich häufig zu Gruppen zusammen, in denen Defizite individuell ausgeglichen werden.

Mit Fertigstellung des Anbaus verfügt das Demenzzentrum über Platz für 90 Bewohner, von denen aus therapeutischen Gründen 16 in Doppelzimmern untergebracht werden. Die Landesheimbauverordnung von 2014 sieht zwar eine Unterbringung in Einzelzimmern vor, aber Bernd Winkler freut sich, dass er hier mit einer Sondergenehmigung arbeiten darf. "Für demente Menschen sind Einzelzimmer wenig heilsam", sagte er.

Wir gehen hier bewusst neue Wege.

Bernd Winkler Geschäftsführer

Rund sieben Millionen Euro werden in Um- und Neubau dieser Einrichtung investiert, die nach Angaben Winklers als einzige in Baden-Württemberg ausschließlich demente Menschen betreut. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal des Zentrums in Heubach, das dazu auf kurze Wege ausgerichtet ist. Zum Beispiel mit einer eigenen hochmodernen Wäscherei mit diversen Schleusen für Schmutzwäsche und saubere Wäsche. Das habe auch einen hygienischen Faktor, erklärt Bernd Winkler, denn bisher musste die Schmutzwäsche gelagert werden, bis sie von der Wäscherei abgeholt wurde.

Simulierte Sonnenaufgänge

Die im Anbau realisierten Erlebniswelten bieten eine Kombination aus realer und virtueller Welt. Mit dem Licht beispielsweise kann man Jahreszeiten nachstellen, ebenso Sonnenaufgang und Sonnenuntergang vortäuschen. Es gibt auch ein virtuelles Zugabteil, in dem Zugstrecken simuliert werden können. Wenn in seinem Arbeitsleben ein Heimbewohner täglich von Böbingen nach Stuttgart fuhr, kann er mit seinen Angehörigen diese Fahrt nun erneut unternehmen und dabei auf markante Punkte aufmerksam gemacht werden. Denn an lang zurückliegende Ereignisse erinnert sich ein an Demenz erkrankter Mensch häufig noch. Man hat sich hier an der Schweiz orientiert, Winkler weiß, dass dort in der Gesellschaft die Betreuung viel höher eingeschätzt wird als in Deutschland.

"Die Zahl der Dementen wird immer jünger. Es gibt schon 50- und 60-Jährige, die einen Platz suchen." Der demografische Wandel beginne gerade erst, sagt Winkler. Es kämen hier auch auf die Politik große Aufgaben zu. In der Villa Rosenstein hingegen freuen sich Bewohner und Mitarbeiter auf das Neugeschaffene innovative und richtungsweisende Lebensumfeld mit den "virtuellen Therapieräumen".

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