Agrothermie: Hauswärme aus Boden und Wind gewinnen

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vlnr: Dr. Martin Völcker, Erwin Schweizer, Werner Glatzle, Ernst Stumpp

Klimawandel Wie verschiedene Akteure beim Thema Wärme zusammenarbeiten und welche Rolle Wind dabei spielt.

Bopfingen/Königsbronn. Am vergangenen Samstag ließen sich drei Vorstandsmitglieder der Königsbronner Bürger-Energiegenossenschaft BENE bei Erwin Schweizer in Bopfingen-Hohenberg von ihm zeigen, wie sein System „Agrothermie“ funktioniert.

Motiviert war die Gruppe von den Energiepreissteigerungen, vom Klimawandel und von unserer immer deutlicher werdenden Energieabhängigkeit von fossiler Energie aus problematischen Staaten und Regierungen. Die Technik für Agrothermie ist eigentlich schon lange bekannt und weitgehend auch bereits praktisch erprobt. Mit Wärmepumpen kann man aus kühlen Temperaturen Hauswärme gewinnen, das ist bekannt. Doch woher bekommt man möglichst gleichmäßige Ausgangstemperaturen von ca. 0-10°C für die Wärmepumpe, damit die mit wenig Strom viel Wärme macht?

Wie das Prinzip funktioniert

Schweizers Antwort ist „Agrothermie“. Dazu braucht man eine Wiese oder einen Acker und technisches Geschick. Schweizer lässt einen Grabenpflug Kunststoffrohre bis zu 2 Meter tief in den Boden eingraben. Dort wird Erd- und Sonnenwärme an das Wasser im Rohr abgeben. In dieser Tiefe liegt die Temperatur auch im Winter meist über 0°C. Damit kann eine Wärmepumpe mit sehr hoher Effizienz arbeiten und Raumwärme bei 21°C liefern.

Stromerzeugung im Winter

Wärmepumpen brauchen jedoch Strom, besonders im Winter. Und der Strom muss erneuerbare Energie sein, also aus Wind und Sonnenstrahlung. Im Winter ist Photovoltaik etwas im Nachteil, aber die Windenergie bringt im Winterhalbjahr ca. 70% ihres Gesamtjahresertrags. Deswegen ist Windkraft so wichtig für die Wärmewende.

Schweizer hat zusammen mit seinem Partner Honold schon zahlreiche Windparks errichtet und betreibt sie. Hinter seinem Geräteschuppen hat er ein kleines Windrad gestellt, das seine Wärmepumpe direkt mit Strom versorgt (siehe Foto). In geschlossenen Siedlungen kann man solche Windräder allerdings nicht aufstellen, da braucht man eigene Stromleitungen von erneuerbaren Quellen dafür. Schweizer schlägt für Unteriffringen so ein „Agrothermie“-System mit eigenem Windstrom vor.

Die Besucher aus Königsbronn freuen sich, dass sie von Schweizers Projekten und Erfahrungen lernen und profitieren können. Ihnen geht es um die Anwendung dieser Grundideen auf bestehende Wohngebiete. Und Schweizer ist froh, dass seine Ideen in Königsbronn offene Ohren finden. Das ist der Beginn einer produktiven Zusammenarbeit, die der Region helfen kann, aus den Schwierigkeiten mit den fossilen Brennstoffen herauszufinden.

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