Er ist ein halber Pfarrer

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Bei der Verbaschiedung, v.l. Eugen Regele, Zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats, Franz und HIlde Hömisch sowie Pfarrer Hermann Rundel.

Ein Vierteljahrhundert war die St. Nikolaus-Kirche sein zweites Zuhause. Jetzt wurde Mesner Franz Hömisch verabschiedet.

Bopfingen-Aufhausen

Nach 25 Dienstjahren als Mesner in der Aufhausener St. Nikolaus-Kirche wurde Franz Hömisch mit einem Gottesdienst verabschiedet. Pfarrer Hermann Rundel sprach ihm dabei für sein Engagement Anerkennung und seine Wertschätzung aus. Drei Pfarrer hat Franz Hömisch in diesem Vierteljahrhundert miterlebt. "Mit allen war sehr gut auszukommen", beschreibt Franz Hömisch sein Verhältnis zu den Geistlichen. Der 81-Jährige übernahm das Amt 1995 von Elisabeth Rinn, die von Aufhausen wegzog.

Er musste nicht lang überredet werden, bis er damals "Ja" sagte. Beerdigungen, Hochzeiten, Taufen – immer war Franz Hömisch zur Stelle. Die Kirche galt es vorzuheizen, der Wein für die Wandlung musste hergerichtet, und auch mal eine Glühbirne musste schnell noch ausgewechselt werden. Das waren die Aufgaben des Mesners.

"Am anstrengendsten waren die Weißen Sonntage und Weihnachten, da war immer viel vorzubereiten", erzählt er. Schließlich sind das auch die großen Familienfeiern im Jahresablauf. Nicht nur für die Gottesdienste musste alles vorbereitet werden, auch für die vielen Proben, die im Vorfeld eines Festes stattfinden.

Franz Hömischs Leben war schon immer sehr religiös geprägt. "Er ist ein halber Pfarrer", sagt seine Frau Hilde über ihn. Bevor er Mesner in Aufhausen wurde, war er bereits als Lektor und Kommunionhelfer in der Pfarrei tätig. 45 Jahre von 1970 bis 2015 war er im Kirchengemeinderat von St. Nikolaus und seit 60 Jahren ist er Schriftführer des Kolpingvereins Aufhausen. Bei den Rosenkranzgebeten in Aufhausen war er als Vorbeter tätig.

Als er vor vielen Jahren einen Unfall hatte und mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht wurde, war seine größte Sorge die Frage: "Wer bereitet denn heute Abend den Gottesdienst vor?"

Manchmal habe ich mit dem Putzeimer das Weihwasser durchs Dorf zur Kirche getragen.

Franz Hömisch Mesner

Seine Frau Hilde hat all die Jahre akzeptiert, dass die Kirche St. Nikolaus in Aufhausen für ihren Mann eine Art zweites Zuhause war. Den 650 Meter langen Weg zur Kirche absolvierte der Mesner immer zu Fuß, im Winter, wenn es noch dunkel war, leuchtete er den Weg mit der Taschenlampe aus.

1953 ist er aus Lippach nach Aufhausen gekommen. Beruflich hat er als Postbeamter in Bopfingen, Stuttgart, Heidenheim und Aalen gearbeitet. Zur Familie gehören zwei Töchter, zwei Enkel und auch schon eine Urenkelin. Vor neun Jahren konnte das Paar in der St. Nikolaus-Kirche seine Goldene Hochzeit feiern.

Franz Hömisch war immer da, wenn er gebraucht wurde. "Manchmal habe ich mit dem Putzeimer das Weihwasser durchs Dorf in die Kirche getragen", erzählt er und lacht. Was sein schlimmstes Erlebnis war? Als sich an einem Sonntag die Gemeinde in der Kirche versammelt hatte und der Pfarrer nicht kam. Hömisch schaute daraufhin im Pfarrhaus nach und fand den damaligen Pfarrer verstorben in seinem Bett. "Das werde ich nie vergessen", sagt er konsterniert.

Nun will sich Franz Hömisch um seinen Garten kümmern. "Kirchgänger bleibe ich weiterhin", stellt er klar. Seinen Nachfolgerinnen Ute Strobel und Irene Breitenbücher gibt er mit auf den Weg: "Habt soviel Freude an diesem Dienst wie ich es hatte."

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