Eine, die sich nicht verbiegen lässt

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Ilse Weber darf's jetzt ein wenig langsamer angehen lassen. Die langjährige Kämmerin in Riesbürg ist in den Ruhestand gegangen. In ihrem geliebten Benzenzimmern allerdings bleibt sie weiterhin Ortsvorsteherin.
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Über 30 Jahre lang war Ilse Weber Kämmerin in Riesbürg. Nun, im Ruhestand, freut sie sich über Zeit für andere Aufgaben.

Kirchheim-Benzenzimmern

Im Rathaus in Pflaumloch war sie eine Institution: Kämmerin Ilse Weber ist in den Ruhestand gegangen. Langweilig wird es der umtriebigen 60-Jährigen aber sicher nicht. Dafür sorgen ein Enkelkind und allerhand Ehrenämter. Und natürlich bleibt sie auch noch Ortsvorsteherin in ihrem geliebten Benzenzimmern. Ilse Weber ist immer ihren Weg gegangen. Auch in Zeiten, in denen dies für eine Frau nicht selbstverständlich war.

"Ich hatte studiert und da wollte ich auch in meinem Beruf arbeiten", erinnert sie sich an ihre erste Schwangerschaft. Das Kind hat sie einfach mitgenommen auf die Rathausstube und Homeoffice damals schon für sich erfunden. "Es geht darum, dass man seinen Job ordentlich macht und wenn alle mitziehen, findet sich auch immer eine Lösung", hat sie in ihrem Berufsleben erfahren.

1960 wurde Ilse Weber geboren, aufgewachsen ist sie in Benzenzimmern, wo sie bis heute lebt. 1979 hat sie Abitur am Ostalb-Gymnasium gemacht, danach begann sie den Vorbereitungsdienst für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst. Beschäftigt war sie in dieser Zeit im Rathaus in Bopfingen und bei der Landkreisverwaltung Ostalb. Es folgte ein Studium an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Stuttgart. 1983 hieß es für sie: einen Job suchen, möglichst in der Heimat.

Von Männern dominierter Beruf

Ilse Weber hatte Glück und Courage. Noch vor der mündlichen Prüfung landete die Diplomverwaltungswirtin 1983 als "Fachbeamtin für das Finanzwesen" in Riesbürg. Ein Beruf, der damals noch zu etwa 90 Prozent von Männern ausgefüllt wurde. Die Stelle in Riesbürg wurde eigens für sie geschaffen und bis 2016 war es die einzige Beamtenstelle im Rathaus, bis ein Hauptamtsleiter eingestellt wurde.

Mit ihren Bürgermeistern sei sie stets gut ausgekommen, sagt Weber. Von 1983 bis 1991 mit Berthold Sigle, bis 2011 mit Günther Neumeister und die letzten achteinhalb Jahre mit Willibald Freihart. Gekümmert hat sie sich um viel mehr als die Finanzen. Haupt- und Ordnungsamt waren auch ihre Bereiche. "Wahlen haben mir immer viel Spaß gemacht und auch die Aufgabe als Standesbeamtin", sagt sie. Fünf bis sechs Eheschließungen im Jahr und das über 30 Jahre lang.

1986 hat sie selbst geheiratet und 1988 kam das erste Kind, ein Mädchen. Nach sechs Monaten war Ilse Weber schon wieder Vollzeit am Start. Das zweite Kind, diesmal ein Junge, kam und 1990, nach einem Jahr Elternzeit, ging sie zurück in Teilzeitbeschäftigung, zunächst 50 später 60 Prozent bis jetzt zu ihrem Eintritt in den Ruhestand. "Wir haben in Benzenzimmern gebaut, neben den Großeltern, die dann bei Bedarf auch nach den Kindern schauen konnten."

Elternzeit mit Arbeit verknüpft

Ich habe den Beruf immer auch als Vergnügen gesehen.

Ilse Weber langjährige Kämmerin in Pflaumloch

Während ihrer Elternzeit hat die Gemeinde keinen Ersatz eingestellt. "Haushaltsplan, Rechnungsabschluss und andere wichtige Angelegenheiten wurden bereits damals teilweise zu Hause erledigt, oder ich hab die Kinder mit ins Büro genommen", sagt Ilse Weber. Die Arbeit dort war anders, erinnert sie sich. "Ich hatte hauptsächlich ein Diktiergerät. EDV? Fehlanzeige. Wir hatten eine alte Buchungsmaschine, die war mindestens zwei Meter breit. Die EDV lief über die Datenerfassungsstelle in Lauchheim und von dort wurden die Daten an das Rechenzentrum in Ulm übermittelt. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen", lacht Ilse Weber. Irgendwann hielt aber EDV auch in Pflaumlochs Rathaus Einzug, erinnert sie sich an die große Arbeitserleichterung.

"Insgesamt hatte ich eine verantwortungsvolle und vielseitige Tätigkeit, die Spaß gemacht hat, weil man den Leuten helfen, etwas bewegen konnte und die Gemeinde trotz teilweise schlechter Finanzausstattung positiv voranbringen konnte. Ich habe den Beruf immer auch als Vergnügen gesehen, Überstunden waren kein Problem. Ich habe zwar wegen den Kindern Teilzeit gearbeitet, war aber immer zu erreichen, flexibel und bei Bedarf schnell im Büro", zieht Ilse Weber Bilanz über ihr Berufsleben.

"Ich habe mich nie verbiegen lassen. Mein Leitmotiv war immer meine christliche Grundeinstellung, andere zu unterstützen", sagt sie und erklärt damit auch ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement. So war sie als evangelische Kirchengemeinderätin in Benzenzimmern von 1989 bis 2014 aktiv. 2014 wurde sie dort zur Ortsvorsteherin gewählt. "Beide Ämter waren mir zu viel", erklärt Weber ihren Abschied aus dem KGR.

Engagiert für Benzenzimmern

Spuren hinterlassen hat sie aber auch dort. So war sie dabei, als 1994 die Kinderkirche entstand und hat diese zehn Jahre lang begleitet. Dies ging fast nahtlos über in die Seniorenarbeit am Ort, die ihr seit 2006 Freude macht. Lichterfest im November, Seniorenfastnacht und vor allem die regelmäßigen Treffen sind hier zu nennen.

Seit 1999 ist Ilse Weber im Ortschaftsrat kommunalpolitisch aktiv, lange als stellvertretende und seit 2014 als Ortsvorsteherin. "Es macht großen Spaß, man kann seine Ideen einbringen, verbunden mit dem kommunalen Fachwissen als Hintergrund. Wichtig ist allerdings hier, dass man ehrenamtliche Mitstreiter hat, um kleinere Ideen, wie unseren Biberpfad, den Baumlehrpfad oder die Spielplatzsanierung für die Gemeinde kostengünstig verwirklichen zu können."

Häufig in den Medien war Ilse Weber 2006 als Sprecherin der BI "Verkehrsentlastung östlicher Ostalbkreis". Straßenbau, Verkehrslärm und die mögliche Trasse der B29 neu von der Röttinger Höhe nach Nördlingen waren hier die Themen. "Wir sind gespannt, was die B 29 neu-Planung hier ergibt", sagt Ilse Weber und deutet an, dass die BI, die derzeit "schlummert", durchaus wieder aktiviert werden könne. Privat engagiert sich Ilse Weber dann noch im SKV Benzenzimmern und besonders gerne bei der närrischen Hexengruppe am Ort.

Und dann gibt es da ja seit eineinhalb Jahren noch ein erstes Enkelkind.

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