Adventskalender, die 15. Tür

Zwischen Hoffnung und Sorge

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Aalen. Meine Mutter ist dieses Jahr gestorben. Ein paar Monate vorher hatte sie schon ihre Wohnung verlassen, da es zuhause nicht mehr ging. So mussten wir Kinder diese ausräumen.

Aalen. Meine Mutter ist dieses Jahr gestorben. Ein paar Monate vorher hatte sie schon ihre Wohnung verlassen, da es zuhause nicht mehr ging. So mussten wir Kinder diese ausräumen. Jeder, der das schon gemacht hat, kennt, was das bedeutet. Es ist Begegnung mit der Geschichte der Eltern und der ganzen Familie. Unter all den Dingen war auch eine Feldpostkarte meines Großvaters (Jahrgang 1892) vom Oktober 1915 an seine Mutter. Da schreibt er, dass dieser Krieg nun schon über ein Jahr dauere und dass es nun endlich Zeit sei, dass dieser zu Ende ginge. In diesen Tagen der Corona Pandemie kommt mir dies immer wieder in den Sinn. Ungeduldig wie er damals warte ich darauf, dass der Spuk endlich vorbei sei, und weiß doch nicht, was da alles auf noch auf uns zukommen wird. Werden die Nachgeborenen einmal sagen, dass wir naiv in unserer Hoffnung waren, oder dass wir uns zu viel Sorgen gemacht haben? Wir können es nicht wissen. Das eine aber haben wir einmal wieder gelernt, dass wir die Zukunft weder kennen noch in der Hand halten.

Pfarrer Wolfgang Sedlmeier, Aalen

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