Aufhausen: Ein ganzer Ort trägt Trauer

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Baden-Württemberg, Bopfingen: Kerzen, Blumen und Kuscheltiere sind am Dorfplatz Aufhausen anlässlich einer Gedenkfeier niedergelegt. Ein 32 Jahre alter Mann soll ein Kleinkind seiner Lebensgefährtin so schwer misshandelt haben, dass es starb.
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    Ulrike Schneider
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Weit über 200 Menschen aus Bopfingen und dem Umland nehmen bei einer Trauerfeier an Allerheiligen Abschied vom gewaltsam zu Tode gekommenen zweijährigen Bub.

Bopfingen-Aufhausen

Klein ist der Ort. Nicht viel mehr als 800 Einwohner zählt Aufhausen. Hier, im Schatten der Bopfinger Alb, wurde vor zwölf Tagen ein noch nicht einmal zwei Jahre alter Bub zu Tode geprügelt. Während die Ermittlungen gegen den tatverdächtigen 32-jährigen Lebensgefährten der Mutter des Jungen laufen, versammeln sich am tristen Abend des 1. Novembers (Allerheiligen) schaudernd weit über 200 Männer und Frauen sowie eine handvoll Kinder auf dem Aufhausener Dorfplatz zu einer Trauerfeier.

Über die Straße, nur wenige Meter vom Ort der Trauer entfernt, steht das Haus, in dem der Bub zuletzt mit seinen Geschwistern, mit seiner Mutter und deren Lebensgefährten gewohnt hat. Dort, an der Hausmauer, brennen an diesem Abend – wie schon seit Tagen – viele Grablichter. Ihr roter Schein spiegelt sich in den Knopfaugen der Kuscheltiere, die dahinter an der Hauswand lehnen.

Hinter der Fassade soll der Lebensgefährte der Mutter dem Buben schwerste Misshandlungen zugeführt haben. Am Abend des 21. Oktober ist der Bub im Ostalb-Klinikum gestorben.

Die meisten kennen ihn nicht

Die meisten der an diesem Abend auf dem Aufhausener Dorfplatz versammelten Trauergäste kennen den Namen des getöteten Buben nicht. Sie wissen nicht, wie gut er schon laufen konnte, über was er sich am meisten gefreut hat in seinem kurzen Leben. Und sie wissen auch nicht, ob er nicht schon längst verstummt war unter den leidvollen Schlägen seines Peinigers.

Die Trauerfeier, das stille Gedenken, gibt ihnen zumindest das Gefühl, dem Kind nahe zu sein, ihm nachträglich beizustehen in all seinem Schmerz, seinen erlittenen Qualen.

Der Laienvorsitzende des katholischen Kirchengemeinderats in Aufhausen, Eugen Regele, ist schon vor 16.30 Uhr auf dem Dorfplatz angekommen. Die stille offene Trauerfeier für den toten Bub geht auf seine Initiative zurück. „Viele Bürgerinnen und Bürger haben diesen Wunsch im sozialen Netz geäußert“, berichtet Regele. In dem kleinen Dorf gebe es kein Geschäft mehr – keinen Bäckerladen, keinen Metzger und auch kein Gasthaus – keine Gelegenheit also mehr für die Dorfgemeinschaft, das Geschehene in Gesprächen zu verarbeiten. „Dazu dient jetzt die Trauerfeier“, sagt Eugen Regele und schaut zu dem hohen Kreuz, an dessen Fuß viele der ankommenden Besucherinnen und Besucher brennende Kerzen aufstellen oder Rosen ablegen.

Blick ins Nirgendwo

Mitten unter den dunkel gekleideten Trauergästen auf der Egerbrücke: Ein hagerer Mann mit Baseballcap, den Blick geradeaus gerichtet, ins Nirgendwo. Er hält sich eingehängt in den Arm einer Frau neben ihm. Beide sind nicht aus Aufhausen, sondern jeweils aus einem anderen Landkreis.

„Wir haben die Familie gekannt“, sagt sie. Und dann, mit einer Kopfbewegung zur Seite: „Er ist der Vater des kleinen Buben.“ Seine Freundin, die Mutter des Opfers, habe den Vater ihres Jüngsten im Mai aus der Wohnung geworfen. Und sich dann mit ihrem neuen Lebensgefährten, dem mutmaßlichen Täter, zusammengetan.

„Bei mir war die Mutter mit ihrem Lebensgefährten und dem kleinen Bub öfters zu Besuch“, erzählt sie weiter. „Am Anfang war er ja ganz nett. Aber er hat zu viel gesoffen.“ Ob sie irgendeinen Verdacht geschöpft habe? „Nein“, sagt sie. „Ich hab nichts mitbekommen.“

Und er, der Vater des Buben? „Ich hab meinen Kleinen seit 23. Mai nicht mehr gesehen“, sagt er, den Blick jetzt zu Boden gerichtet. „Ich habe keine Bilder mehr bekommen von ihm. Keine Info. Gar nichts mehr.“

Die Glocken vom Kirchturm über dem Dorfplatz schlagen fünf Uhr. Bürgermeister Dr. Gunter Bühler - neben ihm Aufhausens Ortsvorsteher Helmut Stuber - fasst sich kurz. Er spricht von Betroffenheit, von einer Veranstaltung in aller Stille. Und davon, dass „Kinder unserer Obhut anvertraut sind, damit wir sie großziehen und sie leben“. Dann gibt der Schultes den Menschen Raum und Zeit gemeinsam zu trauern.

Einen Teil davon füllen Pfarrerin Carolin Braun und Pfarrer Hermann Rundel. Sie stehen neben dem Kruzifix und formulieren Fürbitten. Die kurzen Gebete spielen an auf Achtsamkeit, auf Zuneigung, Barmherzigkeit und auf den ungerechten Tod des Buben. Dann herrscht Stille. Lange Stille, nur Windhauch bläst ein paar Blätter über den Platz.

Doch in die Traurigkeit und das Unverständnis der Besucher für die grausame Tat mischt sich auch große Wut. Harte Worte findet ein junger Mann: „Man sollte dafür die Todesstrafe einführen, nur das wäre gerecht.“ Für einen anderen ist Anteilnahme wichtig. Er ist mit seiner Frau und dem gemeinsamen Säugling extra aus Essingen nach Aufhausen gekommen. Er ist, wie viele andere auch, aus dem Umland zur Trauerfeier gekommen.

Politisch äußert sich Dr. Carola Merk-Rudolph. Die Stadt- und Kreisrätin nimmt Gesellschaft, Verwaltung und Politik auf allen Ebenen in die Pflicht. „Damit so etwas wie hier in Aufhausen und andernorts nie mehr geschieht.“ Sie fordert mehr Kooperation über Kreisgrenzen hinweg, mehr Engagement bei Ämtern und weniger Hürden im Datenschutz. „Es kann nicht sein, dass Täter mehr geschützt werden als ihre Opfer.“

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