Bio-Anbau von Alb-Linsen in Michelfeld 

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Erwin Schweitzer (links) zeigt den Ortschaftsräten die Alb-Linsen-Anbau.
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Erwin Schweitzer präsentiert Aufhausens Ortschaftsrat den Bio-Ackerbau, den er dort gemeinsam mit Josef Saur betreibt. 

Bopfingen-Aufhausen. Die Ortschaftsräte von Aufhausen trafen sich zu einem Vororttermin bei Michelfeld. Erwin Schweitzer führte die Räte über die Anhöhe und erklärte den Bio-Anbau, der hier betrieben wird.  
Gemeinsam mit Josef Saur bearbeitet Schweitzer die Fläche. Saur betreibt in Michelfeld eine Bio-Hühner-Farm.  
„Wiesen sind immer Bio,“ erklärte Schweitzer. Hier darf nichts ausgebracht werden. Mühsam ist dagegen der Bio-Ackerbau. Hier darf kein Dünger verwendet werden, weshalb Erwin Schweitzer das Unkraut mit der Hand aushacken muss.  
Vor allem im Anbau der Späths Alb-Linsen, den er hier betreibt. Diese Linsen sind speziell für das raue Klima auf der Alb entwickelt worden und dürfen auch nur auf der Schwäbischen Alb angebaut werden. „Wir sind das östlichste Gebiet, in dem noch angebaut werden darf,“ sagt Erwin Schweitzer stolz.  

Stützfrucht wird benötigt

Diese Linsen waren nicht sehr ertragreich, weshalb immer mehr auf Linsen vor allem aus Kanada zurückgegriffen wurde. So starb die Linse beinahe aus. Bis Woldemar Mammel 2007 von der Samenbank in St. Petersburg welche erhielt.  
Die Schwierigkeit bei den Linsen ist, sie benötigen eine Stützfrucht. In Michelfeld ist dies die Gerste. Dadurch werden der Anbau und die Ernte kompliziert, denn bei Ernte, Trocknung, Trennung und Reinigung muss sich der Landwirt um zwei Kulturen kümmern. Das bedeutet, dass nach dem Dreschen die Ernte sechs Stunden belüftet werden muss, dann wird in mehreren Schritten die Linse und das Korn getrennt. Mit einem Optoausleser wird im letzten Schritt dann die Linse für den Verbraucher herausgefiltert.  

„Dazu gibt es in der Zwischenzeit Spezialfirmen,“ erklärt Schweitzer. So wird das Material sehr edel und wird nicht an Schweine verfüttert. Zum Zweiten muss bei Linsen eine Anbaupause eingehalten werden. Sechs Jahre dauert es bis der Boden wieder für den Linsenanbau geeignet ist. Wichtig ist auch die richtige Mischung Unkraut auf dem Acker. Dieses hält die Läuse in Schach und verhindert eine große Ausbreitung der Schädlinge auf die Frucht.  

Auf der Michelfelder Höhe sind 45 Hektar Bio-Landwirtschaft. Während bei Grünland kein Einsatz von Mitteln notwendig ist, sieht es beim Ackerbau anders aus. „Biologisches spritzen mit beispielsweise Brennesselsud,“ beschreibt Erwin Schweitzer den Aufwand.  

Mehr Ertrag als beim Weizen

Ob sich das lohnt, wollte Aufhausens Ortsvorsteher Helmut Stuber wissen.  
„Wir haben hier unterm Strich mehr Ertrag als beim Weizen,“ antwortete Erwin Schweitzer. Pro Jahr und Hektar sind es etwa 600 Kilo Linsen.  Wie Bio in Michelfeld gearbeitet wird, beweist auch die Anzahl der Mehlschwalben in dem Dorf, das zu Aufhausen gehört. „Wären hier zu wenige Insekten, würden sich die Schwalben hier nicht in dieser Anzahl niederlassen,“ sagt Erwin Schweitzer.  

Die Hühnerfarm, um die es vor Jahren Diskussionen gab, ist ebenfalls absolut Bio. „Da wird genauer kontrolliert als bei einem normalen Hühnerhof,“ erklärt Erwin Schweitzer. Der Hühnermist sei nicht grundwassergefährdend. Dies sei insbesondere wichtig, da das Grundwasser aus Michelfeld in der Egerquelle zu Tage tritt und damit das Trinkwasser für über 10.000 Menschen in Bopfingen herausgefiltert wird.  
„Es sieht wesentlich besser aus als vor Jahren,“ stellte zum Abschluss Helmut Stuber fest.  
Hier ist ein kleines landwirtschaftliches Paradies entstanden. Michael Scheidle 

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