Baumschnitt - aber richtig

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Wie schneidet man einen Obstbaum so, dass er weiterhin wächst und auch noch Früchte trägt? Das Interesse an dem Kurs im Klostergarten Kirchheim war groß.

Im Klostergarten Kirchheim wird an 60 Obstbäumen die fachmännische Pflege gezeigt. Was Hobbygärtner beim optimalen Schnitt beachten sollten.

Kirchheim am Ries

Im Rahmen der Landesaktion Baumschnittförderung und Pflege der Obstbaumbestände war vor einiger Zeit auch der Klostergarten mit rund 60 Obstbäumen gemeldet worden. Die Anregung dazu kam von Johann Merz.

So konnte Edwin Michler zu einer Freiluftbaumschnittaktion rund ein Dutzend Teilnehmer begrüßen. Für die ehrenamtlich tätige Klostergartenintiative Kirchheim am Ries hatte er als sachkundigen Fachwart Franz-Josef Klement vom Landratsamt gewinnen können.

In einem nahezu 2-stündigem theoretischen Teil zeichnete dieser den Baum als ein Lebewesen nach, das auf jeden Eingriff in bestimmter Weise reagiert. Mit Kenntnis dieser Reaktionen könne der Baumschnitt zielgerichtet und erfolgreich durchgeführt werden. Für junge Obstbäume setzte der Referent eine „Erziehungszeit“ von nahezu fünf plus fünf Jahren an, in der anfänglich intensiv durch Ausschneiden, später ohne weiteren Ausschnitt der Hauptäste die Entwicklung des Baumes und damit der zukünftige Fruchtertrag optimiert werden kann.

Der Baum als Lebewesen

Jeder Baum versuchte, die ihm eigene maximale Wuchshöhe zu erreichen. Darauf richte er sein Wachstum aus, so Klement. Dabei sei aber nicht die jeweilige Obstsorte entscheidend, sondern bei allen letztlich veredelten Obstbäumen die tragende Unterlage. Diese werde inzwischen bei den Baumschulen in eine umfangreiche Größenordnung gegliedert. Die kleinwüchsigen Obstbäume der Bodenseegegend haben ihre artgerechte und arbeitstechnisch optimale Wuchshöhe erreicht. Da helfe hierzulande, auf der Ostalb, kein ständiges Rückschneiden der Bäume, um einen gleichartigen Effekt zu erzielen. Klement forderte: „Gezielt sollte deshalb dem höchstaufragenden, möglichst mittigen Ast das freie Wachstum eingeräumt werden. Ohne seine vorbestimmte Wuchshöhe ist kein optimaler Fruchtertrag an den seitlichen Hauptästen zu erwarten.“

Die praktische Umsetzung

Im Klostergarten ging es dann bei der praktischen Umsetzung in erster Linie um den Altbaumschnitt nach den Kriterien

Mittelast festlegen und freischneiden,

Hauptäste bestimmen und freischneiden,

Fruchtholzerneuerung ermöglichen.

Ein Aspekt galt den eingesetzten Werkzeugen und Schnitttechniken. Säge - natürlich scharf und möglichst flexibel - ist besser als eine Astschere. Beim Sägen an stärkeren Ästen zunächst mit Vorschnitt Schäden durch ein Abbrechen des Astes am Baum verhindern. Restschnitt dann, ohne Zapfen stehen zu lassen.

Die richtigen Schnitte

Alle Schnitte sollten rechtwinklig zur Wuchsrichtung ausgeführt werden, um die Schnittstelle möglichst klein zu halten und damit den Selbstheilungseffekt befördern zu können. Der früher üblich Wachsauftrag werde heute nicht mehr als sinnvoll angesehen. erläuterte Klement. Beim Schneiden mit Baum- oder Astschere ist darauf zu achten, dass die unvermeidbare Druckstelle auf der Seite des abfallenden Astes liegt und nicht den verbleibenden Ast beeinträchtigt.

Manchem Teilnehmer erschien die Schnittmaßnahme, die gemeinsam an mehreren Obstbäumen diskutiert und durchgeführt wurde, doch etwas heftig ausgefallen zu sein. Franz-Josef Klement als Referent beruhigte, dass der Freischnitt in den kommenden Jahren den erhofften Ertragserfolg zeigen werde.

Edwin Michler dankte dem Referenten für seinen engagierten Einsatz im Kirchheimer Klostergarten. Er überreichte ihm als Dank eine Flasche Kirchheimer Klosterlikör und nahm gerne den Vorschlag auf, im kommenden Frühjahr erneut eine solche Aktion durchzuführen.

Die Fachwarte Aalen sind ein Verein aus über 140 LOGL-geprüften Obst- und Gartenfachwarten, die in der Regel Mitglied in einem der örtlichen Obst- und Gartenbauvereine sind.

Infos unter www.fachwarte-aalen.de

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