Aufhausener Mühle „klappert“ wieder

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Eugen Regel vor dem renovierten Stauwehr der Aufhausener Mühle.

Eugen Regele hat das historischen Bauwerk komplett renoviert. Wie er unterstützt wurde, was er über die Mühle weiß und warum sie gut in die heutige Zeit passt.

Bopfingen-Aufhausen

Sie ist alt, richtig alt. 1443 wurde die alte Getreide- und Sägemühle in Aufhausen erstmals urkundlich erwähnt und gehörte dem Kloster Ellwangen. 1588 wird die Ellwanger Mühle, wie sie fortan heißt, in den Wallersteiner Aktenarchiven als Getreide- und Sägemühle eines Josef Häußler genannt.

Es beginnt die wechselvolle Geschichte der alten Mühle mit zahlreichen Besitzerwechsel. 2017 erwirbt Eugen Regele aus Aufhausen die historische Wassermühle. „Spätestens hier dämmert mir langsam, dass dies eine große Aufgabe und Verantwortung ist“, meint Regele. Vier Jahre lang werkelt und tüftelt Eugen Regele zusammen mit seinen Söhnen am Stauwehr und dem heutigen Turbinenhaus. „Ein klein wenig stolz dürfen wir alle schon auf die erfolgreiche Renovierung der alten Mühle sein“, meint Eugen Regele im Rückblick.

Bewegte Geschichte

Regele kennt sich in der neueren Geschichte der alten Mühle aus. Über lange Zeit sammelt er alle Anekdoten zur Mühle, lässt sich einen Grundbuchauszug zuschicken und schreibt sich die Geschichtchen, die sich rund um die Mühle ranken, auf.

Eine Geschichte ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben. „1925 brennt die Mühle komplett ab. Davor Beamte bei einer amtlichen Wasserschau viele Unregelmäßigkeiten im Betrieb der Mühle festgestellt. Als eine Folge der festgestellten Verstöße, wurde zum Beispiel der Wasserkanal zur Mühle zugeschüttet und teilweise verlegt. Dem damaligen Besitzer, Georg Häußler, wurde die amtliche Auflage gemacht, die Triebwerks-und Kanaländerungen vorzunehmen. Häußler bittet wegen der hohen Kosten um Aufschub der Maßnahmen. Kurz darauf brennt die Mühle bis auf die Grundmauern ab. Häußler, der zu dieser Zeit im Wirtshaus hockt kommentiert das ganze mit „Was, brennt´s scho?“ und wird daraufhin als Brandstifter ins Gefängnis gesteckt“, erzählt Regele.

1937 wird die ehemalige Getreide- und Sägemühle zu einem Wasserkraftwerk zur Erzeugung von Strom umfunktioniert. Der neue Besitzer, Julius Herrgott, lässt dafür zwei neuartige Spiralturbinen in das ebenfalls neu erstellte Turbinenhaus an der Eger einbauen. 1978 übernimmt der damalige Energieversorger UJAG die Stromwirtschaft in Aufhausen und Oberdorf von Julius Herrgott.

Nutzung zur Fischzucht

Von 2010 bis zum Kauf des Stauwehrs und des Turbinenhauses durch Eugen Regele, wird die Anlage zur Fischzucht benutzt. „Den Teich auf der Wiese, hinter dem Wehr, haben wir wieder zurückgebaut und begrünt. Den verschlammten Rohrkanal in der Eger haben wir freigemacht und das Turbinenhaus mit den Stromgeneratoren restauriert und wieder in Betrieb genommen“, erzählt Eugen Regele.

Was sich im nach hinein betrachtet so einfach anhört, war tatsächlich eine Knochenarbeit. Die Erfahrung als Handwerker und Spezialist für Bad- und Heizungsmodernisierung und Solarthermie kamen Regele in diesem Fall sehr zu gute. „ Ich könnte viele Bücher mit Geschichten zur aufwendigen Renovierung der alten Mühle von Aufhausen schreiben“, sagt Regele. Letztenendes ist Eugen Regele aber froh, dass jetzt alles wieder in Schuss ist.

„An Arbeit mangelt es uns aber auch nach der Renovierung nicht“, weiß Eugen Regele. Jeden Tag stehen er und seine Söhne an der Stauwehr und rechen das Laub, Unrat und Äste von den Auffanggittern der Stauwehrs. Wenn viel Wasser die Eger hinunterfließt, sogar mehrmals am Tag.

Neues Leben für die alte Mühle

Das kleine Elektrizitätswerk im Turbinenhaus hat ein technisches Upgrade in Form einer neuen Regel- und Schaltanlage bekommen. Dabei wurde Eugen Regele vom Förderverein Wind- und Wasserkraft Ostalb e.V. aus Lauchheim mit seinem Vorstand Ulrich Viert unterstützt. „Der Förderverein hat mich sowohl in behördlicher als auch technischer Sicht mit seinem sehr guten Know-how unterstützt“, bedankt sich Regele beim Förderverein.

Ansonsten ist die alte verbliebene Technik noch voll funktionsfähig.

Die Anlage selbst liefert im Vollbetrieb neun Kilowatt Strom. Genug, um den Handwerksbetrieb von Regele mit Eigenstrom zu versorgen. Der Aufhausener ist nun ein überzeugter neuer Mühlenbesitzer und zusammen mit seiner Familie stolz auf dieses außergewöhnliche und erfolgreiche Projekt. „Dieses Hobby passt in die heutige Zeit und hat einen großen, nachhaltigem Nutzen“, meint Eugen Regele überzeugt.

Dieses Hobby passt in die heutige Zeit und hat einen großen, nachhaltigem Nutzen“

Eugen Regele, Handwerker
Den Turbinengenerator hat Eugen Regel wieder in Stand gesetzt.
Das Stauwehr

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