Zünftiges Almgefühl in Tauchenweiler

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Hier bedient die Chefin Marina Juric persönlich.
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Marina Juric ist seit einem Jahr die Chefin im beliebten Ausflugslokal auf knapp 700 Höhenmetern auf der Alb. Und mit Herz am Herd steht Küchenmeister Jens Müller.

Essingen-Tauchenweiler

Wie wenig man doch zum Glücklichsein braucht. Für den einen tut's ein deftiger Flammkuchen im Liegestuhl. Für den anderen ein herzhafter Wildschweinburger im Schatten uralter Kastanien. Für ein zünftiges Almhüttengefühl inmitten ursprünglicher Natur muss man nicht weit fahren. Nur etwa eine halbe E-Bike-Radelstunde von Aalen entfernt liegt das Ausflugslokal Tauchenweiler auf knapp 700 Höhenmetern auf der Alb.

Obwohl die Chefin mit ihrer kleinen Familie erst vor sechs Jahren von der meeresblauen und sonnigen Küste Dalmatiens nach Aalen gezogen ist, weiß sie: Eine Alm und Siezen - das geht gar nicht. „Ich bin Marina“, stellt sich die 34-Jährige vor und zaubert für den Gast zur Begrüßung einen leckeren Tauchenweiler Spritz mit Prosecco, Holundersirup, Soda, und vielen frischen Beeren und Rosmarin ins Glas.

Ursprünglich nach Kanada

Seit einem Jahr ist Marina Juric Pächterin des beliebten Ausflugslokals auf Essinger Gemarkung. Eigentlich, erzählt sie, die einen Bachelorabschluss in Finanzwesen in der Tasche hat - eigentlich wollten ihr Mann und sie ursprünglich nach Kanada auswandern. Doch dann war's zur Verwandtschaft in Aalen näher. Genau gesagt, um ganze rund 5000 Kilometer.

„Jetzt ist es für mich ein Märchen, aber am Anfang war's ein kleiner Alptraum“, sagt Marina und zieht an ihrem Strohhalm. In Aalen angekommen, konnte sie kein Wort Deutsch, verdiente sich als Putzhilfe im Aalener Café Podium ein paar Euro. Steffi Winter, die Chefin, habe aber von Anbeginn an Potenzial in ihr gesehen. „Das werde ich ihr nie vergessen“, erzählt Marina, die die Ausflugsgaststätte vier Jahre lang als Betriebsleiterin führte, bevor sie vor einem Jahr selbst die Pacht übernahm.

Durch die Küchentür gespickt

Gerade drückt ihr eine Spaziergängerin im Vorbeigehen spontan einen selbst gepflückten Wiesenblumenstrauß in die Hand. „Die Gäste lieben Marina und ihre aufgeschlossene Art“, sagt Anja Gottwald. Die 54-jährige Essingerin geht gemeinsam mit ihrem Lebensgefährtin Dirk Brosi der Tauchenweiler-Wirtin in der Freizeit zur Hand, so oft es geht. „Weil die Arbeit in diesem Team einfach Spaß macht.“

Die Tür zur Küche steht hier oben immer offen. Küchenmeister Jens Müller wirbelt an Herd und Backofen und hat für die Gäste, die neugierig die Schwelle übertreten, immer einen lockeren Spruch auf Lager. Seine täglich frisch gebackenen Kuchen und sein knuspriges Sauerteigbrot sind der Renner.

Küchentipps am offenen Fenster

„Auf unsere Tageskarte kommt, was nicht unbedingt gängig ist“, sagt Müller, der vielen Gästen als früherer Betreiber der TSV-Gaststätte Essingen gut bekannt ist. Mal sind das schmackige Griabaschneckla, mal gebratene Leber an Knoblauch und Kräutern oder Cevapcici mit Gemüsereis - und im Winter Ente oder Fondue. Und immer mal wieder kommt auch der Barbecue-Smoker zum Einsatz. „Wir gehen auch auf spezielle Wünsche ein. Jeder kommt hier auf seine Kosten“, plaudert der Chefkoch weiter, der interessierten Gästen durchs offene Fenster gerne ein paar Küchentipps verrät.

Ach, übrigens: Das Wildbret im beliebten Wildschweinburger stammt aus der regionalen Jagd. „Die Patties werden in einer Göppinger Metzgerei zubereitet, mit der unser Verpächter, der hier oben eine Jagd betreibt, zuammenarbeitet“, verrät Jens Müller.

Derweil genießen Anja Gottwald und Dirk Brosi gemeinsam mit Helmut und Sonja Präger draußen unter den Linden bei einem Glas Prosecco die goldene Abendsonne. Auch familiäre Bande sind es, die die Prägers aus Essingen regelmäßig hierhoch führen. „Mein Onkel, den alle nur Fuzzi nannten, stand hier jahrzehntelang hinter der Theke“, erzählt Sonja Präger zwischen zwei Bissen Flammkuchen. Und 16 Jahre lang, bis 2016, habe ihr Cousin Siegfried Kern hier oben Wanderer, Stammtischler und anderes lustiges Volk bewirtet.

Morgen soll es wieder regnen. Wie so oft in diesem Sommer. „Wir machen trotzdem auf“, sagt Anja Gottwald, während die Sonne hinter dem Wald verschwindet.

Was die Gäste wissen müssen

Besonders beliebt: „Unsere Auswahl auf der Hauptkarte ist so festgelegt, dass alle Gerichte drauf sind, die hier ein Schlager sind“, sagt Küchenmeister Jens Müller.

Das Schmankerl: das Essinger Schnitzel. Auch wenn es nicht explizit auf der Speisekarte steht, bereitet es der Chefkoch auf Nachfrage gerne zu.

Das teuerste Gericht: Schwäbischer Zwiebelrostbraten (250 Gramm) mit selbst gebratenen Zwiebeln, Spätzle und Salat zu 20,90 Euro.

Das günstigste warme Gericht: ein Paar frische grobe Bratwürste mit Brot und Senf zu 7.20 Euro.

Das günstigste kalte Gericht: frisch gebackenes Brot mit hausgemachtem Griebenschmalz zu 5,50 Euro.

Sitzplätze: innen 90, außen über 300 an den Bänken unter den alten Kastanien, an den Bierbänken auf der Stirnseite des Hauses und auf der Wiese.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 11.30 bis 20 Uhr, Montag und Dienstag Ruhetag.

Jens Müller ist der Meister am Herd.
Nicht nur was für Vegetarier: ein Flammkuchen ohne Speck.
Der Wildschweinburger ist der Schlager.
Der Wildschweinburger ist der Schlager.
Jens Müller ist der Meister am Herd.
Ein Blick in die gemütliche Gaststube.
Jens Müller ist der Meister am Herd.
In der Gaststube erkennt man schnell: der Verpächter ist Jäger.
In der Gaststube erkennt man schnell: der Verpächter ist Jäger.
Gemütlich ist es in der Gaststube.
Für Sonnenanbeter gibt es auch Liegestühle.
Die Tochter der Wirtin (r.) kann mit ihren Freundinnen hier oben auf der Alb unbeschwerte Momente verbringen.
Gemütlicher Platz unter den Linden für Gäste, die zum Haus gehören: Dirk Brosi und Anja Gottwald (rechts im Bild) unterstützen das Tauchenweiler-Team gerne in ihrer Freizeit. Helmut und Sonja Präger (links) aus Essingen genießen die Abendsonne bei einem
Chefin Marina Juric (r.) am Zapfhahn. Jennifer Berger (l.) nimmt die Bestellungen auf.

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