BUND kritisiert Verkehrserhebungen zur B29neu

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Regionalverband bezweifelt das prognostizierte Verkehrsaufkommen und fordert Sofortmaßnahmen.

Bopfingen. Der BUND-Regionalverband kritisiert die Verkehrserhebung im Zusammenhang mit der B 29neu, die nun im Kreistag präsentiert wurde. Vorsitzender Werner Gottstein meint, die Untersuchung sei „schwammig und tendenziös“. Sie enthalte Angaben zum Verkehrsaufkommen, die nicht plausibel seien.

Gottstein schreibt: Die Landesstelle für Straßentechnik führe für das Verkehrsministerium im ganzen Land das ganze Jahr über Verkehrszählungen durch. Auf der B 29 seien an der Zählstelle Bopfingen (Nr. 81979) für 2017, von Montag bis Sonntag, im Schnitt 14 909 Fahrzeuge gemessen worden; 2018 mit 14 797 Fahrzeugen etwas weniger und 2019 15 189 Fahrzeuge. Da 2020 wegen Corona der Verkehr deutlich nachließ, schätzten die Planer in ihrer Analyse 2020 eine Steigerung des Verkehrsaufkommens auf 17 700 Fahrzeuge. Das sind in einem Jahr 2511 Fahrzeuge mehr.

Auch die Zahlen an der Mess-Stelle Trochtelfingen/Pflaumloch (Nr. 86131) hätten für 2019 ein tägliches Fahrzeugaufkommen von 7527 angegeben, während die Planer in ihrer Analyse 2020 mit 11 200 Fahrzeuge rechnen.

Auch die Angaben über die Führung der Umgehungsstraßen seien „nebulös“, so Gottstein. Bei der Nullplusvariante würden Pflaumloch und Trochtelfingen umfahren, dann solle der gesamte Verkehr durch Bopfingen geleitet und anschließend Aufhausen umfahren werden. Wer sich auskenne, der wisse, dass Aufhausen in einem engen Tal liege und eine Umfahrung nur großräumig möglich sei. Vermutlich soll bei dieser Variante der Verkehr durch Bopfingen über die Neresheimer Straße auf das Härtsfeld Richtung Hohenberg und Riffingen durch den Wald und Wasserschutzgebiet zur Röttinger Höhe geleitet werden, behauptet Gottstein. Dies bedeute einen tiefen Eingriff in Natur und Sicherheit der Wasserversorgung.

Weiter behauptet Gottstein, dass nicht alle möglichen Varianten geprüft worden seien, sondern nur die Nord- und Südvariante. „Damit war klar, dass die von der Straßenbauverwaltung und dem überwiegenden Teil der Politik bevorzugte Südvariante als Favorit herauskommt“, schreibt er.

In der Prognose für 2035 werden 53 Wohnbaugebiete genannt. Unklar sei, in welchem Umkreis diese entstehen sollen. Damit und mit zusätzlichen Gewerbegebieten werde eine enorme Zunahme des Verkehrs prognostiziert. Die Straßenbauverwaltung blende vollkommen aus, dass in Bopfingen und Kirchheim zwischen 1995 und 2019 die Bevölkerungszahl um fast 1000 Personen abgenommen habe. Und dies trotz der Ausweisung mehrerer neuer Baugebiete. Demographischen Wandel gebe es scheinbar bei den Planern nicht.

Wo eine Steigerung des Verkehrs um zehn bis 20 Prozent bis 2035 herkommen solle, erschließe sich nicht aus den Zahlen der Landes-Straßenverkehrszentrale (https://www.svz-bw.de/verkehrszaehlung/verkehrsmonitoring/ergebnisse).

Der Verkehr entlang der B 29 sei in den letzten Jahren nicht gestiegen, sondern eher konstant geblieben. Offenbar blende die Straßenbauverwaltung die Klimakrise aus oder ignoriere sie gänzlich. Dabei bescheinige die Wissenschaft, dass der Verkehr drastisch in den nächsten zehn Jahren reduziert werden müsse, um die Klimakrise nicht weiter anzuheizen. Verkehrsminister Herrmann wolle bis 2030 die Fahrgastzahlen im ÖPNV verdoppeln. Bundesverkehrsminister Scheuer lobe Milliardenbeträge zur Förderung des Radverkehrs aus. „Alle diese Maßnahmen werden den Verkehr nicht ansteigen lassen, sondern deutlich reduzieren. Wir fordern daher ein Moratorium im Straßenbau und den Stopp weiterer Straßenplanungen“, schreibt Gottstein.

Der BUND Regionalverband fordert weiter zum Schutz der Bevölkerung, dass auf der gesamten B 29 zwischen Pflaumloch und Aufhausen innerörtlich sofort Tempo 30 eingeführt wird. Zwischen den Orten müsse maximal Tempo 70 erlaubt werden. Bei der Straßensanierung müsse Flüsterasphalt bei der Ausschreibung schon vorgegeben werden.

Mit diesen Maßnahmen würde die Lärmbelastung sofort deutlich reduziert und gleichzeitig gebe es damit weniger CO2-Ausstoß. Martin Simon

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