Agrar-Politprominenz auf Stippvisite

"Einen Tag der Hoffnung für die Landwirtschaft" nannte der ehemalige Präsident des Landesbauernverbandes, Carl Dobler, seinen Besuch, der ihn gestern zusammen mit seinen einstigen Mitstreitern in der Politik Georg Gallus, Honor Funk, Otto Müller sowie Karl Erdrich und Wilhelm Pflanz auf den Hof von Markus Feldwieser in Oberdorf führte.

Bopfingen-Oberdorf Das war eine Überraschung für Senior Werner Feldwieser und seinen Sohn Markus als gestern, spät am Nachmittag, die einstige "Landwirtschaftliche Politprominenz" mit dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes, Wilhelm Pflanz, auf dem landwirtschaftlichen Anwesen in Oberdorf auftauchte. Die Freude über das Wiedersehen war groß, kannte man sich von manchem Besuch der Ipfmesse. Besonders Staatssekretär Georg Gallus war "dia Mess" noch in bester Erinnerung und er, der in seiner 16- jährigen Amtszeit als Staatssekretär mit Ertl und Kiechele unter zwei Landwirtschaftministern tätig war, schätzte sich glücklich, dass inzwischen in der Landwirtschaft so wie auf dem Hof Feldwieser auch Energie erzeugt wird. Allerdings sieht er Grenzen. Wer bereits im Geschäft sei, müsse auch Zukunft haben. Er warnte aber Landwirte davor, den Energiebereich ungehemmt auszubauen, da sonst die Nahrungsmittelversorgung in der Welt in Schwierigkeiten komme. Auf die Frage, was sich gegenüber seiner Amtszeit in Landwirtschaft und Politik geändert hat, antwortete er: "Es ist genau das eingetreten, was ich vorausgesagt habe. Dass es wenige sein werden, die übrig bleiben." Deshalb freue es ihn besonders, dass heute solche Betriebe wie bei Feldwieser Zukunft haben. "Damals wollten mich die Bauern aufhängen, als ich sagte, dass an die 100 000 Betriebe aufhören werden. Und heute sagen dieselben Leute, dass ich der Einzige war, der damals die Wahrheit sagte." Es müsse heute dafür gesorgt werden, dass Betriebe eine Zukunftschance hätten. Es dürfe nicht sein, dass man Betriebe, egal ob Energie-, Fleischerzeugung oder Milchproduktion mit sehr viel Kapital aufbaue, um dann eines Tages zu sagen, die Sache rentiert sich nicht mehr. "Das wäre das Ende der Landwirtschaft." Zur aktuellen Lage sagt Gallus: "Man kann noch so sehr über die Großhändler schimpfen, aber sie haben beim Verbraucher eben die Macht. Ohne eine Kooperation mit ihnen, lässt sich nichts mehr absetzen. Zudem müssen die Großen Interesse daran haben, dass die Existenz der Landwirtschaft, von der sie ja bedient werden, erhalten bleibt." Honor Funk, ehemaliger Europa- und Bundestagsabgeordneter, meint: Wenn Supermärkte regionale Produkte wollen, müssten diese einfach noch enger mit den Landwirten zusammenarbeiten. "Ein Supermarkt kann ja auch nur leben, wenn er gute Produkte in der Menge bekommt, die seine Kunden nachfragen." Durch den weltweiten Einkauf der Großhandelsketten im Zuge der Globalisierung befinde sich die Landwirtschaft zwangsläufig in einem schwierigen Wettbewerb. Die Politik sei vor allem aber dort gefordert, wo Landwirte wegen der in anderen Ländern geltenden tierschutz-, steuerrechtlichen und gesetzlichen Voraussetzungen, zum Teil noch mit Kinderarbeit verbunden, klar im Nachteil sind. "Die deutschen Bauern haben sich Qualitätssiegel auferlegt, die man in vielen anderen Ländern noch gar nicht kennt. Es muss eine Balance gefunden werden, denn man darf die hungernden Länder nicht hängen lassen", meint er. Dennoch sei sicher, dass die "Hungerländer" eine eigene Möglichkeit haben, ihre eigene Versorgung aufzubauen. Carl Dobler, ehemaliger Präsident des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg, meint, es sei erkennbar, dass das was in den vergangenen 40 Jahren versucht worden sei, um der Landwirtschaft Perspektive zu verschaffen, nicht umsonst war. Wichtig sei aber, dass die Bevölkerung bereit ist, diese Bemühungen zu unterstützen. Wilhelm Pflanz zeigte sich erfreut, dass sich die "Herren" zu einem Besuch in der Region Bopfingen entschlossen hatten. Sie seien es gewesen, die während ihrer Zeit die politischen Weichen stellten, damit diese Betriebe eine Zukunft haben. Als Idealfall stellte er den Hof der Familie Feldwieser vor, wo drei Generationen leben und der das klassische Bild eines Zukunftsbetriebes mit Energiewirtschaft und Tierwirtschaft verkörpert.

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