Geistliches Wort in der Corona-Krise

Zuwendung braucht Augenhöhe

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Pfarrer Martin Schuster

Zum Martinstag fand ich das Gedicht "Nachruf" von Ilse Aichinger: "Gib mir den Mantel, Martin/ Aber geh erst vom Sattel / und lass dein Schwert, wo es ist, gib mir den ganzen." Spannend, dassAichinger, deren Todestag sich zum vierten Mal jährt, zu dem vorbildhaften Verhalten des späteren Bischofs von Tours eine kritische Haltung einnimmt.

Zum Martinstag fand ich das Gedicht "Nachruf" von Ilse Aichinger: "Gib mir den Mantel, Martin/ Aber geh erst vom Sattel / und lass dein Schwert, wo es ist, gib mir den ganzen." Spannend, dassAichinger, deren Todestag sich zum vierten Mal jährt, zu dem vorbildhaften Verhalten des späteren Bischofs von Tours eine kritische Haltung einnimmt. Sie erkennt in der Geste des Mantelteilens vom Pferd aus ein Beharren in den hierarchischen Verhältnissen: der Offizier oben, der Bettler unten. Es geht nicht um Almosen, es geht um Zuwendung. Zuwendung braucht Augenhöhe. "Lass dein Schwert, wo es ist" erinnert an die Anweisung Jesu bei seiner Verhaftung in Gethsemane, auf gewaltsamen Widerstand zu verzichten. Diesen Christus erlebt Martin später im Traum und erkennt an ihm das Stück Mantel, das er dem Bettler gegeben hatte. Ilse Aichingers Gedicht lese ich als Aufforderung, in jedem Menschen einen zu erkennen, dem ein ganzer Mantel gebührt. Pfarrer Martin Schuster, Ellwangen

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